Mittwoch, 18. August 2010

Monsun beim Dalai Lama, Pilger-Gastfreundschaft am Goldenen Tempel und Großbaustelle Delhi

Ein letztes NAMASTE (Hallo auf Hindi - "Ich verbeuge mich vor dir") vom indischen Subkontinent erreicht euch nun heute nicht mehr vom Berg, sonderm vom Flughafen in Delhi. Nur noch eine Stunde, dann gehts auf nach Moskau :). Ich bin mächtigst müde - zum dritten Mal in der letzten Woche musste ich halb drei das Bett verlassen, um einen frühen Bus, Zug oder nun heut den Flieger zu kriegen. Die Hitze tut ihr Übriges, um einen körperlich fertig zu machen, aber da muss ich euch daheim ja nix erzählen, ne ;).

Die Nacht-Busfahrt von Kasol nach Dharamsala letzten Freitag war abenteuertechnisch schon wieder ganz großes Kino. Da ich nicht am Start-Ort des Busses (was Manali gewesen wäre) eingestiegen, sondern quasi unterwegs zugestiegen bin, war an einen Sitzplatz nicht zu denken. Von außen sah der Bus aus, als könnte er nicht einen einzigen weiteren Passagier zusätzlich aufnehmen - und doch waren nach wenigen Minuten irgendwie alle (um die 15 weitere) drin – und ich saß für die nächsten zwei Stunden mit einer Pobacke (desöfteren wars auch eher ein Hänge- oder Schwebezustand, so wie der Bus wieder durch die Schlaglöcher holperte) auf der Sitzlehne des einzigen weiteren westlichen Travellers (ein lustiger kleiner Kanadier) und hielt mich an den Halte-Stangen am Dach fest. Auf Anweisung des Busfahrers musste mein Riesen-Rucksack wieder aufs Gepäck-Dach befördert werden, was netterweise zwei indische Jungs gern übernahmen. Als wir dann durch die ersten Löcher rumpelten und die erste scharfe Kurve den Bus in bedenkliche Schieflage brachte, fragte ich mal vorsichtshalber nach, ob sie den Rucksack auch gut festgeschnallt hätten - zu meinem Entsetzen (und zur offensichtlichen Belustigung der mitfahrenden männlichen Inder) schüttelten sie den Kopf! Boah, ich hatte so ne Angst, dass das Ding vom Busdach hüpft und auf Nimmerwiedersehen in der Nacht verschwindet, dass ich solang rumgejammert hab, bis die Jungs bei einem kurzen Passagier-Aufsammel-Stop hoch aufs Dach kletterten, um den Rucksack zu fixieren. Zeit zum Wiederreinklettern hatten sie keine, so dass sie die nächste Viertelstunde auf dem Dach mitfuhren (dass der Bus mal kurz 5 Minuten halten könnte - keine Chance...). Die Nacht verging mit viel Spaß beim Zwischen-Lehne-und-Haltestangen-Hängen und mit dem Kanadier plaudern, später ergatterte ich dann einen „Sitzplatz“ im Gang auf dem Ersatzrad. Mit Schlafen war nix – sowieso nicht mehr, als es draußen ordentlich zu gewittern und natürlich zu regnen anfing und 4 Stunden lang nicht aufhören wollte. Hallo Monsun. Meine Gedanken waren die ganze Zeit bei meinem Rucksack aufm Dach, der (samt Inhalt) innerhalb weniger Minuten dieses krassen Regengusses völlig durchweicht gewesen sein dürfte… Nach Ankunft in Dharamsala irgendwann gegen 4 Uhr morgens mussten dann noch 3 Stunden an der Busstation totgeschlagen werden, bis die ersten Taxis fuhren und uns hoch ins kleine Örtchen McLeods Ganj brachte. Da hat der Dalai Lama nach seiner Flucht aus dem von China besetzten und annektierten Tibet sein Exil-Zuhause aufgeschlagen und die ganze tibetische Regierung hat dort ihren Sitz. Drumherum hat sich ein wunderbar relaxter Ort mit viiiiielen Guesthäusern, Cafés, Restaurants mit Dachterassen, unendlich vielen kleinen Lädchen und Straßenständen mit vielen netten Dingen zu kaufen, am Hang eines Berges mit toller Aussicht und viel Grün entwickelt. Überall laufen Mönche oder Nonnen in roten Gewändern und abgeschorenen Haaren rum, überall gibt’s Yoga- oder Meditationskurse zu besuchen. Und überall gabs Regen und Nebel… Leute, da hat mich der Monsun aber sowas von voll erwischt! Von Samstag Früh an hat es jeden Tag bis zu meiner Abreise am Donnerstag Früh mindestens die Hälfte des Tages mächtigst geschüttet und den Rest des Tages hatte man eine dicke weiße Nebelwand vor Augen (dass die Aussicht ins Tal eigentlich sehr schön war, hab ich erst Mittwoch Abend mitgekriegt). Das war ziemlicher Mist, was meinen Rucksackinhalt anbelangt, der so richtig, richtig, völlig nass war, so dass ich jedes einzelne Teil auswringen musste, bevor es auf die Wäscheleine kam (wo dann alles auch bis Mittwoch brauchte, bis es halbwegs trocken war). Dass ich 3 Tage in denselben Klamotten rumlaufen musste, die ich während der Busfahrt trug und deshalb die einzigen trockenen waren, war das kleinere Übel (hab dann ja auch was neues eingekauft ;)). Das Größere war, dass eine kurz zuvor gekaufte Stofftasche ihre lila Farbe aus dem Stoff verlor, als sie nass wurde, und so ziemlich alle anderen Klamotten und Stoff-Dinge im Rucksack mit eben dieser Farbe besprenkelte…AAAAHHHHH :(. Mutti, denk dir irgendwas aus, damit diese furchtbaren Farbflecken wieder rausgehen! Please!

(So. Die Russen haben mich schon mal gut nach Moskau gebracht. Es ist heiß und sonnig, der Flughafen sehr neu und schick – allerdings kann ich hier nirgends ein paar Rubel herbekommen, weil ich nur Transit-Reisender bin, also gibt’s auch nix zu Essen bis nachher wieder im Flieger. Hmpf. Wenigstens gibt’s kostenloses Wifi, so krieg ich die dreieinhalb Stunden vielleicht auch ohne Essen rum ;)).

Die 5 Tage in Dharamsala jedenfalls waren trotz des bescheidenen Wetters ganz wunderbar. Ich hab zufällig auf der Straße die gute Conni aus Berlin wiedergetroffen, die in Leh mit im Guesthouse gewohnt hat (und mir auch den Tipp dafür gab) – das war ne riesen Wiedersehensfreude, weil ich so überstürzt aus Leh abgereist bin, dass wir uns nicht mal verabschieden konnten. Wir haben einen mittelmäßig imposanten Wasserfall erwandert (meine Augen sind ja nun schon etwas verwöhnt, was Naturschönheiten angeht ;)), haben viel und gut gegessen und Tee getrunken und gesessen und geredet (vor allem das :D), sind im strömenden Regen (der zuweilen sogar von unten kam) den Dalai Lama besuchen gegangen und waren unheimlich viel einkaufen (ich bin immernoch beeindruckt, wie Conni das alles nach Hause gebracht hat…). Den Dalai Lama haben wir zwar leider nicht zu Gesicht bekommen, er war aber wohl auf jeden Fall zu Hause, zu der Zeit, als wir da waren und wir haben einen Mönch mit einem Tee-Tablett in sein Wohnhaus reingehen sehen :). Ein doch irgendwie spezielles Gefühl, diesem alten, berühmten, symbolträchtigen Mann so nah zu sein! An meinem letzten Tag hab ich dann schließlich auch noch eine zweistündige Yoga-Session mitgemacht – was total anstrengend war, allerdings weniger wegen meiner mangelnden Kondition, sondern weil die Frau Yoga-Lehrerin einfach unprofessionell schnell und hektisch durch die Übungen „gerannt“ ist, ironischerweise immer begleitet von den Worten „take your time“. Pah. Nen Kochkurs zu besuchen hab ich mir geschenkt, weils nur Momos-Machen zu Lernen gab, und das hab ich ja schon aus erster Hand im Mahabodhi gelernt, ne. :)

Als die Wäsche schließlich trocken war und wieder in den Rucksack gepackt werden konnte, gings am Donnerstag früh um 4 Uhr wieder weiter – auf nach Amritsar zum Goldenen Tempel. Natürlich wieder mit dem Public-Bus, der natürlich wieder undichte Fenster hatte, durch die es während der 6-stündigen Fahrt natürlich kräftig rein tropfte, weil der Monsun wieder wütete. Zum Glück konnte ich vom Fenstersitz weg auf den Gangsitz rutschen, weil der Bus nur mäßig voll war – denn die Polster dort waren ruckzuck sacknass…Meinen Rucksack hatte ich zwar mit bei mir im Bus, da der Fußboden aber ziemlich schnell unter Wasser stand, saugte er sich von unten doch wieder mit Wasser voll und der Schlafsack war wieder pitschenass, als wir ankamen... Unterwegs standen wir auch noch ne Stunde am  Straßenrand rum, weil ein Rad gewechselt werden musste. Oder so.

Alles in allem aber eine recht unkomplizierte Fahrt und gegen Mittag kamen wir an – und da wusste ich plötzlich, wovon immer alle anderen Traveller sprachen, wenn sie sagten, dass der Norden Indiens (wo ich mich ja bisher ausschließlich aufgehalten hatte) nicht das „wahre“ Indien sei… Der Busbahnhof war einfach nur ein unglaubliches Chaos einer riesigen Menge an Menschen, Auto- und Fahrrad-Rikschas (die Gefährte auf drei Rädern), Autos, Bussen, Dreck, Müll, Kühen, Pfützen, noch mehr Müll und noch mehr Menschen - die alle wie wahnsinnig auf einen zustürmten, sobald man den Bus verlassen hatte und einem mit „Mam, Auto-Riskhaw, Mam, excuse me, Tempel, Tempel, Auto-Rikshaw, Mam“ in den Ohren lagen. Alle auf einmal und alle verfolgen dich mit denselben Worten noch weitere 100 Meter, auch wenn du deutlich NO sagst, abwinkst, straff weiter gehst. Und das ist nicht der Ausnahme- sondern der absolute Normalzustand im Rest-Indien. Während die Taxi-Jungs oben im Norden ja geradezu zurückhaltend und faul aus ihren Taxis raus riefen „Taxi, Mam, Taxi?“, wenn man vorbeilief (was mich da schon genervt hat!), drehen die Rikscha-Fahrer in Amritsar und auch Delhi (und wie alle sagen, eben im Rest-Indien auch) völlig am Rad… Daran könnte man sich ja vielleicht noch gewöhnen und ich wurde auch mit der Zeit weniger angenervt davon. Vielleicht könnte ich mich auch irgendwann an das ständige Angesprochenwerden von den Laden-Besitzern gewöhnen, die ihre tollen Sachen anpreisen….Nirgends hat man seine Ruhe! Einfach mal in Ruhe das Sortiment durchschauen? Keine Chance. Sofort muss man beantworten, woher man kommt, wie man heißt, ob man alleine reist und ob man verheiratet ist (bin ich, aber mein Ehemann muss arbeiten zu Hause). Dann kennt jeder Shop-Man mindestens eine Person in Deutschland (meistens die Schwägerin oder so) und man muss deren Deutschkenntnisse würdigen („Alles kla?“ „Alles gut?“)… – Aber was absolut unausstehlich für mich ist und woran ich mich niemals gewöhnen könnte und werde, ist der unglaubliche Dauerlärm, der permanent auf den Straßen herrscht. Der Verkehr ist absolut unbeschreiblich chaotisch, weil sich neben den normalen Autos, LKWs und Motorrädern die Fahrrad- und Auto-Rikshaws durch die Straßen schieben und es alle unheimlich eilig haben. Da wird an unmöglichsten Stellen mit unmöglichen Manövern überholt, gebremst, IMMER NUR GEHUPT und es ist ein ganz großes Phänomen, dass es scheinbar nie Unfälle gibt…

(Mittlerweile sitze ich übrigens im ICE von Frankfurt nach Erfurt. Die Aeroflot kann ich uneingeschränkt weiterempfehlen – Essen war lecker und üppig, Service nett, Flug angenehm und komplikationslos :). Und weil es womöglich tatsächlich eher Vorbehalte gegen diese Airline gibt, gabs viele freie Plätze und ich konnte mich auf ner Dreier-Sitz-Reihe lang machen und ein bisschen schlafen. Über den Frankfurter Flughafen freu ich mich immer wieder. So ein toll organisiertes, perfekt ausgeschildertes, sauberes und freundliches Riesen-Projekt! (diese Attribute fallen mir natürlich jetzt ungefähr zehnfach auf :)).

(Noch eine In-Klammern-Einschiebung: Mittlerweile spricht der Kalender was vom 18. August…Ich bin schon seit gut 3 Wochen wieder zu Hause und bin so im Freizeit-Stress, dass ich erst heute, hier und jetzt eeeeendlich mal zum Blog-Abschluss-Schreiben komme… :D…Also weiter im Text:)

Das nette Schweizer Mädel, dass vor mir im Bus von Dharamsala nach Amritsar saß, war ein paar Wochen zuvor schon mal in Amritsar und wusste daher genau, wohin wir müssen und was zu tun ist, wenn man die unglaublich coole Möglichkeit des kostenfreien Übernachtens und Essens in der Pilgerherberge am Goldenen Tempel nutzen möchte. Ich hatte nur davon gelesen und war total entzückt, das Ladina Bescheid wusste. Also zum nächstbesten Fahrrad-Rikscha-Fahrer auf den Sitz geklettert und von diesem durch die teils kniehoch unter Regenwasser stehenden Stadtstraßen kutschieren lassen. War das ein Spaß – vorallem, als wir beide samt Gepäck fast vom Sitz ins Wasser zu kippen drohten, als ich meine Kamera aus der Tasche herauswurschteln wollte… :)

Der Goldene Tempel steht mitten in einem angelegten See mit heiligem Wasser, umgeben von einer prachtvollen Anlage aus weißgetünchten Gebäuden, Türmen, Arkaden und Wandelwegen, die quadratisch drum herum gebaut sind. Im Tempel selbst gibt’s viel Gold und schmuckvolle Verzierungen zu bestaunen, außerdem wird das große heilige Buch gelesen und Live-Musik mit Gesang produziert, die über Lautsprecher die gesamte Tempelanlage dauerhaft und vernehmlich beschallt. Fetzt aber und bringt Atmosphäre ;). Der Tempel ist für die religiösen Anhänger des Sikhismus (die „Sikhs“ - durchaus interessante Religion!) sowas wie Mekka für Muslime: ein heiliger Ort, zu dem täglich tausende Menschen pilgern. Die Sikhs tragen den Turban auf dem Kopf, den man ja sofort mit Indern in Verbindung bringt, und verstecken darunter einen Haarknoten aus ihrem langen Haar, dass aus religiösen Gründen nicht geschnitten werden darf. Und weils ein Pilgerort ist, gibt es dort auch Pilgerherbergen. Für die Sikhs sind das große, mehrstöckige Häuser, die wohl permanent voll waren, weil auch die Höfe und Wege stets mit unter freiem Himmel schlafenden Pilgern bevölkert waren. Für „fremde“ Pilger wie uns gab es einen kleinen fensterlosen Bereich aus vier Zimmern, in dem man sich kaum bewegen konnte, weil überall Pritschen standen, Wäscheleinen hingen und sich Menschen aufhielten – auch hier gab es stets mehr Schlafraumsuchende als Betten, so dass auch die Fußböden des nachts als Schlafplatz dienten. Drei Nächte darf man bleiben, dann muss man seinen Platz räumen, so dass man meist die erste Nacht aufm Boden oder zu dritt in einem Bett verbringt (weil man ja erst nachmittags irgendwann ankommt und da schon alles belegt ist) und sich dann am nächsten Morgen das nächstbeste freigewordene Bett schnappt, wenn wieder welche abgereist sind. Es gibt dort auch ne Waschmaschine, die benutzt werden darf und frisches Trinkwasser – UND, das Beste: ein riiiesiger Komplex zur Versorgung der Pilgermassen mit Essen! Das ist ein derart beeindruckendes und funktionierendes System: allein finanziert aus Pilgerspenden und dank Freiwilligenarbeit vieler, vieler Pilger wird dort rund um die Uhr in unbeschreiblich großen Töpfen und Behältern Essen zubereitet und kostenlos an die Hungrigen ausgegeben, die in langen Reihen in den Sälen sitzen und von den netten jungen Männern, die mit Eimern durch die Reihen laufen, eine Kelle Reis, Dhal, Gemüse und irgendein süßes Nachtisch-Mus auf ihre Blechteller bekommen. Dann wird gegessen (wahnsinnig gut gekocht haben die! SOO lecker!), die Reihen lichten sich und wenn alle draußen sind, wird einmal grob durchgewischt und die nächsten tausend hungrigen Menschen strömen in den Saal. So geht das Tag und Nacht! Auch das Abwaschen der Teller und Besteck funktioniert über ein reibungsloses Aneinanderreihen von Menschen, die entgegennehmen, weiterreichen, grob spülen, richtig spülen, sauber spülen, abtrocknen, wieder neu ausgeben… Tolle Sache! :)

Auf der Tempelanlage selbst herrschte Kopfbedeckungspflicht (ein drüber gelegtes Tuch tat es aber schon) und Schuhverbot (man musste auch vorher noch durch nen kleinen Wassergraben laufen, damit die Füße auch wirklich sauber sind, bevor man rein geht). Und drinnen herrschte eine ganz besondere Atmosphäre – der strahlend goldene Tempel, umgeben von Wasser, drumherum alles weiß, die getragene Musik, ansonsten sowas wie Ruhe, die vielen friedlichen Menschen, die drumherum spazieren, am Wasserrand sitzen, sich im heiligen Wasser waschen oder irgendwo liegen und schlafen…I ch hätt mich den ganzen Tag dort aufhalten können! (auch, weil Amritsar „draußen“, vor den Toren des Tempels, wirklich unausstehlich war…) Ein ganz klein bisschen belastend waren die Sikhs dann aber doch, da sie (wohl aufgrund ihrer religiösen Ansichten und Weltanschauungen) ein unglaublich menschen- und kontaktfreudiges, kommunikatives und neugieriges Grüppchen sind: ich hab irgendwann aufgehört zu zählen, wie oft ich einfach so aus der Kalten angesprochen wurde und nach einem gemeinsamen Foto mit Frau, Kindern, jungen Männern oder gerne auch mit der ganzen Familie gefragt wurde… Ich kann gut nachvollziehen, warum sich Promis so gern vor der Öffentlichkeit verstecken…

Tja, und dann wars in der zweiten Nacht in der Pilgerherberge (diesmal mit richtigem Bett) wieder mal nachts um drei Zeit, aufzubrechen – und zwar zur Final Destination Delhi. Da ich eh noch ein paar Rupies zuviel im Geldtäschchen hatte und so gar keine Lust drauf hatte, 10 Stunden bei mächtigster Hitze und Luftfeuchte und Monsun im Bus nach Delhi zu verbringen, hab ich mir für meine letzte Indienfahrt ein bisschen Luxus gegönnt und mir ein Zugticket für einen Schnellzug mit Klimaanlage reserviert (für das Geld käme ich in Deutschland gerade so von Dresden nach Elsterwerda :D) :). Darin gings dann in 6 schnellen Stunden bei sehr angenehmer Temperatur und sogar mit Frühstück und Wasserversorgung nach Delhi, wo ich dann noch den Samstag Nachmittag und den gesamten Sonntag zum Rumgucken hatte, eh es Montag Früh um drei zum Flughafen ging. Tja, Delhi, was soll ich sagen… Eine Großstadt, die großstädtischer nicht sein kann. Und zu allem Überfluss derzeit komplett und ganz und gar eine einzige Riesenbaustelle. ÜBERALL sind Straßen aufgerissen, werden Häuserfronten und ganze Etagen mit Presslufthammer und auch von Hand zertrümmert und weggeklopft, liegen Bauschutt, Sandhaufen, Zäune, Dreck und Steine, wohin die Touristenfüße auch tragen – alles in Vorbereitung auf die Commonwealth-Spiele (irgendeine sportliche Großveranstaltung), die im Oktober in Delhi stattfinden werden (oder zumindest sollen). Ich hab ja mittlerweile gelernt, dass in Indien doch alles irgendwie funktioniert, auch wenn sich der Durchschnitts-Europäer Haare raufend fragt, WIE – aber beim Anblick dieses absoluten Bau-Chaos‘ bin ich mir wirklich seeeehr im Unklaren, wie die DAS bis Oktober schaffen wollen, neuzumachen, aufzuräumen und schön herzurichten…

Ich hab mir jedenfalls mal alles angeguckt, was es so in der erlauf- und per U-Bahn erfahrbaren Umgebung zu erkunden gab: das Regierungsviertel (oh, ich hab gelogen: HIER sah’s sehr schick, gepflegt und aufgeräumt aus ;)), das Red Fort (eine alte Festungs- und Palastanlage aus der Epoche des Mogulreiches mit sehr schönen Häuserruinen), die Altstadt Delhis (Basar…puuh, nie wieder…) und das „Backpacker“- oder Szeneviertel Paraganj, wo ich natürlich gewohnt hab. Da gabs viel zu stöbern und zu kaufen, leckere Sachen zu essen und die Verkäufer waren eigentlich ganz entspannt und ließen einen auch schon mal in Ruhe durchs Sortiment schauen :). Wetterglück hatte ich auch noch, denn der Monsun hat während dieses Wochenendes mal kurz die Luft angehalten und ließ mich ordentlich in der Sonne schwitzen…

Und dann - schwuppdiwupp – war’s Montag früh und ich saß im Flugzeug und war auf dem Weg nach Hause! Knapp 24 Stunden und zwei Flüge und eine Zug-Bus-Reise später kam ich dann auch wohlbehalten (aber schon mit Klimaanlagenerkältung im Gepäck) in der thüringischen Heimat Saalfeld an – mit einem wunderbaren Empfangskomitee mit „Jolay Maria“-Banner und viel, viel Wiedersehensfreude :). Ich bin wieder da. Und mittlerweile auch wieder richtig angekommen, wieder nach Dresden gezogen, wieder gesundet und: so richtig rundum glücklich und zufrieden.

Bis zum nächsten „Neues“-Blog ;)