Ein letztes NAMASTE (Hallo auf Hindi - "Ich verbeuge mich vor dir") vom indischen Subkontinent erreicht euch nun heute nicht mehr vom Berg, sonderm vom Flughafen in Delhi. Nur noch eine Stunde, dann gehts auf nach Moskau :). Ich bin mächtigst müde - zum dritten Mal in der letzten Woche musste ich halb drei das Bett verlassen, um einen frühen Bus, Zug oder nun heut den Flieger zu kriegen. Die Hitze tut ihr Übriges, um einen körperlich fertig zu machen, aber da muss ich euch daheim ja nix erzählen, ne ;).
Die Nacht-Busfahrt von Kasol nach Dharamsala letzten Freitag war abenteuertechnisch schon wieder ganz großes Kino. Da ich nicht am Start-Ort des Busses (was Manali gewesen wäre) eingestiegen, sondern quasi unterwegs zugestiegen bin, war an einen Sitzplatz nicht zu denken. Von außen sah der Bus aus, als könnte er nicht einen einzigen weiteren Passagier zusätzlich aufnehmen - und doch waren nach wenigen Minuten irgendwie alle (um die 15 weitere) drin – und ich saß für die nächsten zwei Stunden mit einer Pobacke (desöfteren wars auch eher ein Hänge- oder Schwebezustand, so wie der Bus wieder durch die Schlaglöcher holperte) auf der Sitzlehne des einzigen weiteren westlichen Travellers (ein lustiger kleiner Kanadier) und hielt mich an den Halte-Stangen am Dach fest. Auf Anweisung des Busfahrers musste mein Riesen-Rucksack wieder aufs Gepäck-Dach befördert werden, was netterweise zwei indische Jungs gern übernahmen. Als wir dann durch die ersten Löcher rumpelten und die erste scharfe Kurve den Bus in bedenkliche Schieflage brachte, fragte ich mal vorsichtshalber nach, ob sie den Rucksack auch gut festgeschnallt hätten - zu meinem Entsetzen (und zur offensichtlichen Belustigung der mitfahrenden männlichen Inder) schüttelten sie den Kopf! Boah, ich hatte so ne Angst, dass das Ding vom Busdach hüpft und auf Nimmerwiedersehen in der Nacht verschwindet, dass ich solang rumgejammert hab, bis die Jungs bei einem kurzen Passagier-Aufsammel-Stop hoch aufs Dach kletterten, um den Rucksack zu fixieren. Zeit zum Wiederreinklettern hatten sie keine, so dass sie die nächste Viertelstunde auf dem Dach mitfuhren (dass der Bus mal kurz 5 Minuten halten könnte - keine Chance...). Die Nacht verging mit viel Spaß beim Zwischen-Lehne-und-Haltestangen-Hängen und mit dem Kanadier plaudern, später ergatterte ich dann einen „Sitzplatz“ im Gang auf dem Ersatzrad. Mit Schlafen war nix – sowieso nicht mehr, als es draußen ordentlich zu gewittern und natürlich zu regnen anfing und 4 Stunden lang nicht aufhören wollte. Hallo Monsun. Meine Gedanken waren die ganze Zeit bei meinem Rucksack aufm Dach, der (samt Inhalt) innerhalb weniger Minuten dieses krassen Regengusses völlig durchweicht gewesen sein dürfte… Nach Ankunft in Dharamsala irgendwann gegen 4 Uhr morgens mussten dann noch 3 Stunden an der Busstation totgeschlagen werden, bis die ersten Taxis fuhren und uns hoch ins kleine Örtchen McLeods Ganj brachte. Da hat der Dalai Lama nach seiner Flucht aus dem von China besetzten und annektierten Tibet sein Exil-Zuhause aufgeschlagen und die ganze tibetische Regierung hat dort ihren Sitz. Drumherum hat sich ein wunderbar relaxter Ort mit viiiiielen Guesthäusern, Cafés, Restaurants mit Dachterassen, unendlich vielen kleinen Lädchen und Straßenständen mit vielen netten Dingen zu kaufen, am Hang eines Berges mit toller Aussicht und viel Grün entwickelt. Überall laufen Mönche oder Nonnen in roten Gewändern und abgeschorenen Haaren rum, überall gibt’s Yoga- oder Meditationskurse zu besuchen. Und überall gabs Regen und Nebel… Leute, da hat mich der Monsun aber sowas von voll erwischt! Von Samstag Früh an hat es jeden Tag bis zu meiner Abreise am Donnerstag Früh mindestens die Hälfte des Tages mächtigst geschüttet und den Rest des Tages hatte man eine dicke weiße Nebelwand vor Augen (dass die Aussicht ins Tal eigentlich sehr schön war, hab ich erst Mittwoch Abend mitgekriegt). Das war ziemlicher Mist, was meinen Rucksackinhalt anbelangt, der so richtig, richtig, völlig nass war, so dass ich jedes einzelne Teil auswringen musste, bevor es auf die Wäscheleine kam (wo dann alles auch bis Mittwoch brauchte, bis es halbwegs trocken war). Dass ich 3 Tage in denselben Klamotten rumlaufen musste, die ich während der Busfahrt trug und deshalb die einzigen trockenen waren, war das kleinere Übel (hab dann ja auch was neues eingekauft ;)). Das Größere war, dass eine kurz zuvor gekaufte Stofftasche ihre lila Farbe aus dem Stoff verlor, als sie nass wurde, und so ziemlich alle anderen Klamotten und Stoff-Dinge im Rucksack mit eben dieser Farbe besprenkelte…AAAAHHHHH :(. Mutti, denk dir irgendwas aus, damit diese furchtbaren Farbflecken wieder rausgehen! Please!
(So. Die Russen haben mich schon mal gut nach Moskau gebracht. Es ist heiß und sonnig, der Flughafen sehr neu und schick – allerdings kann ich hier nirgends ein paar Rubel herbekommen, weil ich nur Transit-Reisender bin, also gibt’s auch nix zu Essen bis nachher wieder im Flieger. Hmpf. Wenigstens gibt’s kostenloses Wifi, so krieg ich die dreieinhalb Stunden vielleicht auch ohne Essen rum ;)).
Die 5 Tage in Dharamsala jedenfalls waren trotz des bescheidenen Wetters ganz wunderbar. Ich hab zufällig auf der Straße die gute Conni aus Berlin wiedergetroffen, die in Leh mit im Guesthouse gewohnt hat (und mir auch den Tipp dafür gab) – das war ne riesen Wiedersehensfreude, weil ich so überstürzt aus Leh abgereist bin, dass wir uns nicht mal verabschieden konnten. Wir haben einen mittelmäßig imposanten Wasserfall erwandert (meine Augen sind ja nun schon etwas verwöhnt, was Naturschönheiten angeht ;)), haben viel und gut gegessen und Tee getrunken und gesessen und geredet (vor allem das :D), sind im strömenden Regen (der zuweilen sogar von unten kam) den Dalai Lama besuchen gegangen und waren unheimlich viel einkaufen (ich bin immernoch beeindruckt, wie Conni das alles nach Hause gebracht hat…). Den Dalai Lama haben wir zwar leider nicht zu Gesicht bekommen, er war aber wohl auf jeden Fall zu Hause, zu der Zeit, als wir da waren und wir haben einen Mönch mit einem Tee-Tablett in sein Wohnhaus reingehen sehen :). Ein doch irgendwie spezielles Gefühl, diesem alten, berühmten, symbolträchtigen Mann so nah zu sein! An meinem letzten Tag hab ich dann schließlich auch noch eine zweistündige Yoga-Session mitgemacht – was total anstrengend war, allerdings weniger wegen meiner mangelnden Kondition, sondern weil die Frau Yoga-Lehrerin einfach unprofessionell schnell und hektisch durch die Übungen „gerannt“ ist, ironischerweise immer begleitet von den Worten „take your time“. Pah. Nen Kochkurs zu besuchen hab ich mir geschenkt, weils nur Momos-Machen zu Lernen gab, und das hab ich ja schon aus erster Hand im Mahabodhi gelernt, ne. :)
Als die Wäsche schließlich trocken war und wieder in den Rucksack gepackt werden konnte, gings am Donnerstag früh um 4 Uhr wieder weiter – auf nach Amritsar zum Goldenen Tempel. Natürlich wieder mit dem Public-Bus, der natürlich wieder undichte Fenster hatte, durch die es während der 6-stündigen Fahrt natürlich kräftig rein tropfte, weil der Monsun wieder wütete. Zum Glück konnte ich vom Fenstersitz weg auf den Gangsitz rutschen, weil der Bus nur mäßig voll war – denn die Polster dort waren ruckzuck sacknass…Meinen Rucksack hatte ich zwar mit bei mir im Bus, da der Fußboden aber ziemlich schnell unter Wasser stand, saugte er sich von unten doch wieder mit Wasser voll und der Schlafsack war wieder pitschenass, als wir ankamen... Unterwegs standen wir auch noch ne Stunde am Straßenrand rum, weil ein Rad gewechselt werden musste. Oder so.
Alles in allem aber eine recht unkomplizierte Fahrt und gegen Mittag kamen wir an – und da wusste ich plötzlich, wovon immer alle anderen Traveller sprachen, wenn sie sagten, dass der Norden Indiens (wo ich mich ja bisher ausschließlich aufgehalten hatte) nicht das „wahre“ Indien sei… Der Busbahnhof war einfach nur ein unglaubliches Chaos einer riesigen Menge an Menschen, Auto- und Fahrrad-Rikschas (die Gefährte auf drei Rädern), Autos, Bussen, Dreck, Müll, Kühen, Pfützen, noch mehr Müll und noch mehr Menschen - die alle wie wahnsinnig auf einen zustürmten, sobald man den Bus verlassen hatte und einem mit „Mam, Auto-Riskhaw, Mam, excuse me, Tempel, Tempel, Auto-Rikshaw, Mam“ in den Ohren lagen. Alle auf einmal und alle verfolgen dich mit denselben Worten noch weitere 100 Meter, auch wenn du deutlich NO sagst, abwinkst, straff weiter gehst. Und das ist nicht der Ausnahme- sondern der absolute Normalzustand im Rest-Indien. Während die Taxi-Jungs oben im Norden ja geradezu zurückhaltend und faul aus ihren Taxis raus riefen „Taxi, Mam, Taxi?“, wenn man vorbeilief (was mich da schon genervt hat!), drehen die Rikscha-Fahrer in Amritsar und auch Delhi (und wie alle sagen, eben im Rest-Indien auch) völlig am Rad… Daran könnte man sich ja vielleicht noch gewöhnen und ich wurde auch mit der Zeit weniger angenervt davon. Vielleicht könnte ich mich auch irgendwann an das ständige Angesprochenwerden von den Laden-Besitzern gewöhnen, die ihre tollen Sachen anpreisen….Nirgends hat man seine Ruhe! Einfach mal in Ruhe das Sortiment durchschauen? Keine Chance. Sofort muss man beantworten, woher man kommt, wie man heißt, ob man alleine reist und ob man verheiratet ist (bin ich, aber mein Ehemann muss arbeiten zu Hause). Dann kennt jeder Shop-Man mindestens eine Person in Deutschland (meistens die Schwägerin oder so) und man muss deren Deutschkenntnisse würdigen („Alles kla?“ „Alles gut?“)… – Aber was absolut unausstehlich für mich ist und woran ich mich niemals gewöhnen könnte und werde, ist der unglaubliche Dauerlärm, der permanent auf den Straßen herrscht. Der Verkehr ist absolut unbeschreiblich chaotisch, weil sich neben den normalen Autos, LKWs und Motorrädern die Fahrrad- und Auto-Rikshaws durch die Straßen schieben und es alle unheimlich eilig haben. Da wird an unmöglichsten Stellen mit unmöglichen Manövern überholt, gebremst, IMMER NUR GEHUPT und es ist ein ganz großes Phänomen, dass es scheinbar nie Unfälle gibt…
(Mittlerweile sitze ich übrigens im ICE von Frankfurt nach Erfurt. Die Aeroflot kann ich uneingeschränkt weiterempfehlen – Essen war lecker und üppig, Service nett, Flug angenehm und komplikationslos :). Und weil es womöglich tatsächlich eher Vorbehalte gegen diese Airline gibt, gabs viele freie Plätze und ich konnte mich auf ner Dreier-Sitz-Reihe lang machen und ein bisschen schlafen. Über den Frankfurter Flughafen freu ich mich immer wieder. So ein toll organisiertes, perfekt ausgeschildertes, sauberes und freundliches Riesen-Projekt! (diese Attribute fallen mir natürlich jetzt ungefähr zehnfach auf :)).
(Noch eine In-Klammern-Einschiebung: Mittlerweile spricht der Kalender was vom 18. August…Ich bin schon seit gut 3 Wochen wieder zu Hause und bin so im Freizeit-Stress, dass ich erst heute, hier und jetzt eeeeendlich mal zum Blog-Abschluss-Schreiben komme… :D…Also weiter im Text:)
Das nette Schweizer Mädel, dass vor mir im Bus von Dharamsala nach Amritsar saß, war ein paar Wochen zuvor schon mal in Amritsar und wusste daher genau, wohin wir müssen und was zu tun ist, wenn man die unglaublich coole Möglichkeit des kostenfreien Übernachtens und Essens in der Pilgerherberge am Goldenen Tempel nutzen möchte. Ich hatte nur davon gelesen und war total entzückt, das Ladina Bescheid wusste. Also zum nächstbesten Fahrrad-Rikscha-Fahrer auf den Sitz geklettert und von diesem durch die teils kniehoch unter Regenwasser stehenden Stadtstraßen kutschieren lassen. War das ein Spaß – vorallem, als wir beide samt Gepäck fast vom Sitz ins Wasser zu kippen drohten, als ich meine Kamera aus der Tasche herauswurschteln wollte… :)
Der Goldene Tempel steht mitten in einem angelegten See mit heiligem Wasser, umgeben von einer prachtvollen Anlage aus weißgetünchten Gebäuden, Türmen, Arkaden und Wandelwegen, die quadratisch drum herum gebaut sind. Im Tempel selbst gibt’s viel Gold und schmuckvolle Verzierungen zu bestaunen, außerdem wird das große heilige Buch gelesen und Live-Musik mit Gesang produziert, die über Lautsprecher die gesamte Tempelanlage dauerhaft und vernehmlich beschallt. Fetzt aber und bringt Atmosphäre ;). Der Tempel ist für die religiösen Anhänger des Sikhismus (die „Sikhs“ - durchaus interessante Religion!) sowas wie Mekka für Muslime: ein heiliger Ort, zu dem täglich tausende Menschen pilgern. Die Sikhs tragen den Turban auf dem Kopf, den man ja sofort mit Indern in Verbindung bringt, und verstecken darunter einen Haarknoten aus ihrem langen Haar, dass aus religiösen Gründen nicht geschnitten werden darf. Und weils ein Pilgerort ist, gibt es dort auch Pilgerherbergen. Für die Sikhs sind das große, mehrstöckige Häuser, die wohl permanent voll waren, weil auch die Höfe und Wege stets mit unter freiem Himmel schlafenden Pilgern bevölkert waren. Für „fremde“ Pilger wie uns gab es einen kleinen fensterlosen Bereich aus vier Zimmern, in dem man sich kaum bewegen konnte, weil überall Pritschen standen, Wäscheleinen hingen und sich Menschen aufhielten – auch hier gab es stets mehr Schlafraumsuchende als Betten, so dass auch die Fußböden des nachts als Schlafplatz dienten. Drei Nächte darf man bleiben, dann muss man seinen Platz räumen, so dass man meist die erste Nacht aufm Boden oder zu dritt in einem Bett verbringt (weil man ja erst nachmittags irgendwann ankommt und da schon alles belegt ist) und sich dann am nächsten Morgen das nächstbeste freigewordene Bett schnappt, wenn wieder welche abgereist sind. Es gibt dort auch ne Waschmaschine, die benutzt werden darf und frisches Trinkwasser – UND, das Beste: ein riiiesiger Komplex zur Versorgung der Pilgermassen mit Essen! Das ist ein derart beeindruckendes und funktionierendes System: allein finanziert aus Pilgerspenden und dank Freiwilligenarbeit vieler, vieler Pilger wird dort rund um die Uhr in unbeschreiblich großen Töpfen und Behältern Essen zubereitet und kostenlos an die Hungrigen ausgegeben, die in langen Reihen in den Sälen sitzen und von den netten jungen Männern, die mit Eimern durch die Reihen laufen, eine Kelle Reis, Dhal, Gemüse und irgendein süßes Nachtisch-Mus auf ihre Blechteller bekommen. Dann wird gegessen (wahnsinnig gut gekocht haben die! SOO lecker!), die Reihen lichten sich und wenn alle draußen sind, wird einmal grob durchgewischt und die nächsten tausend hungrigen Menschen strömen in den Saal. So geht das Tag und Nacht! Auch das Abwaschen der Teller und Besteck funktioniert über ein reibungsloses Aneinanderreihen von Menschen, die entgegennehmen, weiterreichen, grob spülen, richtig spülen, sauber spülen, abtrocknen, wieder neu ausgeben… Tolle Sache! :)
Auf der Tempelanlage selbst herrschte Kopfbedeckungspflicht (ein drüber gelegtes Tuch tat es aber schon) und Schuhverbot (man musste auch vorher noch durch nen kleinen Wassergraben laufen, damit die Füße auch wirklich sauber sind, bevor man rein geht). Und drinnen herrschte eine ganz besondere Atmosphäre – der strahlend goldene Tempel, umgeben von Wasser, drumherum alles weiß, die getragene Musik, ansonsten sowas wie Ruhe, die vielen friedlichen Menschen, die drumherum spazieren, am Wasserrand sitzen, sich im heiligen Wasser waschen oder irgendwo liegen und schlafen…I ch hätt mich den ganzen Tag dort aufhalten können! (auch, weil Amritsar „draußen“, vor den Toren des Tempels, wirklich unausstehlich war…) Ein ganz klein bisschen belastend waren die Sikhs dann aber doch, da sie (wohl aufgrund ihrer religiösen Ansichten und Weltanschauungen) ein unglaublich menschen- und kontaktfreudiges, kommunikatives und neugieriges Grüppchen sind: ich hab irgendwann aufgehört zu zählen, wie oft ich einfach so aus der Kalten angesprochen wurde und nach einem gemeinsamen Foto mit Frau, Kindern, jungen Männern oder gerne auch mit der ganzen Familie gefragt wurde… Ich kann gut nachvollziehen, warum sich Promis so gern vor der Öffentlichkeit verstecken…
Tja, und dann wars in der zweiten Nacht in der Pilgerherberge (diesmal mit richtigem Bett) wieder mal nachts um drei Zeit, aufzubrechen – und zwar zur Final Destination Delhi. Da ich eh noch ein paar Rupies zuviel im Geldtäschchen hatte und so gar keine Lust drauf hatte, 10 Stunden bei mächtigster Hitze und Luftfeuchte und Monsun im Bus nach Delhi zu verbringen, hab ich mir für meine letzte Indienfahrt ein bisschen Luxus gegönnt und mir ein Zugticket für einen Schnellzug mit Klimaanlage reserviert (für das Geld käme ich in Deutschland gerade so von Dresden nach Elsterwerda :D) :). Darin gings dann in 6 schnellen Stunden bei sehr angenehmer Temperatur und sogar mit Frühstück und Wasserversorgung nach Delhi, wo ich dann noch den Samstag Nachmittag und den gesamten Sonntag zum Rumgucken hatte, eh es Montag Früh um drei zum Flughafen ging. Tja, Delhi, was soll ich sagen… Eine Großstadt, die großstädtischer nicht sein kann. Und zu allem Überfluss derzeit komplett und ganz und gar eine einzige Riesenbaustelle. ÜBERALL sind Straßen aufgerissen, werden Häuserfronten und ganze Etagen mit Presslufthammer und auch von Hand zertrümmert und weggeklopft, liegen Bauschutt, Sandhaufen, Zäune, Dreck und Steine, wohin die Touristenfüße auch tragen – alles in Vorbereitung auf die Commonwealth-Spiele (irgendeine sportliche Großveranstaltung), die im Oktober in Delhi stattfinden werden (oder zumindest sollen). Ich hab ja mittlerweile gelernt, dass in Indien doch alles irgendwie funktioniert, auch wenn sich der Durchschnitts-Europäer Haare raufend fragt, WIE – aber beim Anblick dieses absoluten Bau-Chaos‘ bin ich mir wirklich seeeehr im Unklaren, wie die DAS bis Oktober schaffen wollen, neuzumachen, aufzuräumen und schön herzurichten…
Ich hab mir jedenfalls mal alles angeguckt, was es so in der erlauf- und per U-Bahn erfahrbaren Umgebung zu erkunden gab: das Regierungsviertel (oh, ich hab gelogen: HIER sah’s sehr schick, gepflegt und aufgeräumt aus ;)), das Red Fort (eine alte Festungs- und Palastanlage aus der Epoche des Mogulreiches mit sehr schönen Häuserruinen), die Altstadt Delhis (Basar…puuh, nie wieder…) und das „Backpacker“- oder Szeneviertel Paraganj, wo ich natürlich gewohnt hab. Da gabs viel zu stöbern und zu kaufen, leckere Sachen zu essen und die Verkäufer waren eigentlich ganz entspannt und ließen einen auch schon mal in Ruhe durchs Sortiment schauen :). Wetterglück hatte ich auch noch, denn der Monsun hat während dieses Wochenendes mal kurz die Luft angehalten und ließ mich ordentlich in der Sonne schwitzen…
Und dann - schwuppdiwupp – war’s Montag früh und ich saß im Flugzeug und war auf dem Weg nach Hause! Knapp 24 Stunden und zwei Flüge und eine Zug-Bus-Reise später kam ich dann auch wohlbehalten (aber schon mit Klimaanlagenerkältung im Gepäck) in der thüringischen Heimat Saalfeld an – mit einem wunderbaren Empfangskomitee mit „Jolay Maria“-Banner und viel, viel Wiedersehensfreude :). Ich bin wieder da. Und mittlerweile auch wieder richtig angekommen, wieder nach Dresden gezogen, wieder gesundet und: so richtig rundum glücklich und zufrieden.
Bis zum nächsten „Neues“-Blog ;)
Mittwoch, 18. August 2010
Freitag, 16. Juli 2010
Lawinen und naher Kältetod, Marihuana und Wildwasser-Ponyreiten, Israelische Hippies und kochend heiße Quellen auf der Alm
(Also wenn der Titel jetzt mal nicht verdammt Lust aufs Lesen des folgenden Reise-Updates gemacht hat, dann weiß ich aber auch nicht...*kicher*)
Hat mich doch das Unterwegs-Sein und tolle Sachen-Erleben derart in Anspruch genommen, dass ich erst heute, schon beinah zwei Wochen nach dem letzten Bericht vom Berg (im wahrsten Sinne des Wortes), wieder Zeit und vor allem Muse finde, umfassend über meinen Verbleib zu informieren. Satt und zufrieden, körperlich erschöpft und dummerweise total sonnenverbrannt von beinah Kopf bis Fuß sitz ich gerade bei sperrangelweit geöffneten Fenstern und Türen aufm Bett in meinem Zimmer in einem netten Familien-Gästehäuschen in einem Dörfchen namens Kasol. Findet man auf normalen Landkarten nicht, weils wirklich winzig ist und mitten im Wald des Parvati-Valleys liegt. Es ist 21.30 Uhr, noch herrlich warm und kleine böse Moskitos schwirren draußen ums Balkonlicht (und manchmal auch um mich *hmpf*) herum. Aber mal lieber der Reihe nach, sonst vergess ich noch wichtige Details ;).
Leh (und damit schließlich Ladakh und den Bundesstaat Jammu & Kashmir) hab ich am vorletzten Dienstag verlassen, ohne den Trip ins Nubra-Valley (wo man die höchste Passstraße der Welt befährt und dann dort Dünen und Kamele anschaut, hab ich gehört) gemacht zu haben. Irgendwie hat sichs nicht ergeben, bzw. hab ich mich zu spät um die Organisation gekümmert, so dass das alles zu lange gedauert hätte. Ich hatte auch keine große Lust mehr auf braune Berge und kühle Temperaturen und wollte endlich mal weiter ziehen :). Also gings nach letzten Einkäufen auf den Märkten und (mehreren) letzten Essen- und Teesessions mit den Kashmir-Jungs - (und nach grandios gewonnenem Viertelfinale – yeah!) - Dienstag früh um 4:30 Uhr per öffentlichem Bus auf die Reise nach Manali – laut Reiseführer ein bei Backpackern und Hippies sehr beliebter Ort zum Abhängen und/oder Abenteuererleben. Na, wenn das nicht vielversprechend war. Die 480 km nach Manali hätte man auch in einem Rutsch per 20stündiger Fahrt in einem Minibus oder Jeep buchen und bestreiten können, allerdings werden die bequemen Touristen unter uns damit ganz schön zur Kasse gebeten, weils gleich mal das Doppelte kostet. Außerdem machts doch viel mehr Spaß, in einem rostigen, klapprigen, ziemlich verdreckten und mit Indern vollbesetzten Public-Bus mit klebrigen, durchgesessenen und zu engen Sitzen und undichten Schiebefenstern und manuell zu schließender Tür, durch deren Ritzen es durchschneit, zu fahren, mit traditioneller indischer Musik beschallt zu werden und ständig an unsichtbaren Haltestellen Mitfahrwillige quasi im Vorbeifahren aufzulesen oder abzusetzen. Vorstellbar, oder? ;)
Irgendwas war am Essen am Montagabend schlecht, so dass ich die wenigen Nachtstunden, die ich zum Schlafen hatte, auch noch unter Bauchschmerzen und Übelkeit verbracht hab. Die letzten Sachen zu packen, loszukommen und die drei Kilometer vom Guesthouse im Norden zur Busstation im Süden der Stadt mit knapp 30kg Gepäck und Magenproblemen in morgendlicher Dunkelheit zurückzulegen, hat dann doch alles irgendwie länger gedauert als geplant (dabei haben die überall freilaufenden herrenlosen Stadthunde schon dafür gesorgt, dass ich maximales Lauftempo drauf hatte). Ich habs natürlich fertig gebracht, beim ersten wirklich wichtigen „Termin“ seit langem zu spät zu kommen und zum ersten Mal war ich dankbar, dass Zeit und Zeitangaben in Indien nicht besonders ernst genommen werden. Als ich krafttechnisch völlig am Ende und triefend nass geschwitzt 10 Minuten nach Abfahrtszeit am Bus ankam, waren noch lange nicht alle da und aus 4.30 Uhr wurde ohne Eile und Not mal eben 5.15 Uhr, bis es schließlich los ging… :D Der große Rucksack musste zu den anderen großen Gepäckstücken aufs Dach gepackt werden – was in Ordnung ist, solange es nicht nach Regen aussieht, denn Regenplanen bekommen nur die bequemen Touris unter uns übers Gepäck geschnallt… Die Fahrt sollte nach Plan nach etwa 12h gegen Abend zunächst in Keylong enden, wo man kurz in irgendeinem Guesthouse übernachtet, um am nächsten Morgen die letzten 6-7h nach Manali zurückzulegen. Soweit die Theorie. In der Praxis war natürlich alles nicht so langweilig; da wurde dafür gesorgt, dass ich zu Hause was zu erzählen hab ;).
Eigentlich war alles schön und entspannt bis gegen 15/16Uhr. Ich hatte nen Fensterplatz, hatte schön zu gucken, bisschen schlafen ging auch. Ab und zu wurde gehalten, alle sprangen ausm Bus und betrieben im Kollektiv Den-Abhang-Hinunter-Pinkeln (die einzige weitere Frau im Bus neben mir hat wahrscheinlich dieselbe Taktik des Wenig-Trinkens angewendet, die blieb auch meistens sitzen…). Zu gucken gabs so einiges – es ging nämlich mal wieder durch und über die Berge (diesmal wars der zweithöchste Pass, den wir zu erklimmen und zu befahren hatten). Also wieder gewagteste Serpentinen (ohne Leitplanken, versteht sich) hinauf geschnauft, meist im Schleichtempo und besonders spannend wurde es immer, wenn ein dicker Lastwagen entgegenkam und einer von uns beiden rückwärts fahren musste, um an eine Stelle der Straße zu kommen, an der wir aneinander vorbeipassten. Das beherrschen die aber echt perfekt, da hab ich keine Bedenken mehr. Ungemütlich wurde es dann oben aufm Pass, als das Wetter umschlug und es nicht nur heftig regnete, sondern auch noch zu Schneestürmen anfing. Es pfiff mächtig durchs Fenster und die Tür, hinter der ich blöderweise saß und es wurde echt so richtig kalt. Die netten indischen jungen Männer, die hinten im Bus saßen und auch auf Reisen im Norden Indiens waren, kamen glücklicherweise, wenn auch spät, auf die Idee, das Gepäck besser vom Dach rein in den Bus zu holen, denn die letzte Sitzbank war noch frei , wo wir es dann deponieren konnten. Trotz Regenschutzhülle war mein Backpack allerdings schon ordentlich durchnässt und ein paar Klamotten und Schlafsack klamm und feucht :(.
Irgendwann waren wir so weit oben, dass links und rechts der Straße der Schnee meterhoch lag, bzw. aufgeschoben war – und genau da, irgendwo mitten aufm Schneepass, ging auf einmal nix mehr weiter. Der Bus stand wo er stand – diesmal nicht, weil die Gangschaltung kaputt gegangen war, sondern weil wir in einen riesigen Stau geraten waren. Nix ging mehr aufm Pass – wie wir viele kalte Stunden später erfuhren wegen einer Schneelawine, die die Straße versperrte und die erst weggeräumt werden musste. Die erste Stunde wusste keiner Bescheid, auch der Fahrer nicht, der wartete halt auch erstmal ab. Beunruhigend wurde das ganze erst, als es draußen langsam dämmerte, wir uns immernoch keinen Zentimeter bewegt hatten und der Busfahrer ewig nicht zurückkam, nachdem er loszog, um zu schauen, was los war. Ich zog mir währenddessen kontinuierlich weitere Schichten Klamotten über und eigentlich hatten wir sogar sowas wie Spaß während des Wartens auf News. Ich hatte meinen Sitzplatz mittlerweile weg von der Tür nach hinten zu den Jungs verlegt, da wars schon ein klein bisschen weniger kalt, und wir spielten lustige Kartenspiele. Nur mein Bauch hat genervt, hatte dolle Schmerzen :(. Als der Fahrer allerdings zurückkam, verkündete der, dass wir uns drauf einstellen sollen, die Nacht im Bus an Ort und Stelle verbringen zu müssen (Dank an die Jungs, die immer so freundlich übersetzten). AAAAAAAAHHHHHHHHHHHHH. Ich hatte schon mindestens drei abgefrorene Zehen (weil meine doofen Schuhe auch jeden Tropfen Wasser reinlassen) und schlotterte nur noch, hatte Bauchkrämpfe und so überhaupt keine Lust, in diesem Zustand im Bus schlafen zu müssen. Bei -10 Grad. Oder so. Aber es gab ja keine Alternative. Also wurde ALLES an- und übereinandergezogen, was ich besaß und was nicht grade völlig durchnässt war. Mein Gott, was war ich froh und glücklich, dass ich NICHT, wie eigentlich mal vorgehabt, die „Wintersachen“ per Paket nach Hause geschickt hatte, bevor ich Leh verlassen hab (weil das Zeug eigentlich viel zu viel Platz wegnimmt, der viel besser mit neuen Einkäufen zu füllen wäre – aber Paket war mir zu teuer angesichts der wenigen Wochen, die ich noch Gepäck schleppen muss). Einer der Jungs lieh mir noch ein Paar schöner warmer Handschuh und offenbar sah ich derart mitleiderregend aus, dass ich auch noch den Schlafsack von einem anderen bekommen hab, der glücklicherweise die ganze Zeit im Bus und daher nicht nassgeschneit war. SO war es dann tatsächlich irgendwie aushaltbar, was die Kälte betrifft, mittlerweile war es draußen stockdunkel, alle Fahrzeuge hatten ihre Lichter aus und jeder versuchte, zu schlafen. Klappte in meinem Fall sogar für ein paar Stunden, bis ich plötzlich aufwachte und mein Magen sich sehr spontan entleeren wollte…gut, dass ich am Fenster saß…
Gegen 23 Uhr wurde es dann auf einmal hell und laut – es ging weiter!!! Allerdings nur für 5 Minuten, dann war wieder Stillstand. So ging das ein paar Mal, bis es schließlich wirklich hieß, die Straße sei frei und wir könnten nun durchfahren! :) So ging es dann nun auch weiter, in tiefer Nacht immer weiter den Berg hinunter, bis wir gegen 2 Uhr morgens Tatsache in Keylong ankamen. Puh. Doch die Odyssee ging weiter… Eigentlich fahren mehrere Busse täglich von Keylong nach Manali; der nächste sollte 4, der übernächste 6 Uhr fahren. Da um die Zeit eh kein Guesthouse mehr zu finden war, machten wir es uns auf den Bänken der Busstation „bequem“ – für zwei Stunden, so dachten wir, kein Problem. Immerhin war die Station überdacht (es regnete Bindfäden), aber ansonsten offen und daher bitterkalt… Die Stunden vergingen, es wurde hell, mehr und mehr Leute mit Gepäck gesellten sich zu uns – doch es passierte nix, keine Busse verließen die Station. Informationen (und vorallem verlässliche) einzuholen, gestaltet sich in Indien generell schwierig (so meine bisherige Erfahrung ;)), so dass wir bis um 11 Uhr warteten, immer wieder auf noch später vertröstet wurden, bis es schließlich definitiv hieß, dass heute niemand mehr irgendwohin fahren wird, weil wegen des Regens die Straßen (passender wäre die Bezeichnung „Feldwege“) unpassierbar seien. Mir war mittlerweile ziemlich alles egal, ich wollte nur noch heiß duschen und ins Bett und war deshalb zufrieden, dass endlich mal ne Ansage gemacht wurde. Ein Mädel aus Israel, dass schon die Nacht vorher in Keylong war und nun auch nicht weg kam, nam mich mit in ihr Guesthouse-Zimmer, wo noch ein Bett frei war und noch zwei Freunde von ihr wohnten. Heiße Dusche, Zimmer mit toller Aussicht auf die mittlerweile grünen (!!!) Berge, sogar nen Fernseher gabs, auf dem wir um Mitternacht das traurige Halbfinale anschauten – alles war gut :). Am nächsten Morgen standen wir dann wieder voller Hoffnung an der Busstation und erst hieß es wieder, keine Busse nach Manali – doch auf einmal gings doch los, alle sprangen in den Bus, es wurde geschubst und gedrängelt, jeder wollte weg :D. Im Bus erfuhren wir dann, dass wir nur auf gut Glück mal fahren, um zu schauen, wie weit wir kommen. Wenns nicht weitergeht, müssen wir eben wieder umkehren oder unterwegs in irgendnem Dorf bleiben. Incredible India. Diesmal aber ging alles gut, wir waren zwar 3h länger als geplant unterwegs, aber kamen schließlich doch am späten Nachmittag in Manali an!
Dort und hier wo ich grad bin sieht alles völlig anders aus, als oben in Ladakh. Die immernoch sehr hohen und majestätischen Berge sind grün, es gibt viel Nadelwald, mächtige Wasserfälle, rauschende Gebirgsbäche – eine wahnsinnig schöne Landschaft. Manchmal siehts ein bisschen aus wie Kanada, manchmal wie Irland, manchmal wie die Natur in „Herr der Ringe“ (Neuseeland glaub ich).
In Manali hab ich dann ein paar sehr entspannte und fröhliche Tage verbracht. Vom Balkon vor den Zimmern sah man die umgebende Berglandschaft, es gab sogar Internetzugang (der manchmal funktionierte) und das Klima war sehr angenehm. Warm genug für FlipFlops und T-Shirt, nicht zu schwül – super. Überall roch es stets und ständig nach Marihuana – offiziell zwar verboten, aber weder aus dem Handel, noch aus dem Konsum wurde irgendein Geheimnis gemacht – und überall gabs Dreadlocks, einen sehr legeren Hippie-Kleidungsstil und Raggaemusik zu sehen und zu hören. Und Israelis. Wohin das Auge blickte israelische Backpacker! In der Regel total herzliche und offene Menschen, die zumeist in Scharen auftreten und deren Sprache (Hebräisch) sehr lustig klingt. Wie ich gelernt habe, MÜSSEN ALLE jungen israelischen Männer UND Frauen nach der Schule einen zwei-jährigen Wehrdienst antreten. Wer sich weigert, kommt ins Gefängnis. Und danach gehen dann alle reisen, meistens nach Asien oder Australien/Neuseeland oder alles auf einmal. Meine Zimmernachbarn waren ausnahmsweise keine Israelis, sondern zwei Pärchen aus Deutschland und Schweden, die eigentlich an dem Tag, als ich ankam, nach Leh hoch reisen wollten. Doch die saßen für drei Tage fest, weil wegen eines Erdrutsches nun gar kein Durchkommen mehr zwischen Manali und Keylong war (hatte ich ein Glück!). Gut für mich, denn so hatte ich sehr nette Gesellschaft beim Spazieren am Fluss, bei Ausflügen in ein andres Hippie-Dorf mit Tempel und Kühen und noch mehr Israelis und zum Essen und Rumsitzen in den vielen netten kleinen Cafes oder aufm Balkon. Da Hannah auch ein Pferdefreund war und in der Nähe Reitausflüge angeboten wurden, sind wir zusammen dahin gefahren und ließen uns auf das Versprechen eines einstündigen Ausritts zu einem Tempel ein. Auf armen kleinen Pferdchen, die den ganzen Tag gesattelt und angebunden an nem Baum rumstehen und auf Touris warten :(. Wir mussten den Pferdeführer dann erstmal davon überzeugen, dass wir nicht am Führstrick wie auf nem Dorffest den Berg hoch geschleift werden, sondern selber reiten wollen. Die Ponys waren aber eh abgestumpft und reagierten eigentlich nur auf die Pfiffe und Schreie des Pferdemannes und trotteten den einzig möglichen Pfad den Berg hinauf. Immerhin war die Landschaft schön anzuschauen :). Nach 15 Minuten sollten wir dann absteigen und einen Spaziergang den Fluss hinauf zu nem Wasserfall und dem Tempel machen, um dann wieder den Berg hinunter zu reiten. Na prima. Wir hatten doch für einen Ausritt bezahlt! Mit Händen und Füßen haben wir das dem Pferdetyp verständlich gemacht (der nur gefühlte 10 Worte Englisch konnte), der schließlich aufgab und uns tatsächlich vom gewöhnlichen Pfad abweichend noch ein paar andere Pfade entlangführte, uns durch einen wild rauschenden Fluss schickte (was mir so gar nicht geheuer war) und dann noch gut Zeit rumbrachte, indem er ständig Fotos von uns mit meiner Kamera machen wollte. Als wir dann wieder runter ritten und der Typ ständig fragte, ob wir die Stunde nun voll gemacht hätten, musste ich ob dieses wohl absurdesten Ausritts, den ich je gemacht hab, nur noch kichern und lachen :D. Zurück in Manali musste ich mir dann auch noch eine herrliche ayurvedische Rückenmassage mit heißen Steinen verpassen lassen (gabs an jeder Ecke), weil sich wohl beim Aufsteigen aufs Pony irgendwas ausgeklingt hatte und ich dolle Kreuzschmerzen hatte (wollte ich sowieso machen, so hat sichs auch noch doppelt gelohnt :)).
Am Dienstag gings dann wieder per Public-Bus, aber diesmal zu Tag-Zeiten und ohne jede Komplikation, weiter, und zwar nach Süd-Westen, in ein Tal namens Parvati-Valley. Auch das Dorf hier ist hauptsächlich von israelischen Travellern bevölkert – manche Schilder und Speisekarten sind sogar auf Hebräisch beschrieben! Hier macht man Station, um sein großes Gepäck zurückzulassen und sich für ein paar Tage auf Wander-, bzw. Bergsteigetour zu begeben. Mein Ziel waren die Heißen Quellen von Khir Ganga – ein Ort hoch oben auf dem Berg, wo sehr heißes Wasser aus dem Felsen sprudelt. Mit Bus und Taxi (weil der Anschlussbus mal wieder nicht kam und es immer später wurde) gings zu dem Ort, von wo aus der Trek (auf deutsch: Wanderroute) startete. Weil man allerorts von vielen schauerlichen Geschichten hört, wo Alleinreisende beim Wandern im Parvati Valley unauffindbar verschollen sind, hab ich mich von einem einheimischen Guide (auf deutsch: Weg-Zeiger; ein kleiner, drahtiger, alter Mann) die knapp 3 Stunden recht anstrengenden Waldpfades den Berg hinauf führen lassen. Dieser hüpfte leichtfüßig den felsigen, schlammigen und verwurzelten Pfad, unterbrochen von Bächen, die man per Baumstamm oder Von-Stein-zu-Stein-Hüpfen überquerte, hinauf, als hätte er noch nie was anderes gemacht (hat er vielleicht auch nicht), während ich gehörig schwitzte und schnaufte… Alle Mühen waren es sowas von wert: oben angekommen hatte man einen zauberhaft idyllischen Blick über eine grüne Alm mit ein paar rausguckenden Felsen, mit grasenden Kühen und Pferden und einer mächtigen Bergkette gegenüber mit Wasserfällen und sogar noch ein bisschen Schnee auf den Bergspitzen. Es gab Hütten und Zelte zum Übernachten und Essen und ganz oben eine kleine Anlage mit zwei Pools, in die das heiße Wasser aus der Quelle geleitet wurde. Einer der beiden Pools war von einer Bretterwand umgeben – das war der Pool für die Frauen…einerseits ganz gut, da man so auch nackig baden und rumliegen konnte, andererseits war die Aussicht natürlich stark eingeschränkt (immerhin sah man die Gipfel des gegenüberliegenden Bergzuges)und nicht zu vergleichen mit dem Baderlebnis, das die Männer genießen durften. Hmpf. Das Wasser aus der Quelle ist heilig und wegen seiner Mineralien und anderer Inhaltsstoffe wohl außerordentlich gesund und heilsam. Und es ist nicht nur heiß, sondern eigentlich hat es fast gekocht. Man musste sich schon sehr zusammenreißen, um in den Pool zu steigen und länger als ein paar Sekunden hat mans nicht ausgehalten. Also sind wir immermal kurz abgetaucht und lagen danach faul in der Sonne rum und haben den Himmel angeguckt. Traumhaft. Beim Morgenbad am nächsten Tag hab ich die Sonnenkraft dann ordentlich unterschätzt und leide jetzt ziemlich unter einer feuerrot verbrannten Front meines Körpers… (Alter schützt vor Torheit nicht. Oder so.) Rückwärts hab ich mich gestern einem netten israelischen Pärchen angeschlossen, die ihr Gepäck von einem Guide haben schleppen lassen, der trotz der 20kg aufm Rücken uns quasi permanent davon rannte und auf uns warten musste, weil wir so schnell nicht hinterher kamen. Verrückt.
Tja, und jetzt sitz ich hier an einem wunderhübschen Fleckchen im Wald von Kasol am laut rauschenden Fluss auf einem großen Stein und tippe schon wieder seit zwei Stunden. Es ist sehr warm und fast ein bisschen zu schwül, im Schatten aber herrlich. Mein Gepäck steht fertig gepackt noch im Guesthouse, das hol ich nachher ab, wenns um 17 Uhr mit dem Bus wieder weiter geht. Heute geht’s nämlich noch per Nacht-Fahrt nach Daramsala – da, wo der Dalai Lama wohnt und seine Exil-Regierung seinen Sitz hat. Will noch ein bisschen Yoga praktizieren und man kann wohl Kurse in indischer und tibetischer Kochkunst besuchen :).
Nur noch ein bisschen mehr als eine Woche und ich werde im Flieger der russischen Aeroflot über Moskau wieder nach Hause kommen (wenn das mal gut geht ;)). Ich freu mich – über meine Restzeit, die mir hier noch bleibt, genauso, wie aufs Heimkommen. Seid alle lieb gegrüßt!
Hat mich doch das Unterwegs-Sein und tolle Sachen-Erleben derart in Anspruch genommen, dass ich erst heute, schon beinah zwei Wochen nach dem letzten Bericht vom Berg (im wahrsten Sinne des Wortes), wieder Zeit und vor allem Muse finde, umfassend über meinen Verbleib zu informieren. Satt und zufrieden, körperlich erschöpft und dummerweise total sonnenverbrannt von beinah Kopf bis Fuß sitz ich gerade bei sperrangelweit geöffneten Fenstern und Türen aufm Bett in meinem Zimmer in einem netten Familien-Gästehäuschen in einem Dörfchen namens Kasol. Findet man auf normalen Landkarten nicht, weils wirklich winzig ist und mitten im Wald des Parvati-Valleys liegt. Es ist 21.30 Uhr, noch herrlich warm und kleine böse Moskitos schwirren draußen ums Balkonlicht (und manchmal auch um mich *hmpf*) herum. Aber mal lieber der Reihe nach, sonst vergess ich noch wichtige Details ;).
Leh (und damit schließlich Ladakh und den Bundesstaat Jammu & Kashmir) hab ich am vorletzten Dienstag verlassen, ohne den Trip ins Nubra-Valley (wo man die höchste Passstraße der Welt befährt und dann dort Dünen und Kamele anschaut, hab ich gehört) gemacht zu haben. Irgendwie hat sichs nicht ergeben, bzw. hab ich mich zu spät um die Organisation gekümmert, so dass das alles zu lange gedauert hätte. Ich hatte auch keine große Lust mehr auf braune Berge und kühle Temperaturen und wollte endlich mal weiter ziehen :). Also gings nach letzten Einkäufen auf den Märkten und (mehreren) letzten Essen- und Teesessions mit den Kashmir-Jungs - (und nach grandios gewonnenem Viertelfinale – yeah!) - Dienstag früh um 4:30 Uhr per öffentlichem Bus auf die Reise nach Manali – laut Reiseführer ein bei Backpackern und Hippies sehr beliebter Ort zum Abhängen und/oder Abenteuererleben. Na, wenn das nicht vielversprechend war. Die 480 km nach Manali hätte man auch in einem Rutsch per 20stündiger Fahrt in einem Minibus oder Jeep buchen und bestreiten können, allerdings werden die bequemen Touristen unter uns damit ganz schön zur Kasse gebeten, weils gleich mal das Doppelte kostet. Außerdem machts doch viel mehr Spaß, in einem rostigen, klapprigen, ziemlich verdreckten und mit Indern vollbesetzten Public-Bus mit klebrigen, durchgesessenen und zu engen Sitzen und undichten Schiebefenstern und manuell zu schließender Tür, durch deren Ritzen es durchschneit, zu fahren, mit traditioneller indischer Musik beschallt zu werden und ständig an unsichtbaren Haltestellen Mitfahrwillige quasi im Vorbeifahren aufzulesen oder abzusetzen. Vorstellbar, oder? ;)
Irgendwas war am Essen am Montagabend schlecht, so dass ich die wenigen Nachtstunden, die ich zum Schlafen hatte, auch noch unter Bauchschmerzen und Übelkeit verbracht hab. Die letzten Sachen zu packen, loszukommen und die drei Kilometer vom Guesthouse im Norden zur Busstation im Süden der Stadt mit knapp 30kg Gepäck und Magenproblemen in morgendlicher Dunkelheit zurückzulegen, hat dann doch alles irgendwie länger gedauert als geplant (dabei haben die überall freilaufenden herrenlosen Stadthunde schon dafür gesorgt, dass ich maximales Lauftempo drauf hatte). Ich habs natürlich fertig gebracht, beim ersten wirklich wichtigen „Termin“ seit langem zu spät zu kommen und zum ersten Mal war ich dankbar, dass Zeit und Zeitangaben in Indien nicht besonders ernst genommen werden. Als ich krafttechnisch völlig am Ende und triefend nass geschwitzt 10 Minuten nach Abfahrtszeit am Bus ankam, waren noch lange nicht alle da und aus 4.30 Uhr wurde ohne Eile und Not mal eben 5.15 Uhr, bis es schließlich los ging… :D Der große Rucksack musste zu den anderen großen Gepäckstücken aufs Dach gepackt werden – was in Ordnung ist, solange es nicht nach Regen aussieht, denn Regenplanen bekommen nur die bequemen Touris unter uns übers Gepäck geschnallt… Die Fahrt sollte nach Plan nach etwa 12h gegen Abend zunächst in Keylong enden, wo man kurz in irgendeinem Guesthouse übernachtet, um am nächsten Morgen die letzten 6-7h nach Manali zurückzulegen. Soweit die Theorie. In der Praxis war natürlich alles nicht so langweilig; da wurde dafür gesorgt, dass ich zu Hause was zu erzählen hab ;).
Eigentlich war alles schön und entspannt bis gegen 15/16Uhr. Ich hatte nen Fensterplatz, hatte schön zu gucken, bisschen schlafen ging auch. Ab und zu wurde gehalten, alle sprangen ausm Bus und betrieben im Kollektiv Den-Abhang-Hinunter-Pinkeln (die einzige weitere Frau im Bus neben mir hat wahrscheinlich dieselbe Taktik des Wenig-Trinkens angewendet, die blieb auch meistens sitzen…). Zu gucken gabs so einiges – es ging nämlich mal wieder durch und über die Berge (diesmal wars der zweithöchste Pass, den wir zu erklimmen und zu befahren hatten). Also wieder gewagteste Serpentinen (ohne Leitplanken, versteht sich) hinauf geschnauft, meist im Schleichtempo und besonders spannend wurde es immer, wenn ein dicker Lastwagen entgegenkam und einer von uns beiden rückwärts fahren musste, um an eine Stelle der Straße zu kommen, an der wir aneinander vorbeipassten. Das beherrschen die aber echt perfekt, da hab ich keine Bedenken mehr. Ungemütlich wurde es dann oben aufm Pass, als das Wetter umschlug und es nicht nur heftig regnete, sondern auch noch zu Schneestürmen anfing. Es pfiff mächtig durchs Fenster und die Tür, hinter der ich blöderweise saß und es wurde echt so richtig kalt. Die netten indischen jungen Männer, die hinten im Bus saßen und auch auf Reisen im Norden Indiens waren, kamen glücklicherweise, wenn auch spät, auf die Idee, das Gepäck besser vom Dach rein in den Bus zu holen, denn die letzte Sitzbank war noch frei , wo wir es dann deponieren konnten. Trotz Regenschutzhülle war mein Backpack allerdings schon ordentlich durchnässt und ein paar Klamotten und Schlafsack klamm und feucht :(.
Irgendwann waren wir so weit oben, dass links und rechts der Straße der Schnee meterhoch lag, bzw. aufgeschoben war – und genau da, irgendwo mitten aufm Schneepass, ging auf einmal nix mehr weiter. Der Bus stand wo er stand – diesmal nicht, weil die Gangschaltung kaputt gegangen war, sondern weil wir in einen riesigen Stau geraten waren. Nix ging mehr aufm Pass – wie wir viele kalte Stunden später erfuhren wegen einer Schneelawine, die die Straße versperrte und die erst weggeräumt werden musste. Die erste Stunde wusste keiner Bescheid, auch der Fahrer nicht, der wartete halt auch erstmal ab. Beunruhigend wurde das ganze erst, als es draußen langsam dämmerte, wir uns immernoch keinen Zentimeter bewegt hatten und der Busfahrer ewig nicht zurückkam, nachdem er loszog, um zu schauen, was los war. Ich zog mir währenddessen kontinuierlich weitere Schichten Klamotten über und eigentlich hatten wir sogar sowas wie Spaß während des Wartens auf News. Ich hatte meinen Sitzplatz mittlerweile weg von der Tür nach hinten zu den Jungs verlegt, da wars schon ein klein bisschen weniger kalt, und wir spielten lustige Kartenspiele. Nur mein Bauch hat genervt, hatte dolle Schmerzen :(. Als der Fahrer allerdings zurückkam, verkündete der, dass wir uns drauf einstellen sollen, die Nacht im Bus an Ort und Stelle verbringen zu müssen (Dank an die Jungs, die immer so freundlich übersetzten). AAAAAAAAHHHHHHHHHHHHH. Ich hatte schon mindestens drei abgefrorene Zehen (weil meine doofen Schuhe auch jeden Tropfen Wasser reinlassen) und schlotterte nur noch, hatte Bauchkrämpfe und so überhaupt keine Lust, in diesem Zustand im Bus schlafen zu müssen. Bei -10 Grad. Oder so. Aber es gab ja keine Alternative. Also wurde ALLES an- und übereinandergezogen, was ich besaß und was nicht grade völlig durchnässt war. Mein Gott, was war ich froh und glücklich, dass ich NICHT, wie eigentlich mal vorgehabt, die „Wintersachen“ per Paket nach Hause geschickt hatte, bevor ich Leh verlassen hab (weil das Zeug eigentlich viel zu viel Platz wegnimmt, der viel besser mit neuen Einkäufen zu füllen wäre – aber Paket war mir zu teuer angesichts der wenigen Wochen, die ich noch Gepäck schleppen muss). Einer der Jungs lieh mir noch ein Paar schöner warmer Handschuh und offenbar sah ich derart mitleiderregend aus, dass ich auch noch den Schlafsack von einem anderen bekommen hab, der glücklicherweise die ganze Zeit im Bus und daher nicht nassgeschneit war. SO war es dann tatsächlich irgendwie aushaltbar, was die Kälte betrifft, mittlerweile war es draußen stockdunkel, alle Fahrzeuge hatten ihre Lichter aus und jeder versuchte, zu schlafen. Klappte in meinem Fall sogar für ein paar Stunden, bis ich plötzlich aufwachte und mein Magen sich sehr spontan entleeren wollte…gut, dass ich am Fenster saß…
Gegen 23 Uhr wurde es dann auf einmal hell und laut – es ging weiter!!! Allerdings nur für 5 Minuten, dann war wieder Stillstand. So ging das ein paar Mal, bis es schließlich wirklich hieß, die Straße sei frei und wir könnten nun durchfahren! :) So ging es dann nun auch weiter, in tiefer Nacht immer weiter den Berg hinunter, bis wir gegen 2 Uhr morgens Tatsache in Keylong ankamen. Puh. Doch die Odyssee ging weiter… Eigentlich fahren mehrere Busse täglich von Keylong nach Manali; der nächste sollte 4, der übernächste 6 Uhr fahren. Da um die Zeit eh kein Guesthouse mehr zu finden war, machten wir es uns auf den Bänken der Busstation „bequem“ – für zwei Stunden, so dachten wir, kein Problem. Immerhin war die Station überdacht (es regnete Bindfäden), aber ansonsten offen und daher bitterkalt… Die Stunden vergingen, es wurde hell, mehr und mehr Leute mit Gepäck gesellten sich zu uns – doch es passierte nix, keine Busse verließen die Station. Informationen (und vorallem verlässliche) einzuholen, gestaltet sich in Indien generell schwierig (so meine bisherige Erfahrung ;)), so dass wir bis um 11 Uhr warteten, immer wieder auf noch später vertröstet wurden, bis es schließlich definitiv hieß, dass heute niemand mehr irgendwohin fahren wird, weil wegen des Regens die Straßen (passender wäre die Bezeichnung „Feldwege“) unpassierbar seien. Mir war mittlerweile ziemlich alles egal, ich wollte nur noch heiß duschen und ins Bett und war deshalb zufrieden, dass endlich mal ne Ansage gemacht wurde. Ein Mädel aus Israel, dass schon die Nacht vorher in Keylong war und nun auch nicht weg kam, nam mich mit in ihr Guesthouse-Zimmer, wo noch ein Bett frei war und noch zwei Freunde von ihr wohnten. Heiße Dusche, Zimmer mit toller Aussicht auf die mittlerweile grünen (!!!) Berge, sogar nen Fernseher gabs, auf dem wir um Mitternacht das traurige Halbfinale anschauten – alles war gut :). Am nächsten Morgen standen wir dann wieder voller Hoffnung an der Busstation und erst hieß es wieder, keine Busse nach Manali – doch auf einmal gings doch los, alle sprangen in den Bus, es wurde geschubst und gedrängelt, jeder wollte weg :D. Im Bus erfuhren wir dann, dass wir nur auf gut Glück mal fahren, um zu schauen, wie weit wir kommen. Wenns nicht weitergeht, müssen wir eben wieder umkehren oder unterwegs in irgendnem Dorf bleiben. Incredible India. Diesmal aber ging alles gut, wir waren zwar 3h länger als geplant unterwegs, aber kamen schließlich doch am späten Nachmittag in Manali an!
Dort und hier wo ich grad bin sieht alles völlig anders aus, als oben in Ladakh. Die immernoch sehr hohen und majestätischen Berge sind grün, es gibt viel Nadelwald, mächtige Wasserfälle, rauschende Gebirgsbäche – eine wahnsinnig schöne Landschaft. Manchmal siehts ein bisschen aus wie Kanada, manchmal wie Irland, manchmal wie die Natur in „Herr der Ringe“ (Neuseeland glaub ich).
In Manali hab ich dann ein paar sehr entspannte und fröhliche Tage verbracht. Vom Balkon vor den Zimmern sah man die umgebende Berglandschaft, es gab sogar Internetzugang (der manchmal funktionierte) und das Klima war sehr angenehm. Warm genug für FlipFlops und T-Shirt, nicht zu schwül – super. Überall roch es stets und ständig nach Marihuana – offiziell zwar verboten, aber weder aus dem Handel, noch aus dem Konsum wurde irgendein Geheimnis gemacht – und überall gabs Dreadlocks, einen sehr legeren Hippie-Kleidungsstil und Raggaemusik zu sehen und zu hören. Und Israelis. Wohin das Auge blickte israelische Backpacker! In der Regel total herzliche und offene Menschen, die zumeist in Scharen auftreten und deren Sprache (Hebräisch) sehr lustig klingt. Wie ich gelernt habe, MÜSSEN ALLE jungen israelischen Männer UND Frauen nach der Schule einen zwei-jährigen Wehrdienst antreten. Wer sich weigert, kommt ins Gefängnis. Und danach gehen dann alle reisen, meistens nach Asien oder Australien/Neuseeland oder alles auf einmal. Meine Zimmernachbarn waren ausnahmsweise keine Israelis, sondern zwei Pärchen aus Deutschland und Schweden, die eigentlich an dem Tag, als ich ankam, nach Leh hoch reisen wollten. Doch die saßen für drei Tage fest, weil wegen eines Erdrutsches nun gar kein Durchkommen mehr zwischen Manali und Keylong war (hatte ich ein Glück!). Gut für mich, denn so hatte ich sehr nette Gesellschaft beim Spazieren am Fluss, bei Ausflügen in ein andres Hippie-Dorf mit Tempel und Kühen und noch mehr Israelis und zum Essen und Rumsitzen in den vielen netten kleinen Cafes oder aufm Balkon. Da Hannah auch ein Pferdefreund war und in der Nähe Reitausflüge angeboten wurden, sind wir zusammen dahin gefahren und ließen uns auf das Versprechen eines einstündigen Ausritts zu einem Tempel ein. Auf armen kleinen Pferdchen, die den ganzen Tag gesattelt und angebunden an nem Baum rumstehen und auf Touris warten :(. Wir mussten den Pferdeführer dann erstmal davon überzeugen, dass wir nicht am Führstrick wie auf nem Dorffest den Berg hoch geschleift werden, sondern selber reiten wollen. Die Ponys waren aber eh abgestumpft und reagierten eigentlich nur auf die Pfiffe und Schreie des Pferdemannes und trotteten den einzig möglichen Pfad den Berg hinauf. Immerhin war die Landschaft schön anzuschauen :). Nach 15 Minuten sollten wir dann absteigen und einen Spaziergang den Fluss hinauf zu nem Wasserfall und dem Tempel machen, um dann wieder den Berg hinunter zu reiten. Na prima. Wir hatten doch für einen Ausritt bezahlt! Mit Händen und Füßen haben wir das dem Pferdetyp verständlich gemacht (der nur gefühlte 10 Worte Englisch konnte), der schließlich aufgab und uns tatsächlich vom gewöhnlichen Pfad abweichend noch ein paar andere Pfade entlangführte, uns durch einen wild rauschenden Fluss schickte (was mir so gar nicht geheuer war) und dann noch gut Zeit rumbrachte, indem er ständig Fotos von uns mit meiner Kamera machen wollte. Als wir dann wieder runter ritten und der Typ ständig fragte, ob wir die Stunde nun voll gemacht hätten, musste ich ob dieses wohl absurdesten Ausritts, den ich je gemacht hab, nur noch kichern und lachen :D. Zurück in Manali musste ich mir dann auch noch eine herrliche ayurvedische Rückenmassage mit heißen Steinen verpassen lassen (gabs an jeder Ecke), weil sich wohl beim Aufsteigen aufs Pony irgendwas ausgeklingt hatte und ich dolle Kreuzschmerzen hatte (wollte ich sowieso machen, so hat sichs auch noch doppelt gelohnt :)).
Am Dienstag gings dann wieder per Public-Bus, aber diesmal zu Tag-Zeiten und ohne jede Komplikation, weiter, und zwar nach Süd-Westen, in ein Tal namens Parvati-Valley. Auch das Dorf hier ist hauptsächlich von israelischen Travellern bevölkert – manche Schilder und Speisekarten sind sogar auf Hebräisch beschrieben! Hier macht man Station, um sein großes Gepäck zurückzulassen und sich für ein paar Tage auf Wander-, bzw. Bergsteigetour zu begeben. Mein Ziel waren die Heißen Quellen von Khir Ganga – ein Ort hoch oben auf dem Berg, wo sehr heißes Wasser aus dem Felsen sprudelt. Mit Bus und Taxi (weil der Anschlussbus mal wieder nicht kam und es immer später wurde) gings zu dem Ort, von wo aus der Trek (auf deutsch: Wanderroute) startete. Weil man allerorts von vielen schauerlichen Geschichten hört, wo Alleinreisende beim Wandern im Parvati Valley unauffindbar verschollen sind, hab ich mich von einem einheimischen Guide (auf deutsch: Weg-Zeiger; ein kleiner, drahtiger, alter Mann) die knapp 3 Stunden recht anstrengenden Waldpfades den Berg hinauf führen lassen. Dieser hüpfte leichtfüßig den felsigen, schlammigen und verwurzelten Pfad, unterbrochen von Bächen, die man per Baumstamm oder Von-Stein-zu-Stein-Hüpfen überquerte, hinauf, als hätte er noch nie was anderes gemacht (hat er vielleicht auch nicht), während ich gehörig schwitzte und schnaufte… Alle Mühen waren es sowas von wert: oben angekommen hatte man einen zauberhaft idyllischen Blick über eine grüne Alm mit ein paar rausguckenden Felsen, mit grasenden Kühen und Pferden und einer mächtigen Bergkette gegenüber mit Wasserfällen und sogar noch ein bisschen Schnee auf den Bergspitzen. Es gab Hütten und Zelte zum Übernachten und Essen und ganz oben eine kleine Anlage mit zwei Pools, in die das heiße Wasser aus der Quelle geleitet wurde. Einer der beiden Pools war von einer Bretterwand umgeben – das war der Pool für die Frauen…einerseits ganz gut, da man so auch nackig baden und rumliegen konnte, andererseits war die Aussicht natürlich stark eingeschränkt (immerhin sah man die Gipfel des gegenüberliegenden Bergzuges)und nicht zu vergleichen mit dem Baderlebnis, das die Männer genießen durften. Hmpf. Das Wasser aus der Quelle ist heilig und wegen seiner Mineralien und anderer Inhaltsstoffe wohl außerordentlich gesund und heilsam. Und es ist nicht nur heiß, sondern eigentlich hat es fast gekocht. Man musste sich schon sehr zusammenreißen, um in den Pool zu steigen und länger als ein paar Sekunden hat mans nicht ausgehalten. Also sind wir immermal kurz abgetaucht und lagen danach faul in der Sonne rum und haben den Himmel angeguckt. Traumhaft. Beim Morgenbad am nächsten Tag hab ich die Sonnenkraft dann ordentlich unterschätzt und leide jetzt ziemlich unter einer feuerrot verbrannten Front meines Körpers… (Alter schützt vor Torheit nicht. Oder so.) Rückwärts hab ich mich gestern einem netten israelischen Pärchen angeschlossen, die ihr Gepäck von einem Guide haben schleppen lassen, der trotz der 20kg aufm Rücken uns quasi permanent davon rannte und auf uns warten musste, weil wir so schnell nicht hinterher kamen. Verrückt.
Tja, und jetzt sitz ich hier an einem wunderhübschen Fleckchen im Wald von Kasol am laut rauschenden Fluss auf einem großen Stein und tippe schon wieder seit zwei Stunden. Es ist sehr warm und fast ein bisschen zu schwül, im Schatten aber herrlich. Mein Gepäck steht fertig gepackt noch im Guesthouse, das hol ich nachher ab, wenns um 17 Uhr mit dem Bus wieder weiter geht. Heute geht’s nämlich noch per Nacht-Fahrt nach Daramsala – da, wo der Dalai Lama wohnt und seine Exil-Regierung seinen Sitz hat. Will noch ein bisschen Yoga praktizieren und man kann wohl Kurse in indischer und tibetischer Kochkunst besuchen :).
Nur noch ein bisschen mehr als eine Woche und ich werde im Flieger der russischen Aeroflot über Moskau wieder nach Hause kommen (wenn das mal gut geht ;)). Ich freu mich – über meine Restzeit, die mir hier noch bleibt, genauso, wie aufs Heimkommen. Seid alle lieb gegrüßt!
Samstag, 3. Juli 2010
Motorräder, indisches Militär (dein Feind und Helfer) und Public Viewing im Indergarten
Jolay allerseits! Seit letztem Sonntag bin ich nun also endlich son richtiger Tourist und genieße es in vollen Zügen :). Sitze gerade weit oben über der Stadt, auf nem kleinen Felsvorsprung am Berg, wo die Stupa obendrauf steht – ich hab den allerherrlichsten Blick über das ganze grüne Leh –Tal und die Berge drumherum, die Mittgassonne knallt und die Buddha-Fähnchen flattern im Lüftchen. Ich esse Schoko-Kekse und freu mich :). Wohne in einem schnuckeligen kleinen Guesthouse, was ein echter Gehimtipp ist, weils in keinem Reiseführer aufgeführt ist und nirgendwo ein Hinweisschild steht. Hätts auch beinah nicht gefunden, wenn mich nicht ein nettes ladakhisches Schulmädchen den Trampelpfad entlang zum Häuschen geführt hätte, weils zwar inmitten der vielen anderen Guesthäuser und Hotels steht, aber eben nicht von der befahrbaren Straße erreichbar ist. Hatte damals beim Indus-River-Festival n paar Touris nach ihrer Bleibe in Leh gefragt, die mir ihr Guesthouse als hübsch und sehr günstig empfohlen haben – und es ist echt prima. Hab ein Einzelzimmer mit Bad, es gibt immer Solar-erhitztes Warmwasser, kostenloses gefiltertes Trinkwasser zum Flascheauffüllen (das ausm Wasserhahn ist hier überall immer nur abgekocht zum Trinken verwendbar) und man kann den ganzen Tag Milk-Tea trinken, so viel man will. Auch ne kleine Küche zum Sich-Selbst-Bekochen ist da, allerdings nutz ich die nur fürs Frühstücks-Obst schnippeln, weils in den viiiielen Restaurants und Cafés in Leh viel zu viele extrem leckere Sachen zu essen gibt, die alle ausprobiert werden wollen. Das äußerst sympathische deutsche Pärchen aus Bayern, das ich damals beim Festival ja schon getroffen hatte, wohnt auch immernoch da, dazu ne ganze Truppe Kanadier, die alle für ein Projekt im Krankenhaus da sind und arbeiten. So findet sich immer jemand, mit dem man gemütlich im Gemüsegarten unterm Baum frühstücken und quatschen kann. Auch ein junger Mann aus England, mit dem ich letztens beim Sonntag-Morgen-Yoga oben an der Stupa mal ein paar Worte gewechselt hatte, weil er seine Yoga-Matte neben mir aufgeschlagen hatte, wohnt bei uns im Guesthouse – ich hab echt nicht schlecht gestaunt, als der mir plötzlich in der Küche über den Weg lief – es gibt hier geschätzte 200 Gasthäuser oder Hotels und der wohnt im selben Haus, dessen Adresse ich nur zufällig als Tipp erhalten hab? Die Welt ist so klein... :D
Beim Kaffeetrinken (bzw. Mangosaft-Trinken) am Sonntag Nachmittag lernte ich dann am Nachbartisch zwei lustige junge Männer aus Kashmir (also der westliche Teil Nordindiens, in dem es immermal politische Unklarheiten gibt) kennen, die den Sommer über immer in Leh arbeiten. Der eine hat nen kleinen Laden, in dem er indische Malereien und Schals (aus Kashmir- oder Pashmina-Wolle) verkauft (wie weitere geschätzte 1000 andere Ladenbesitzer hier), der andere arbeitet für CocaCola und ist irgendwie Regionalmanager, oder so. :D Jedenfalls kam im Gespräch eins zum anderen und es entstand der Plan, meinen geplanten Trip zum Pangong Lake nicht per gewöhnlichem Touri-Jeep zu machen, sondern mit Wassim (dem CocaCola-Typ) aufm Motorrad, der das wohl letztes Jahr schonmal allein gemacht hat und ganz begeistert war. Hätt ich vorher gewusst, was das für ne krasse Strecke ist, die man dorthin zurücklegen muss, hätt ichs mir vielleicht nochmal anders überlegt :D. Der Pangong Lake ist ein riiiiesiger See (134 km lang und 5km an der breitesten Stelle) an der Grenze zu China (bzw. Tibet), der zu zwei Dritteln auch China gehört, weshalb man nur bis zu einem bestimmten Punkt gelangt, dahinter ist dann Sperrzone. Wegen irgendwelcher Mineralien hat er ein unglaublich blaues Blau und ist glasklar. Um dahin zu gelangen muss man zwar nur 150km von Leh aus zurücklegen – die allerdings führen über den dritthöchsten befahrbaren Bergpass der Welt – auf 5359 Metern. Also gings erst von 3500m (Leh) hoch zu 5359m in unglaublichen Serpentinen, mit grandiosen Aussichten und teilweise unglaublich schlechten „Straßen“-Zuständen. Ganz oben aufm Pass lag noch Schnee und das Schmelzwasser wusch die Fahrbahn zu einer Holperpiste sondersgleichen aus, die von billigen Arbeitskräften aus Nepal notdürftig mit Geröll ausgebessert wurden. Da bei unserm geliehenen Motorrad meine rechte Fußstütze fehlte (der Tankdeckel war mit Schnürsenkeln und der linke Blinker mit Klebeband befestigt), hatte ich zuweilen ganz schön zu tun, vernünftig aufm Moped sitzen zu bleiben, während wir durch die Schlaglöcher rumpelten. Wenn ein kleiner, aber reißender Schmelzwasserbach zu durchfahren war, bin ich aber lieber abgestiegen und bin von Stein zu Stein gehüpft. Oben am höchsten Punkt des Berpasses gabs Tee und Rosinen zum Aufwärmen und Stärken vom Militär, die dort einen Service-Stützpunkt haben. Und dann gings wieder abwärts, auf 4250m, wo der See liegt, durch ein herrliches Tal mit wilden Pferden, Kühen und ab und zu mal einem Dorf oder Armee-Camp. Nach insgesamt fünfeinhalb Stunden Reisezeit gabs dann die Entschädigung für schmerzende Pobacken und verkrampfte Muskeln im rechten Bein (auch wenn die Ausblicke während der Fahrt schon wirklich alles wett gemacht haben) – ein waaaahnsinnig blauer See, der sich zwischen wunderschön sand-gefärbten Felswänden unendlich weit entlang streckt. Wir hatten auch wirklich perfektes Wetter mit viel Sonne. Eine magische Stille und Einsamkeit (trotz einiger Touristen). Einfach nur toll. In dem kleinen Dorf am Ufer des Sees wohnten nicht mehr als vielleicht 10 Familien, die allesamt sogenannte Homestays anboten, also eine „Bleibe zu Hause“, die einfach nur aus einem oder mehreren Zimmern mit Betten oder auf dem Boden liegenden Matratzen in den einfachen ladakhischen Häuschen der Familien besteht. Ohne fließend Wasser, mit Außen-Plumps-Klo und original selbstgekochtem ladakhischem Essen (Reis, Dhal und Gemüse ;)). Wir mieteten uns gleich beim erstbesten Häuschen ein - eine gute Wahl, denn das Essen war lecker, die drei kleinen Kinder, die uns permanent beobachteten, zuckersüß und der Ausblick aus dem Gästezimmer-Fenster auf den See unbezahlbar. Während mein Fahrer aus lauter Erschöpfung direkt nach Ankunft ein Schläfchen hielt, machte ich noch nen Abendspaziergang am See entlang und hatte nen netten Schwatz mit nem Kanadier und Franzosen, die ihr Zelt direkt am Ufer aufgeschlagen hatten und gerade Essen kochten.
Am nächsten Morgen gings nach Naan und Rührei zum Frühstück und ein bisschen am See langspazieren auch wieder auf den Rückweg und die ersten anderthalb Stunden waren auch wieder genauso nett wie die Hinfahrt – bei Sonnenschein und guter Laune. Doch das sollte sich bald ändern. Je höher es ging, desto beunruhigender sahen die Wolken in den Bergen aus, es wurde bitterkalt, windig und schließlich fings auch noch an zu schneien, obwohl wir noch lange nicht oben waren. Wär ja alles nicht so wild gewesen, oben gabs ja Tee und ein warmes Häuschen, wenn, ja, wenn nicht unser Moped ziemlich plötzlich, aber entschieden den Geist aufgegeben hätte... Mitten in der Bergwüste, da, wo es schon nur noch stets und recht steil bergauf ging, wollte es einfach von jetzt auf gleich nicht mehr fahren und wir mussten anhalten und absteigen... Wassim hat noch bissl dran rumgemehrt, konnte aber auch nur feststellen, dass was mit der Gangschaltung nicht stimmte und es eben einfach nicht mehr fuhr. Da standen wir nun. Null Handy-Empfang, noch 20km bergauf bis zum Militär-Camp, 40km hinter uns bergab die letzten Häuschen, aber ob es da jemanden mit Werkzeug und Ahnung gegeben hätte, war auch zu riskant. Wir waren ziemlich rat- und hilflos, zumal auch nur äußerst sporadisch Autos vorbeikamen, die meistens sogar einfach nur vorbeirauschten. Ein mit netten Indern besetzter Jeep und zwei schweizer Motorradfahrer waren die einzigen, die anhielten und wirklich helfen wollten – allerdings konnten die alle auch nur den sicheren Moped-Tot feststellen und konnten uns auch nur den einzigen möglichen Rat geben, zu warten, bis ein Laster vorbeikommt, der uns und das Moped aufladen und mitnehmen kann. Immerhin gabs noch Saft und Schokolade von den Indern und das Wetter wurde auch wieder besser, so dass die folgenden zwei Stunden des Rumsitzens und Wartens und Ausschauhaltens ein bisschen erträglicher wurden. Allerdings fängt man sich schon irgendwann an zu fragen, wie es denn dümmstenfalls ausgehen könnte, wenn halt einfach kein Laster in unsere Richtung vorbeikommen mag? Zum Glück musste es nicht dumm ausgehen, denn gegen 13Uhr hörten wir ein lautes Brummen und ich hätt fast geheult vor Erleichterung, als zwei Militär-LKWs in unsere Richtung den Berg herauf schnauften. Die hielten auch direkt an, stellten ebenfalls fest, dass das Moped nicht mehr fahren will und schwuppdiwupp waren Moped und wir auf den LKW-Hänger verladen, den wir uns mit weiteren sechs Soldaten und vielen Koffern und Taschen teilten, die auf dem Weg von irgendeinem Armee-Camp am See zu irgendwelchen anderen der vielen Camps hier unterwegs waren. Wir hatten echt richtig Glück, denn der Laster fuhr direkt bis nach Leh und so holperten und rumpelten wir dreieinhalb Stunden über den Berpass (ich wurde noch NIE derart durchgeschüttelt), die Serpentinen entlang, den ganzen lieben langen Weg bis nach Leh. Unterwegs gabs mehrere Stops an den Militär-Stationen, es gab Tee und ich musste im Gegenzug für Handyfotos mit den Soldaten herhalten... Größtenteils handelte es sich um wirklich sympathische Jungs und Männer, die uns ja auch schließlich in großer Not so unkompliziert halfen – allerdings benahmen sich auch zwei der mitfahrenden Soldaten, die zeitweise neben mir saßen, wirklich daneben, indem sie immer, natürlich reiiiiiin zufällig, ihre Finger irgendwo an meinem Rücken oder Hintern hatten (...natürlich hielten sie sich nur irgendwo fest, natürlich war keinerlei Absicht des Mich-Betatschens dabei... *grummel*). Naja. Ich habs überlebt und war einfach nur heilfroh und glücklich, als wir endlich in Leh ankamen, das Moped und wir an ner Werkstatt abgeladen wurden und ich bald nach Hause unter die Eimer-Dusche konnte...Shit happens und außer einer recht hohen Moped-Reparatur-Rechnung sind wir ja wirklich glimpflich davon gekommen. :) Das war also nun definitiv keine normale Touri-Jeep-Tour, nein, mein Wunsch nach Individualität und einem besonderem Erlebnis wurde vollends erfüllt *kicher*. Auf einen weiteren Moped-Trip ins Nubra-Tal (dann über die höchste Pass-Straße der Welt), den die Jungs (wohl nicht ganz im Ernst) vorschlugen, werde ich aber verzichten und mich heute noch um eine Jeep-Tour kümmern, die dann morgen oder Montag losgehen soll. Eigentlich wollte ich mit dem normalen Überland-Bus fahren, da der aber nur Samstags und dann Dienstags wieder fährt, fällt das aus, denn heut Abend ist Viertelfinale, was natürlich nicht verpasst wird und Dienstag erst hinfahren wär zu spät.
Die restlichen Tage und Stunden der letzten Woche hier in Leh hab ich mit Umherspazieren und ein bisschen Sightseeing (Palast und Kloster aufm Berg), leckerem Essen, Schmuck anschauen und kaufen, Tee trinken und Schachspielen mit den Jungs vorm Laden, im Garten sitzen und quatschen und abends Fußballschauen verbracht. Zum Glück gibt’s hier genug Touris, die sich allabendlich in einem der gemütlichen Restaurant-Gärten oder –Höfen zum World-Cup-Schauen einfinden und so werden aufgespannte Betttücher per Beamer zu Leinwänden, dazu dann noch einen Mango-Lassi und ein Chicken-Curry und der Public-Viewing-Abend ist perfekt :). Muss jetzt auch los, damit ich euch das hier noch hochladen kann und dann pünktlich im Fußball-Garten sein kann – die Deutschen sind auch hier oberpünktlich und besetzen schon lange vor Anstoß alle Plätze ;).
Grüße und Küsse nach zu Hause und bis bald!
Beim Kaffeetrinken (bzw. Mangosaft-Trinken) am Sonntag Nachmittag lernte ich dann am Nachbartisch zwei lustige junge Männer aus Kashmir (also der westliche Teil Nordindiens, in dem es immermal politische Unklarheiten gibt) kennen, die den Sommer über immer in Leh arbeiten. Der eine hat nen kleinen Laden, in dem er indische Malereien und Schals (aus Kashmir- oder Pashmina-Wolle) verkauft (wie weitere geschätzte 1000 andere Ladenbesitzer hier), der andere arbeitet für CocaCola und ist irgendwie Regionalmanager, oder so. :D Jedenfalls kam im Gespräch eins zum anderen und es entstand der Plan, meinen geplanten Trip zum Pangong Lake nicht per gewöhnlichem Touri-Jeep zu machen, sondern mit Wassim (dem CocaCola-Typ) aufm Motorrad, der das wohl letztes Jahr schonmal allein gemacht hat und ganz begeistert war. Hätt ich vorher gewusst, was das für ne krasse Strecke ist, die man dorthin zurücklegen muss, hätt ichs mir vielleicht nochmal anders überlegt :D. Der Pangong Lake ist ein riiiiesiger See (134 km lang und 5km an der breitesten Stelle) an der Grenze zu China (bzw. Tibet), der zu zwei Dritteln auch China gehört, weshalb man nur bis zu einem bestimmten Punkt gelangt, dahinter ist dann Sperrzone. Wegen irgendwelcher Mineralien hat er ein unglaublich blaues Blau und ist glasklar. Um dahin zu gelangen muss man zwar nur 150km von Leh aus zurücklegen – die allerdings führen über den dritthöchsten befahrbaren Bergpass der Welt – auf 5359 Metern. Also gings erst von 3500m (Leh) hoch zu 5359m in unglaublichen Serpentinen, mit grandiosen Aussichten und teilweise unglaublich schlechten „Straßen“-Zuständen. Ganz oben aufm Pass lag noch Schnee und das Schmelzwasser wusch die Fahrbahn zu einer Holperpiste sondersgleichen aus, die von billigen Arbeitskräften aus Nepal notdürftig mit Geröll ausgebessert wurden. Da bei unserm geliehenen Motorrad meine rechte Fußstütze fehlte (der Tankdeckel war mit Schnürsenkeln und der linke Blinker mit Klebeband befestigt), hatte ich zuweilen ganz schön zu tun, vernünftig aufm Moped sitzen zu bleiben, während wir durch die Schlaglöcher rumpelten. Wenn ein kleiner, aber reißender Schmelzwasserbach zu durchfahren war, bin ich aber lieber abgestiegen und bin von Stein zu Stein gehüpft. Oben am höchsten Punkt des Berpasses gabs Tee und Rosinen zum Aufwärmen und Stärken vom Militär, die dort einen Service-Stützpunkt haben. Und dann gings wieder abwärts, auf 4250m, wo der See liegt, durch ein herrliches Tal mit wilden Pferden, Kühen und ab und zu mal einem Dorf oder Armee-Camp. Nach insgesamt fünfeinhalb Stunden Reisezeit gabs dann die Entschädigung für schmerzende Pobacken und verkrampfte Muskeln im rechten Bein (auch wenn die Ausblicke während der Fahrt schon wirklich alles wett gemacht haben) – ein waaaahnsinnig blauer See, der sich zwischen wunderschön sand-gefärbten Felswänden unendlich weit entlang streckt. Wir hatten auch wirklich perfektes Wetter mit viel Sonne. Eine magische Stille und Einsamkeit (trotz einiger Touristen). Einfach nur toll. In dem kleinen Dorf am Ufer des Sees wohnten nicht mehr als vielleicht 10 Familien, die allesamt sogenannte Homestays anboten, also eine „Bleibe zu Hause“, die einfach nur aus einem oder mehreren Zimmern mit Betten oder auf dem Boden liegenden Matratzen in den einfachen ladakhischen Häuschen der Familien besteht. Ohne fließend Wasser, mit Außen-Plumps-Klo und original selbstgekochtem ladakhischem Essen (Reis, Dhal und Gemüse ;)). Wir mieteten uns gleich beim erstbesten Häuschen ein - eine gute Wahl, denn das Essen war lecker, die drei kleinen Kinder, die uns permanent beobachteten, zuckersüß und der Ausblick aus dem Gästezimmer-Fenster auf den See unbezahlbar. Während mein Fahrer aus lauter Erschöpfung direkt nach Ankunft ein Schläfchen hielt, machte ich noch nen Abendspaziergang am See entlang und hatte nen netten Schwatz mit nem Kanadier und Franzosen, die ihr Zelt direkt am Ufer aufgeschlagen hatten und gerade Essen kochten.
Am nächsten Morgen gings nach Naan und Rührei zum Frühstück und ein bisschen am See langspazieren auch wieder auf den Rückweg und die ersten anderthalb Stunden waren auch wieder genauso nett wie die Hinfahrt – bei Sonnenschein und guter Laune. Doch das sollte sich bald ändern. Je höher es ging, desto beunruhigender sahen die Wolken in den Bergen aus, es wurde bitterkalt, windig und schließlich fings auch noch an zu schneien, obwohl wir noch lange nicht oben waren. Wär ja alles nicht so wild gewesen, oben gabs ja Tee und ein warmes Häuschen, wenn, ja, wenn nicht unser Moped ziemlich plötzlich, aber entschieden den Geist aufgegeben hätte... Mitten in der Bergwüste, da, wo es schon nur noch stets und recht steil bergauf ging, wollte es einfach von jetzt auf gleich nicht mehr fahren und wir mussten anhalten und absteigen... Wassim hat noch bissl dran rumgemehrt, konnte aber auch nur feststellen, dass was mit der Gangschaltung nicht stimmte und es eben einfach nicht mehr fuhr. Da standen wir nun. Null Handy-Empfang, noch 20km bergauf bis zum Militär-Camp, 40km hinter uns bergab die letzten Häuschen, aber ob es da jemanden mit Werkzeug und Ahnung gegeben hätte, war auch zu riskant. Wir waren ziemlich rat- und hilflos, zumal auch nur äußerst sporadisch Autos vorbeikamen, die meistens sogar einfach nur vorbeirauschten. Ein mit netten Indern besetzter Jeep und zwei schweizer Motorradfahrer waren die einzigen, die anhielten und wirklich helfen wollten – allerdings konnten die alle auch nur den sicheren Moped-Tot feststellen und konnten uns auch nur den einzigen möglichen Rat geben, zu warten, bis ein Laster vorbeikommt, der uns und das Moped aufladen und mitnehmen kann. Immerhin gabs noch Saft und Schokolade von den Indern und das Wetter wurde auch wieder besser, so dass die folgenden zwei Stunden des Rumsitzens und Wartens und Ausschauhaltens ein bisschen erträglicher wurden. Allerdings fängt man sich schon irgendwann an zu fragen, wie es denn dümmstenfalls ausgehen könnte, wenn halt einfach kein Laster in unsere Richtung vorbeikommen mag? Zum Glück musste es nicht dumm ausgehen, denn gegen 13Uhr hörten wir ein lautes Brummen und ich hätt fast geheult vor Erleichterung, als zwei Militär-LKWs in unsere Richtung den Berg herauf schnauften. Die hielten auch direkt an, stellten ebenfalls fest, dass das Moped nicht mehr fahren will und schwuppdiwupp waren Moped und wir auf den LKW-Hänger verladen, den wir uns mit weiteren sechs Soldaten und vielen Koffern und Taschen teilten, die auf dem Weg von irgendeinem Armee-Camp am See zu irgendwelchen anderen der vielen Camps hier unterwegs waren. Wir hatten echt richtig Glück, denn der Laster fuhr direkt bis nach Leh und so holperten und rumpelten wir dreieinhalb Stunden über den Berpass (ich wurde noch NIE derart durchgeschüttelt), die Serpentinen entlang, den ganzen lieben langen Weg bis nach Leh. Unterwegs gabs mehrere Stops an den Militär-Stationen, es gab Tee und ich musste im Gegenzug für Handyfotos mit den Soldaten herhalten... Größtenteils handelte es sich um wirklich sympathische Jungs und Männer, die uns ja auch schließlich in großer Not so unkompliziert halfen – allerdings benahmen sich auch zwei der mitfahrenden Soldaten, die zeitweise neben mir saßen, wirklich daneben, indem sie immer, natürlich reiiiiiin zufällig, ihre Finger irgendwo an meinem Rücken oder Hintern hatten (...natürlich hielten sie sich nur irgendwo fest, natürlich war keinerlei Absicht des Mich-Betatschens dabei... *grummel*). Naja. Ich habs überlebt und war einfach nur heilfroh und glücklich, als wir endlich in Leh ankamen, das Moped und wir an ner Werkstatt abgeladen wurden und ich bald nach Hause unter die Eimer-Dusche konnte...Shit happens und außer einer recht hohen Moped-Reparatur-Rechnung sind wir ja wirklich glimpflich davon gekommen. :) Das war also nun definitiv keine normale Touri-Jeep-Tour, nein, mein Wunsch nach Individualität und einem besonderem Erlebnis wurde vollends erfüllt *kicher*. Auf einen weiteren Moped-Trip ins Nubra-Tal (dann über die höchste Pass-Straße der Welt), den die Jungs (wohl nicht ganz im Ernst) vorschlugen, werde ich aber verzichten und mich heute noch um eine Jeep-Tour kümmern, die dann morgen oder Montag losgehen soll. Eigentlich wollte ich mit dem normalen Überland-Bus fahren, da der aber nur Samstags und dann Dienstags wieder fährt, fällt das aus, denn heut Abend ist Viertelfinale, was natürlich nicht verpasst wird und Dienstag erst hinfahren wär zu spät.
Die restlichen Tage und Stunden der letzten Woche hier in Leh hab ich mit Umherspazieren und ein bisschen Sightseeing (Palast und Kloster aufm Berg), leckerem Essen, Schmuck anschauen und kaufen, Tee trinken und Schachspielen mit den Jungs vorm Laden, im Garten sitzen und quatschen und abends Fußballschauen verbracht. Zum Glück gibt’s hier genug Touris, die sich allabendlich in einem der gemütlichen Restaurant-Gärten oder –Höfen zum World-Cup-Schauen einfinden und so werden aufgespannte Betttücher per Beamer zu Leinwänden, dazu dann noch einen Mango-Lassi und ein Chicken-Curry und der Public-Viewing-Abend ist perfekt :). Muss jetzt auch los, damit ich euch das hier noch hochladen kann und dann pünktlich im Fußball-Garten sein kann – die Deutschen sind auch hier oberpünktlich und besetzen schon lange vor Anstoß alle Plätze ;).
Grüße und Küsse nach zu Hause und bis bald!
Samstag, 26. Juni 2010
Sonntags-Yoga, Indus-Fußbad und Quaddel-Alarm
Samstag Nachmittag, der letzte hier und mein letzter Guesthouse-Garten-unterm-Baum-sitz-Blog-Bericht (diesbezüglich schade, denn das ist wirklich ein zauberhaft friedvoller Platz hier). Denn morgen sind 8 Wochen rum und ich werde von hier wieder aufbrechen, auf zu neuen Abenteuern ;)… Immerhin ist der Sommer dann doch noch rechtzeitig aufm Berg angekommen - so richtig und ganz und gar mit viel Sonnenschein und um die 20 Grad und das dauerhaft seit meinem letzten Blog-Bericht letzte Woche, wo ich ja schon von T-Shirt-Wetter sprach. Herrlich! Man fühlt sich plötzlich so leicht und frei mit nur noch 1-2 statt 6-7 Schichten Klamotten :).
Heut Morgen war ganz schön Remmdidemmi hier aufm Campus. Irgendein sehr alter, sehr berühmter und sehr buddhistischer Mönch aus Ladakh, der aber jetzt Kopf eines Klosters in Südindien ist, stattete uns einen Besuch ab und wurde mit ganz großem zeremoniellem Brimborium empfangen. Die älteren Mädchen (also ab Klasse 5) waren die ganze Woche schon nach der Schule für keine Nachmittags-Stunde zu haben, weil sie zur Arbeit abberufen wurden – alle Straßen und das Gelände um die Culture Hall herum wurden wohl gründlichst sauber gefegt und hergerichtet. Viele hundert Fahnenstangen mit Fahnen in Buddhisten-Farben (grün, gelb, blau, weiß, rot) begrenzen die Straßen, was wirklich hübsch aussieht. Der Auto-Korso (ja, auch wir haben sowas hier :-P) mit Mönch und Anhang wurde aufm Weg zur Culture Hall von Mädchen und Jungen in traditionellen Kostümen und Musik angeführt, die Straße wurde neben den Fahnen von allen restlichen Kindern der Schule (die vormittags alle schulfrei hatten)in Schuluniform sowie allen anderen Campus-Bewohnern (inkl. mir) gesäumt. Es folgten zwei Stunden Zeremonie, in der der Mönch, auf einer Art Thron sitzend, zunächst alle, die einzeln an ihm vorüber gingen und händefaltend den Kopf beugten, segnete (mit einem roten Bändchen, was man sich dann um den Hals binden kann). (Ich hab mir den Segen und das hübsche rote Band auch mal vorsichtshalber abgeholt. Man kann ja nie wissen.) Der Rest war leider äußerst unspektakulär, da sowohl Mönch als auch unser Obermönch Sanghasena ihre laaaaangen Reden auf Ladakhi hielten… Allerdings gähnten oder schliefen auch einige der Anwesenden um mich herum, die definitiv verstanden haben, was da erzählt wurde. Naja. Nun ist wieder Ruhe eingekehrt, die Kinder sind in der Schule und ich bereite mich langsam auf meine Abreise vor – Wäsche waschen, Vorräte aufessen und so ;).
Letzte Woche Sonntag gabs ein Yoga-Erlebnis der ganz besonderen Art. Tashi teilte mir am Sonnabend Abend kurz vor knapp noch mit, dass ein paar der Mädels Sonntag früh um 6.30 Uhr nach Leh zu unserer Mahabodhi-Zweigstelle (da werden einzelne Lehrstunden in Yoga und Meditation für Touris angeboten) fahren – warum und wozu wusste sie natürlich mal wieder nicht (Tashi weiß nie was genaues und meistens gar nichts) – und fragte netterweise, ob ich mitfahren will. Klar. Also Sonntags 5.45 Uhr raus, um 6 Frühstück, 6.30 Uhr mit ca. 20 Mädels im Schulbus auf nach Leh. Am Mahabodhi-Haus haben wir kurz gestoppt, Yoga-Matten, Teppiche und drei nette israelische Touristen eingeladen und sind dann hoch zur Stupa gefahren (die ich mir ja schonmal mit Hannah angeschaut hatte). Es waren noch einige andere Touristen da und ein echter indischer Yoga-Lehrer. Und nun gab es eine morgendliche Yoga-Session auf der Terrasse vor der Stupa! - Hoch oben auf nem Berg mit wirklich wahnsinniger Aussicht auf das grüne Leh-Tal und die umliegenden Bergketten, die Gipfel immer noch schneebedeckt, dazu knallblauer Himmel und wärmende Morgensonne. Da hat alles zusammengepasst, das war soooo toll!!! Nur meine Jeans war nicht so passend zu diesem Zweck, die hat nicht alle Reckungen und Streckungen unbeschadet überstanden… :D. Rückwärts haben wirs uns aufm Dach des Busses bequem gemacht (wo sonst Gepäck transportiert wird), was ein großer Spaß war, weil die Äste der Bäume in Leh ganz schön tief hängen… ;)
Nach der Puja (wo ich mal wieder einschlief und vornüber kippte…) gabs dann leckeren Tee und Gruppenfotosession im Altenheim, einen großen Spaziergang mit den Kleinen (was so um die 40 an der Zahl sind) und zum krönenden Abschluss dieses wirklich gelungenen Sonntags war ich zum Momos machen und essen im Blinden-Hostel eingeladen. Die eine sehr nette Lehrerin Dechen ist dort die Betreuerin von 6 blinden oder sehbehinderten Mädchen und Jungen, die alle ziemlich gut Englisch können, weil ihre Texte in der Schule in englischer Blindenschrift geschrieben sind. Hab fleißig beim Momos machen geholfen, allerdings sah man dann beim Essen genau, welche von mir stammten… :). Zu den Gemüse-gefüllten Teigtaschen gabs eine höllisch scharfe Tomaten-Zwiebel-Chili-Mixtur – das war so derart lecker, dass es gestern nochmal einen Momo-Abend für mich gab, und mit 26 Stück halte ich derzeit den Rekord ;).
Die Tage der vergangenen Wochen verliefen ziemlich relaxed und angenehm, wie immer mit Lesen, Schreiben (sollte einen Volunteer-Bericht über meine Erfahrungen verfassen…fiel mir nicht ganz so leicht, da immer den richtigen diplomatischen Ton zu treffen)und viel Umherspazieren. Habe viel Zeit mit den Kleinen verbracht, da die Großen ja immer Putzen waren. Das Notice Board ist nun auch endlich fertig geworden – es ist hübsch bunt und die Alten freuen sich über ihr Foto am Brett.
Am Dienstag suchte mich dann noch eine mysteriöse und exotische Krankheit heim, über die bis heute nur spekuliert werden kann. Wachte früh auf, weil beide Ellenbogen juckten. Dachte nur: na prima, haben sie mich wieder ausgesaugt, die Mistviecher. Sah tatsächlich wie Bedbug-Bisse aus, nur komisch, dass es an beiden Ellenbogen gleichzeitig war. Über den Vormittag bekam ich dann einen großflächigen roten Ausschlag am Dekolleté, der wanderte und aber bald wieder verschwand. Und Nachmittags kamen dann an verschiedensten Stellen am ganzen Körper erst kleine rote Flecken, die immer größer wurden, zu Quaddeln auswuchsen und teilweise ganze Hautareale bedeckten und furchtbar juckten und spannten. Da hab ichs dann doch mit der Angst zu tun bekommen und bin zum Mahabodhi Hospital spaziert – ein kleines süßes Krankenhaus mit einem OP-„Saal“, 5 Patientenzimmern und zwei Ärzten plus Chirurg. Der Arzt, dem ich mich vorstellte, kann sich mein Krankheitsbild eigentlich nur mit Bedbug- oder Moskito-Gift erklären, allerdings hab ich nirgendwo Biss- oder Stichstellen finden können... Habe eine Antiallergikum-Spritze bekommen (woraufhin ich direkt für ne Stunde eingeschlafen bin, obwohl ich mich nur 15min ausruhen sollte) und Antiallergikum-Tabletten für abends. Mittwoch und Donnerstag hatte ich dann überall dort Ausschlag, wo er vorher noch nicht war – es schien, als wollten die Quaddeln überall einmal gewesen sein…sogar im Gesicht, an den Ohren, auf den Füßen... Die Tabletten halfen aber glücklicherweise immer nach ein paar Stunden und seit Freitag is Schluss. Offensichtlich war kein Hautfleckchen mehr frei, was zu bequaddeln gewesen wäre… Der Arzt hat mir jedenfalls beim meinem zweiten Besuch noch das ganze Krankenhäuschen gezeigt, nebst Zimmern zur Ayurveda-Behandlung sowie Nieren-und Gallenstein-Sammlungen der letzten OP-Jahre. Hab ihn auch grad nochmal hier im Garten getroffen und ne Runde geschwatzt - ein sehr netter älterer Herr :).
Donnerstag war nochmal einen Vormittag lang Indus-River-Festival (wegen Vollmond), wo Inder von nah und fern anreisen, um sich im heiligen Fluss Indus zu baden (wegen heilender Kraft und so). Weil Tashi mal wieder nix genaues wusste, spazierte ich erst nach dem Mittagessen runter zu dem Platz am Fluss, wo leider schon alles vorbei war. Ein paar Touris, die ich noch antraf und fragte, berichteten, dass es nochmal ein kurzes Culture-Program gab (was ich ja vor zwei Wochen aber schon gesehen hab) und viele badende Inder. Ein paar waren aber immer noch da und wuschen Füße oder auch sich komplett im flachen Fluss. Auch meine Füße sind nun geheiligt oder geheilt oder was auch immer :). Es fand sich auch wieder jemand, der sich ungefragt neben mich setzte und mir ein Gespräch ans Knie band – irritierenderweise aber ein Buddhistenmönch, der immer näher rutschte und schließlich noch um ein gemeinsames Foto bat, als ich andeutete, wieder los zu müssen. Dass er für das Foto dann allerdings noch komplett an mich ranrutschte und mich fest umarmte, war so nicht geplant…*kopfschüttel*…Mönche sind auch nicht mehr das, was sie mal waren…
So, Zeit für die letzte Hausaufgaben-Betreuung und den letzten Abend hier. Damit sei dieser Wochenbericht und das erste Kapitel meiner Reise beendet. Bis sehr bald und seid herzlichst gegrüßt!
Heut Morgen war ganz schön Remmdidemmi hier aufm Campus. Irgendein sehr alter, sehr berühmter und sehr buddhistischer Mönch aus Ladakh, der aber jetzt Kopf eines Klosters in Südindien ist, stattete uns einen Besuch ab und wurde mit ganz großem zeremoniellem Brimborium empfangen. Die älteren Mädchen (also ab Klasse 5) waren die ganze Woche schon nach der Schule für keine Nachmittags-Stunde zu haben, weil sie zur Arbeit abberufen wurden – alle Straßen und das Gelände um die Culture Hall herum wurden wohl gründlichst sauber gefegt und hergerichtet. Viele hundert Fahnenstangen mit Fahnen in Buddhisten-Farben (grün, gelb, blau, weiß, rot) begrenzen die Straßen, was wirklich hübsch aussieht. Der Auto-Korso (ja, auch wir haben sowas hier :-P) mit Mönch und Anhang wurde aufm Weg zur Culture Hall von Mädchen und Jungen in traditionellen Kostümen und Musik angeführt, die Straße wurde neben den Fahnen von allen restlichen Kindern der Schule (die vormittags alle schulfrei hatten)in Schuluniform sowie allen anderen Campus-Bewohnern (inkl. mir) gesäumt. Es folgten zwei Stunden Zeremonie, in der der Mönch, auf einer Art Thron sitzend, zunächst alle, die einzeln an ihm vorüber gingen und händefaltend den Kopf beugten, segnete (mit einem roten Bändchen, was man sich dann um den Hals binden kann). (Ich hab mir den Segen und das hübsche rote Band auch mal vorsichtshalber abgeholt. Man kann ja nie wissen.) Der Rest war leider äußerst unspektakulär, da sowohl Mönch als auch unser Obermönch Sanghasena ihre laaaaangen Reden auf Ladakhi hielten… Allerdings gähnten oder schliefen auch einige der Anwesenden um mich herum, die definitiv verstanden haben, was da erzählt wurde. Naja. Nun ist wieder Ruhe eingekehrt, die Kinder sind in der Schule und ich bereite mich langsam auf meine Abreise vor – Wäsche waschen, Vorräte aufessen und so ;).
Letzte Woche Sonntag gabs ein Yoga-Erlebnis der ganz besonderen Art. Tashi teilte mir am Sonnabend Abend kurz vor knapp noch mit, dass ein paar der Mädels Sonntag früh um 6.30 Uhr nach Leh zu unserer Mahabodhi-Zweigstelle (da werden einzelne Lehrstunden in Yoga und Meditation für Touris angeboten) fahren – warum und wozu wusste sie natürlich mal wieder nicht (Tashi weiß nie was genaues und meistens gar nichts) – und fragte netterweise, ob ich mitfahren will. Klar. Also Sonntags 5.45 Uhr raus, um 6 Frühstück, 6.30 Uhr mit ca. 20 Mädels im Schulbus auf nach Leh. Am Mahabodhi-Haus haben wir kurz gestoppt, Yoga-Matten, Teppiche und drei nette israelische Touristen eingeladen und sind dann hoch zur Stupa gefahren (die ich mir ja schonmal mit Hannah angeschaut hatte). Es waren noch einige andere Touristen da und ein echter indischer Yoga-Lehrer. Und nun gab es eine morgendliche Yoga-Session auf der Terrasse vor der Stupa! - Hoch oben auf nem Berg mit wirklich wahnsinniger Aussicht auf das grüne Leh-Tal und die umliegenden Bergketten, die Gipfel immer noch schneebedeckt, dazu knallblauer Himmel und wärmende Morgensonne. Da hat alles zusammengepasst, das war soooo toll!!! Nur meine Jeans war nicht so passend zu diesem Zweck, die hat nicht alle Reckungen und Streckungen unbeschadet überstanden… :D. Rückwärts haben wirs uns aufm Dach des Busses bequem gemacht (wo sonst Gepäck transportiert wird), was ein großer Spaß war, weil die Äste der Bäume in Leh ganz schön tief hängen… ;)
Nach der Puja (wo ich mal wieder einschlief und vornüber kippte…) gabs dann leckeren Tee und Gruppenfotosession im Altenheim, einen großen Spaziergang mit den Kleinen (was so um die 40 an der Zahl sind) und zum krönenden Abschluss dieses wirklich gelungenen Sonntags war ich zum Momos machen und essen im Blinden-Hostel eingeladen. Die eine sehr nette Lehrerin Dechen ist dort die Betreuerin von 6 blinden oder sehbehinderten Mädchen und Jungen, die alle ziemlich gut Englisch können, weil ihre Texte in der Schule in englischer Blindenschrift geschrieben sind. Hab fleißig beim Momos machen geholfen, allerdings sah man dann beim Essen genau, welche von mir stammten… :). Zu den Gemüse-gefüllten Teigtaschen gabs eine höllisch scharfe Tomaten-Zwiebel-Chili-Mixtur – das war so derart lecker, dass es gestern nochmal einen Momo-Abend für mich gab, und mit 26 Stück halte ich derzeit den Rekord ;).
Die Tage der vergangenen Wochen verliefen ziemlich relaxed und angenehm, wie immer mit Lesen, Schreiben (sollte einen Volunteer-Bericht über meine Erfahrungen verfassen…fiel mir nicht ganz so leicht, da immer den richtigen diplomatischen Ton zu treffen)und viel Umherspazieren. Habe viel Zeit mit den Kleinen verbracht, da die Großen ja immer Putzen waren. Das Notice Board ist nun auch endlich fertig geworden – es ist hübsch bunt und die Alten freuen sich über ihr Foto am Brett.
Am Dienstag suchte mich dann noch eine mysteriöse und exotische Krankheit heim, über die bis heute nur spekuliert werden kann. Wachte früh auf, weil beide Ellenbogen juckten. Dachte nur: na prima, haben sie mich wieder ausgesaugt, die Mistviecher. Sah tatsächlich wie Bedbug-Bisse aus, nur komisch, dass es an beiden Ellenbogen gleichzeitig war. Über den Vormittag bekam ich dann einen großflächigen roten Ausschlag am Dekolleté, der wanderte und aber bald wieder verschwand. Und Nachmittags kamen dann an verschiedensten Stellen am ganzen Körper erst kleine rote Flecken, die immer größer wurden, zu Quaddeln auswuchsen und teilweise ganze Hautareale bedeckten und furchtbar juckten und spannten. Da hab ichs dann doch mit der Angst zu tun bekommen und bin zum Mahabodhi Hospital spaziert – ein kleines süßes Krankenhaus mit einem OP-„Saal“, 5 Patientenzimmern und zwei Ärzten plus Chirurg. Der Arzt, dem ich mich vorstellte, kann sich mein Krankheitsbild eigentlich nur mit Bedbug- oder Moskito-Gift erklären, allerdings hab ich nirgendwo Biss- oder Stichstellen finden können... Habe eine Antiallergikum-Spritze bekommen (woraufhin ich direkt für ne Stunde eingeschlafen bin, obwohl ich mich nur 15min ausruhen sollte) und Antiallergikum-Tabletten für abends. Mittwoch und Donnerstag hatte ich dann überall dort Ausschlag, wo er vorher noch nicht war – es schien, als wollten die Quaddeln überall einmal gewesen sein…sogar im Gesicht, an den Ohren, auf den Füßen... Die Tabletten halfen aber glücklicherweise immer nach ein paar Stunden und seit Freitag is Schluss. Offensichtlich war kein Hautfleckchen mehr frei, was zu bequaddeln gewesen wäre… Der Arzt hat mir jedenfalls beim meinem zweiten Besuch noch das ganze Krankenhäuschen gezeigt, nebst Zimmern zur Ayurveda-Behandlung sowie Nieren-und Gallenstein-Sammlungen der letzten OP-Jahre. Hab ihn auch grad nochmal hier im Garten getroffen und ne Runde geschwatzt - ein sehr netter älterer Herr :).
Donnerstag war nochmal einen Vormittag lang Indus-River-Festival (wegen Vollmond), wo Inder von nah und fern anreisen, um sich im heiligen Fluss Indus zu baden (wegen heilender Kraft und so). Weil Tashi mal wieder nix genaues wusste, spazierte ich erst nach dem Mittagessen runter zu dem Platz am Fluss, wo leider schon alles vorbei war. Ein paar Touris, die ich noch antraf und fragte, berichteten, dass es nochmal ein kurzes Culture-Program gab (was ich ja vor zwei Wochen aber schon gesehen hab) und viele badende Inder. Ein paar waren aber immer noch da und wuschen Füße oder auch sich komplett im flachen Fluss. Auch meine Füße sind nun geheiligt oder geheilt oder was auch immer :). Es fand sich auch wieder jemand, der sich ungefragt neben mich setzte und mir ein Gespräch ans Knie band – irritierenderweise aber ein Buddhistenmönch, der immer näher rutschte und schließlich noch um ein gemeinsames Foto bat, als ich andeutete, wieder los zu müssen. Dass er für das Foto dann allerdings noch komplett an mich ranrutschte und mich fest umarmte, war so nicht geplant…*kopfschüttel*…Mönche sind auch nicht mehr das, was sie mal waren…
So, Zeit für die letzte Hausaufgaben-Betreuung und den letzten Abend hier. Damit sei dieser Wochenbericht und das erste Kapitel meiner Reise beendet. Bis sehr bald und seid herzlichst gegrüßt!
Donnerstag, 17. Juni 2010
4.50 Uhr, Momos und ein Hauch von Sommerlichkeit
4.50 Uhr ist eine absolut unchristliche Zeit und ich glaub ich bin noch niemals derart früh aufgestanden, um einer freiwilligen Tätigkeit nachzugehen, die nicht unbedingt sein musste… Wenn der vorherige Tag allerdings schon 21 Uhr vorbei ist und ich somit trotzdem meine acht Stunden Schlaf krieg, isses erstens gar nicht so schwer und zweitens macht’s direkt ein bisschen Freude, mit der aufgehenden Sonne aufzustehen – vorallem mit der Aussicht auf drei tolle nachfolgende Morgenstunden. So geschehen von Samstag bis Montag, wo der letzte 3-Tages-Meditationskurs stattfand. Mit einer Banane als Vor-Frühstück bewaffnet musste die erste Anstrengung des Tages gemeistert werden, nämlich der (ohne Bummeln) 15 Minuten-Marsch zum Meditations-Center hoch – die letzten 5 Minuten sind richtig steil und dann geht’s auch noch ne enorm steile und großstufige Treppe in den Meditationsraum hoch…da legt das Herzlein schonmal n Schritt zu … aber man hat ja anschließend anderthalb Stunden Zeit, sich gründlich zu aklimatisieren ;) Im Vergleich zu vor 6 Wochen hat sich da allerdings viel getan bezüglich meiner Atemlosigkeit. Wenn ich wieder daheim bin sollte ich mein Blut meistbietend an irgendwelche Tour-de-France-Bescheißer verhökern :).
Das Meditieren klappt immer besser – auch wenn ich immernoch stark zum Einschlafen tendiere, sobald ich meinen Kopf leer gefegt habe. Strenge ich mich an, nicht einzuschlafen, klappts schlecht mit dem Kopfleerfegen. Es ist wahnsinnig interessant und ein bisschen erschreckend, welche Gedanken, Bilder, Erinnerungen und Ideen da plötzlich angeflogen kommen, wenn man einfach nur lange still sitzt und nichts denkt (bzw. nichts denken will). Dinge, an die man jahrelang nicht gedacht hat, Themen, die man längst verdrängt hat, oder von denen man dachte, man hätte seinen Frieden damit geschlossen. Wahrscheinlich versetzt man sich wirklich in eine Art hypnotischen Trance-Zustand… Von 7 bis 8 Uhr gabs dann wieder eine Stunde Yoga – ich liebe es! Am ersten Tag draußen unter freiem Himmel, weils doch tatsächlich mal ein schöner Tag war. Das ist auch gleich nochmal was ganz anderes, wenn die Vöglein über einem zwitschern und einem die Morgensonne das Gesicht bescheint, wenn man sich zum Relaxen zwischen den Übungen ausstreckt. Samstag und Sonntag konnte ich auch an der Abend-Yoga-Stunde teilnehmen, weil ja keine Hausaufgabenstunde mit den Mädels anstand. Khunzang hat uns ordentlich verbiegen und strecken lassen; meine Knack-Schulter hat währenddessen für Erheiterung gesorgt ;).
So schön der Samstag war, so verregnet war der Sonntag. Es hat richtig dolle geschifft, so dass zum ersten Mal mein Regenschirm zu Einsatz kommen musste, damit ich trocken zum Center hochkomme. Eigentlich regnets hier fast nie und eigentlich solls hier oben 300 Sonnentage im Jahr geben. Ich bin jetz sechseinhalb Wochen hier, wovon mindestens zwei Drittel (gefühlt ja gut 90 % :D) Schlechtwettertage waren…entweder die haben nach meiner Abreise nen absoluten Bombensommer (weil die schlechten Tage ja nun schon fast alle aufgebraucht sind) oder dieses Jahr ist alles anders…
Die Kinder hatten vergangenen Samstag jedenfalls schulfrei (weils der zweite Samstag im Monat war; ansonsten is Samstag ein ganz normaler Schultag) und haben das Wochenende fast komplett vorm (einzigen) Fernseher verbracht und irgendwelche Hindi-Filme angeguckt (die verschrien sind, unheimlich kitschig zu sein und ich hätte ja eh nix verstanden). So war ich am Samstag ne große Runde umherwandern und hab den Berg hinterm Meditations-Center erklommen - was zuweilen eine etwas rutschige Angelegenheit war mit meinen Turnschuhen und dem vielen Geröll, was da rumliegt...Aber Anstrengung und ein bisschen Ängstlichkeit haben sich gelohnt – war ein fantastischer Ausblick von da oben und jetz weiß ich auch endlich, was auf der anderen Seite ist – ein langgestrecktes, bewohntes und sehr grünes Tal :). Rückwärts rutschte ich meist auf allen vieren hinunter…da wo man hochwärts mit Kraft und langen Armen und Beinen weiterkam, kommt man bergab manchmal nicht weiter und muss sich ne andre Route suchen.
Am Sonntag wurde nach dem Puja-Gottesdienst zum ersten Mal das „Culture Program“ aufgeführt – für die Tagestouristen, die Sonntags von Leh aus einen organisierten Ausflug zu uns ins Mahabodhi Center machen. Die nehmen an der Puja teil, werden einmal um den ganzen Campus geführt, essen Mittag und danach führen die Jungs und Mädchen, Nonnen und Mönche ein wirklich respektables Programm in der Culture Hall (so richtig mit Bühne und Vorhang und Plastik-Garten-Stühlen fürs Publikum) auf. Die traditionellen ladakhischen Tänze werden meist im Kreis oder Halbkreis getanzt, wobei die meiste Bewegung von Armen und Händen ausgeht, die Füße machen kleine tänzelnde Schritte. Dazu wird gesungen, getrommelt, geflötet (auf einer Art Tröte) und die farbenprächtigen traditionellen ladakhischen oder indischen Kleider geschwungen. :) Hat Spaß gemacht und der anschließende Schwatz mit ner deutschen Touristen (hat man ihr gleich angesehen ;)) hat gut getan.
Am Montag gabs dann gleich nochmal eine Portion Landeskultur. Wie ich glücklicherweise eher zufällig noch erfahren hab, fand schon übers ganze Wochenende, aber eben auch noch Montag, auf einem Platz am Indus-River das Sinduh-Festival, eine Feierlichkeit der Hindus, statt (weshalb das unsere Buddhisten eher nicht so interessiert hat). Der Platz ist ne gute halbe Stunde zu Fuß vom Campus entfernt, also perfekt für einen Morgenspaziergang. Da mir hier keiner sagen konnte, was wann wie dort abläuft, bin ich vormittags schonmal hinspaziert, wo allerdings nix los war. Aber Bühne und überdachte Gartenstuhl-Sitz-Tribünen waren aufgebaut und ein paar Menschen und Touristen liefen auch rum. Das Programm fand erst abends um 19Uhr statt, wie ich herausfand. Das Wetter war nicht allzu schlecht und ich hatte was zum Lesen und Postkarten zum Beschreiben mit, also hab ich mich ans Flussufer gesetzt und wollte Karten schreiben. Dazu kam ich allerdings nicht, denn erst belagerten mich zwei ladakhische kleine Jungs, die kein Wort Englisch konnten, sich aber links und rechts von mir platzierten und mich und meine Karten anstarrten oder kicherten. Als die schließlich verschwanden, nachdem ich sie wohl langweilte mit Kartenangucken, setzte sich ne ladakhische Oma neben mich, die ebenfalls kein Wort verstand oder sprach, sich aber erst sehr für meine Karten interessierte und dann versuchte, mir per Zeichensprache mitzuteilen, dass sie wohl was am Auge hat und Geld von mir will. Da ich sie natürlich nicht verstanden hab(en wollte), ist die dann auch bald wieder gegangen. Kurz drauf saß ein junges hübsches indisches Mädel (um die 18 Jahre, aus Mumbai, auch als Tourist da) neben mir, die hervorragend Englisch sprach und sich einfach nur für mich als westlicher Tourist interessierte. Haben sehr nett gequatscht, bis ihre Eltern zum Aufbruch mahnten. Keine 5 Minuten später, als ich grad wieder los wollte, weil die Mittagszeit nahte, kamen zwei kleine indische Mädchen (so um die 8 und 10 Jahre) auf mich zu, stellten sich höflich vor und wollten wissen, wo ich herkomme und was ich hier mache… Total niedlich! Und es ist komisch, offensichtlich eine Attraktion zu sein :D.
Abends bin ich dann also nochmal hinmarschiert, wurde aber netterweise auf halben Weg von einem Bollywood-Schauspieler aus Tibet in seinem Jeep mitgenommen :). Das Programm selbst war bunt und unterhaltsam, wieder Tänze, Trommler und Sänger, aber alles ne Spur schwungvoller und indischer, als das Programm bei uns am Sonntag. Toll war, dass dort nette ladakhische Frauen das komplette Publikum, und das waren doch allerhand Menschen, mit gutem Milchtee und einem Tellerchen Momos versorgt haben – und das alles für umsonst! Momos sind kleine Teigtaschen mit einer Fleisch- oder Gemüsefüllung, manchmal auch frittiert – sehr sehr lecker! Vor mir saß ein westlicher Tourist mit langen ergrauten Haaren, dicker Kameratasche – und einem Stoffbeutel mit einem Schriftzug von irgendner Baugenossenschaft :). Damit war er als Deutscher erkannt und als ich mit „Hallo“ grüßte als er mich beim Sich-Umschauen anlächelte, staunte er nicht schlecht über meine Menschenkenntnis *hihi*. Dieser Mann is ein total freakiger Typ, der schon mehrere Jahre lang immer wieder nach Ladakh reist und sogar schon mehrere Winter hier verbracht hat, indem er bei irgendwelchen Familien lebt, die er im Laufe der Jahre kennengelernt hat… War jedenfalls wieder eine interessante Bekanntschaft und als wir nach dem Programm zusammen raus liefen, ich, um heim zu laufen, er, um mit Bus oder Taxi nach Leh zurück zu fahren, hielt ein Jeep an und der Fahrer fragte, wo wir hin müssen und lud uns ein, bei ihm Richtung Leh mitzufahren. Das allein hätte mir schon viel geholfen und den halben Weg Laufen in Dunkelheit abgenommen. Aber der ist dann sogar noch die Extra-Strecke zum Mahabodhi gefahren und hat mich quasi direkt zu Hause abgesetzt – wofür ich echt dankbar war, denn so richtig hatte ich mir das vorher nicht überlegt, dass es ja stockfinster sein wird, wenn ich nach dem Programm heimlaufen muss…
Insgesamt waren das also wirklich schöne und erlebnisreiche Tage und auch die letzten Tage habe ich sehr genossen – denn die Temperaturen werden merklich milder! Heut scheint schon den ganzen Tag die Sonne und ich sitze im T-Shirt (!!!) und nackigen Füßen im Guesthouse-Garten :). Ich bastle fleißig an meinem Notice-Board-Design, draußen spielen mit den Kinderlein macht dann jetz auch Spaß, wenn man nicht nur am Zittern ist und meine Reise-Planung nimmt langsam Gestalt an.
Jetzt geht’s zum Lesen-Üben zu den Kleinen, muss auch aus der Sonne raus, die knallt ganz schön. Herzlichste Berggrüße an euch!
Das Meditieren klappt immer besser – auch wenn ich immernoch stark zum Einschlafen tendiere, sobald ich meinen Kopf leer gefegt habe. Strenge ich mich an, nicht einzuschlafen, klappts schlecht mit dem Kopfleerfegen. Es ist wahnsinnig interessant und ein bisschen erschreckend, welche Gedanken, Bilder, Erinnerungen und Ideen da plötzlich angeflogen kommen, wenn man einfach nur lange still sitzt und nichts denkt (bzw. nichts denken will). Dinge, an die man jahrelang nicht gedacht hat, Themen, die man längst verdrängt hat, oder von denen man dachte, man hätte seinen Frieden damit geschlossen. Wahrscheinlich versetzt man sich wirklich in eine Art hypnotischen Trance-Zustand… Von 7 bis 8 Uhr gabs dann wieder eine Stunde Yoga – ich liebe es! Am ersten Tag draußen unter freiem Himmel, weils doch tatsächlich mal ein schöner Tag war. Das ist auch gleich nochmal was ganz anderes, wenn die Vöglein über einem zwitschern und einem die Morgensonne das Gesicht bescheint, wenn man sich zum Relaxen zwischen den Übungen ausstreckt. Samstag und Sonntag konnte ich auch an der Abend-Yoga-Stunde teilnehmen, weil ja keine Hausaufgabenstunde mit den Mädels anstand. Khunzang hat uns ordentlich verbiegen und strecken lassen; meine Knack-Schulter hat währenddessen für Erheiterung gesorgt ;).
So schön der Samstag war, so verregnet war der Sonntag. Es hat richtig dolle geschifft, so dass zum ersten Mal mein Regenschirm zu Einsatz kommen musste, damit ich trocken zum Center hochkomme. Eigentlich regnets hier fast nie und eigentlich solls hier oben 300 Sonnentage im Jahr geben. Ich bin jetz sechseinhalb Wochen hier, wovon mindestens zwei Drittel (gefühlt ja gut 90 % :D) Schlechtwettertage waren…entweder die haben nach meiner Abreise nen absoluten Bombensommer (weil die schlechten Tage ja nun schon fast alle aufgebraucht sind) oder dieses Jahr ist alles anders…
Die Kinder hatten vergangenen Samstag jedenfalls schulfrei (weils der zweite Samstag im Monat war; ansonsten is Samstag ein ganz normaler Schultag) und haben das Wochenende fast komplett vorm (einzigen) Fernseher verbracht und irgendwelche Hindi-Filme angeguckt (die verschrien sind, unheimlich kitschig zu sein und ich hätte ja eh nix verstanden). So war ich am Samstag ne große Runde umherwandern und hab den Berg hinterm Meditations-Center erklommen - was zuweilen eine etwas rutschige Angelegenheit war mit meinen Turnschuhen und dem vielen Geröll, was da rumliegt...Aber Anstrengung und ein bisschen Ängstlichkeit haben sich gelohnt – war ein fantastischer Ausblick von da oben und jetz weiß ich auch endlich, was auf der anderen Seite ist – ein langgestrecktes, bewohntes und sehr grünes Tal :). Rückwärts rutschte ich meist auf allen vieren hinunter…da wo man hochwärts mit Kraft und langen Armen und Beinen weiterkam, kommt man bergab manchmal nicht weiter und muss sich ne andre Route suchen.
Am Sonntag wurde nach dem Puja-Gottesdienst zum ersten Mal das „Culture Program“ aufgeführt – für die Tagestouristen, die Sonntags von Leh aus einen organisierten Ausflug zu uns ins Mahabodhi Center machen. Die nehmen an der Puja teil, werden einmal um den ganzen Campus geführt, essen Mittag und danach führen die Jungs und Mädchen, Nonnen und Mönche ein wirklich respektables Programm in der Culture Hall (so richtig mit Bühne und Vorhang und Plastik-Garten-Stühlen fürs Publikum) auf. Die traditionellen ladakhischen Tänze werden meist im Kreis oder Halbkreis getanzt, wobei die meiste Bewegung von Armen und Händen ausgeht, die Füße machen kleine tänzelnde Schritte. Dazu wird gesungen, getrommelt, geflötet (auf einer Art Tröte) und die farbenprächtigen traditionellen ladakhischen oder indischen Kleider geschwungen. :) Hat Spaß gemacht und der anschließende Schwatz mit ner deutschen Touristen (hat man ihr gleich angesehen ;)) hat gut getan.
Am Montag gabs dann gleich nochmal eine Portion Landeskultur. Wie ich glücklicherweise eher zufällig noch erfahren hab, fand schon übers ganze Wochenende, aber eben auch noch Montag, auf einem Platz am Indus-River das Sinduh-Festival, eine Feierlichkeit der Hindus, statt (weshalb das unsere Buddhisten eher nicht so interessiert hat). Der Platz ist ne gute halbe Stunde zu Fuß vom Campus entfernt, also perfekt für einen Morgenspaziergang. Da mir hier keiner sagen konnte, was wann wie dort abläuft, bin ich vormittags schonmal hinspaziert, wo allerdings nix los war. Aber Bühne und überdachte Gartenstuhl-Sitz-Tribünen waren aufgebaut und ein paar Menschen und Touristen liefen auch rum. Das Programm fand erst abends um 19Uhr statt, wie ich herausfand. Das Wetter war nicht allzu schlecht und ich hatte was zum Lesen und Postkarten zum Beschreiben mit, also hab ich mich ans Flussufer gesetzt und wollte Karten schreiben. Dazu kam ich allerdings nicht, denn erst belagerten mich zwei ladakhische kleine Jungs, die kein Wort Englisch konnten, sich aber links und rechts von mir platzierten und mich und meine Karten anstarrten oder kicherten. Als die schließlich verschwanden, nachdem ich sie wohl langweilte mit Kartenangucken, setzte sich ne ladakhische Oma neben mich, die ebenfalls kein Wort verstand oder sprach, sich aber erst sehr für meine Karten interessierte und dann versuchte, mir per Zeichensprache mitzuteilen, dass sie wohl was am Auge hat und Geld von mir will. Da ich sie natürlich nicht verstanden hab(en wollte), ist die dann auch bald wieder gegangen. Kurz drauf saß ein junges hübsches indisches Mädel (um die 18 Jahre, aus Mumbai, auch als Tourist da) neben mir, die hervorragend Englisch sprach und sich einfach nur für mich als westlicher Tourist interessierte. Haben sehr nett gequatscht, bis ihre Eltern zum Aufbruch mahnten. Keine 5 Minuten später, als ich grad wieder los wollte, weil die Mittagszeit nahte, kamen zwei kleine indische Mädchen (so um die 8 und 10 Jahre) auf mich zu, stellten sich höflich vor und wollten wissen, wo ich herkomme und was ich hier mache… Total niedlich! Und es ist komisch, offensichtlich eine Attraktion zu sein :D.
Abends bin ich dann also nochmal hinmarschiert, wurde aber netterweise auf halben Weg von einem Bollywood-Schauspieler aus Tibet in seinem Jeep mitgenommen :). Das Programm selbst war bunt und unterhaltsam, wieder Tänze, Trommler und Sänger, aber alles ne Spur schwungvoller und indischer, als das Programm bei uns am Sonntag. Toll war, dass dort nette ladakhische Frauen das komplette Publikum, und das waren doch allerhand Menschen, mit gutem Milchtee und einem Tellerchen Momos versorgt haben – und das alles für umsonst! Momos sind kleine Teigtaschen mit einer Fleisch- oder Gemüsefüllung, manchmal auch frittiert – sehr sehr lecker! Vor mir saß ein westlicher Tourist mit langen ergrauten Haaren, dicker Kameratasche – und einem Stoffbeutel mit einem Schriftzug von irgendner Baugenossenschaft :). Damit war er als Deutscher erkannt und als ich mit „Hallo“ grüßte als er mich beim Sich-Umschauen anlächelte, staunte er nicht schlecht über meine Menschenkenntnis *hihi*. Dieser Mann is ein total freakiger Typ, der schon mehrere Jahre lang immer wieder nach Ladakh reist und sogar schon mehrere Winter hier verbracht hat, indem er bei irgendwelchen Familien lebt, die er im Laufe der Jahre kennengelernt hat… War jedenfalls wieder eine interessante Bekanntschaft und als wir nach dem Programm zusammen raus liefen, ich, um heim zu laufen, er, um mit Bus oder Taxi nach Leh zurück zu fahren, hielt ein Jeep an und der Fahrer fragte, wo wir hin müssen und lud uns ein, bei ihm Richtung Leh mitzufahren. Das allein hätte mir schon viel geholfen und den halben Weg Laufen in Dunkelheit abgenommen. Aber der ist dann sogar noch die Extra-Strecke zum Mahabodhi gefahren und hat mich quasi direkt zu Hause abgesetzt – wofür ich echt dankbar war, denn so richtig hatte ich mir das vorher nicht überlegt, dass es ja stockfinster sein wird, wenn ich nach dem Programm heimlaufen muss…
Insgesamt waren das also wirklich schöne und erlebnisreiche Tage und auch die letzten Tage habe ich sehr genossen – denn die Temperaturen werden merklich milder! Heut scheint schon den ganzen Tag die Sonne und ich sitze im T-Shirt (!!!) und nackigen Füßen im Guesthouse-Garten :). Ich bastle fleißig an meinem Notice-Board-Design, draußen spielen mit den Kinderlein macht dann jetz auch Spaß, wenn man nicht nur am Zittern ist und meine Reise-Planung nimmt langsam Gestalt an.
Jetzt geht’s zum Lesen-Üben zu den Kleinen, muss auch aus der Sonne raus, die knallt ganz schön. Herzlichste Berggrüße an euch!
Mittwoch, 9. Juni 2010
Kranke Mädchen, indische Hitlerverehrer und Entscheidungen
Hallo ihr Lieben. Schon wieder ist nun mehr als eine Woche rum, seit dem ich zuletzt Neues vom Berg habe verlauten lassen. Allerdings kann ich diesmal nicht unbedingt behaupten, dass diese schnell rumgegangen wäre. Nicht nur, dass Hannah als Quatsch-und Unternehm-Gesellschaft weggefallen ist, zusätzlich hatten sich die Australier auch noch für 3 Tage ins Meditation-Center verdrückt (dort finden ab jetzt regelmäßig 3-Tages-Meditations-Kurse für Touris statt: 3 Tage lang meditieren, Yoga machen und dem Mönch zuhören – bei absolutem Rede- und Schreib-Verbot. Kostet aber extra und lockt mich jetzt nicht so. Die morgendlichen Sessions sind ausreichend gewinnbringend :)).
Mir fällt es heut ein bisschen schwer, die richtigen Worte zu finden, weil ich so viel mitteilen möchte… Neben durchaus auch beeindruckenden Beobachtungen ausm Girsl Hostel sind es heute vor allem die vielen negativen Dinge, die mir hier auffallen, die mich ärgern, die mir aufstoßen, die ich nicht ändern kann, die ich tolerieren muss… die auch dazu beitragen, dass ich Entscheidungen getroffen hab und die ich versuche, hier anzuschneiden, weil sie genauso zu meinen Erlebnissen gehören, wie all die tollen und angenehmen Dinge, die schon erleben und erfahren durfte.
Mein Tagesablauf hat sich nicht großartig verändert, seitdem ich im Hostel wohne. Meditieren und Yoga fiel die letzte Woche erstmal aus, weil eben diese 3-Tages-Kurse anliefen, die eigentlich nur für zahlende Gäste gedacht sind. Habe aber nun Sondererlaubnis und darf früh die erste Session Meditation und Yoga mitmachen – die sogar schon 5.30 Uhr startet und nicht 6.30 Uhr wie bisher. Allerdings kam ich vorgestern (der erste Tag des momentanen Kurses) wegen böser Kopfschmerzen und vorübergehendem Bauchgrimmen früh nicht aus den Federn und gestern wachte ich wieder mit nem geschwollenen Unterarm (diesmal der rechte) nach nächtlicher Bedbug-Attacke auf. Drum hab ich den dritten Tag heut auch sausen lassen, um die nicht-reden-dürfenden Kursteilnehmer nicht mit meiner plötzlichen Anwesenheit zu verwirren ;).
Frühstück gibt’s im Hostel um 7 Uhr. Die Mädels stehen schon 5.30 Uhr auf – ich hab letzte Woche einmal auch das Morgenprogramm der Mädels mitgemacht, mich dann aber aufgrund meiner gesundheitlichen Situation an den folgenden Tagen fürs „Ausschlafen“ bis 6.30 Uhr entschieden… ;) . Also: ab 5.45 Uhr is ne halbe Stunde Morgensport angesagt (ne Runde ums Gelände „joggen“, was eher ein unambitioniertes Vorsichhinstolpern ist – is aber auch kein Wunder, da die meisten gar keine Turnschuh haben, sondern diese Schaumstoff-Pantoffeln tragen…, und bissl Gymnastik), dann ne halbe Stunde Morgen-Buddha-Anbetung, was man sich folgendermaßen vorstellen muss: Im Hof werden dünne Teppiche ausgerollt. Darauf sitzen dann alle 120 Mädels in Reihen (man beachte: die haben gerade Sport gemacht, tragen einen dünnen Jogginganzug, sind barfuß oder mit löchrigen dünnen Söckchen, haben kein Kissen unterm Hintern, es sind um die 5 Grad… also ICH weiß, warum die alle krank sind…) und singen die Buddha-Mantra-Gesänge, die ich mittlerweile sogar mitsummen kann :), beim Text auf Ladakhi haperts dann aber doch noch… ;). Dann wird ein paar Minuten meditiert – allerdings nicht mit anleitenden sanften Worten von einem Mönch oder jemandem, der sich damit auskennt, sondern mit befehlenden harschen Worten von Tashi (die Hostel-Verantwortliche) im Militärston. Also mir fiel es schwer, unter dem Befehl „Close your eyes!!!“ eine entspannte, harmonische innere Haltung zum Meditieren zu finden…
Tashis Umgang und Umgangston mit den Mädchen ist in meinen Augen generell anzuzweifeln. Dieser Militärston (erhobene, laute, oft schreiende Stimme) ist ihr normaler Ton mit den Mädels zu sprechen. Sie ist auch der Meinung, dass die einzige Möglichkeit, mit den Mädels zurechtzukommen und respektiert zu werden, die ist, dass die Mädels Angst vor ihr haben… Wenn es während der Meditation so aussieht, als würde ein Mädchen grad am Einnicken sein (und das passiert bei den kleinen Mäusen hin und wieder – ich mein, manche sind grade mal 4 oder 5 und müssen früh um sechs ne halbe Stunde draußen sitzen und beten!), kriegen sie nen Tritt oder eins mit nem Stock über die Hände gezogen… Unglaublich, aber wahr. Oder eine andere Szene, als ne Reihe von Mädels, große wie kleine, 10 min zu spät zum Frühstück in die Essenshalle kamen – Tashi wartete an der Tür und verpasste jeder nen heftigen Fausthieb auf den Rücken zur Strafe. Die großen lachten drüber, die Kleinen rieben sich die schmerzende Stelle... Die Tatsache, dass niemand versucht, diese Methoden vor meinen Augen zu verstecken, ist ja Beweis dafür, dass sie das völlig normal finden und sich nicht darüber bewusst sind, dass die Zeiten, wo man körperliche Züchtigung anwendet, lange vorbei sind. Naja, zumindest eben bei uns… Auf meine Nachfrage bei Dechen hin (einer Lehrerin, mit der ich mich sehr gut verstehe), ob das wirklich nötig und angemessen sei, erklärte sie, dass es in der Schule den Lehrern zwar verboten sei, mit dem Stock zu schlagen, aber im Hostel sei es normal – ebenso wie innerhalb der Familien, die hier in Ladakh wohnen. Eltern würden ihre Kinder noch viel härter rannehmen. Als ich fragte, was der Obermönch dazu sagt – weil, ähm – Buddhismus und Kinder schlagen?!? Wie bitteschön verträgt sich das?! – räumte sie ein, dass er eigentlich sagt, dass nirgendwo geschlagen werden soll und darf. Aber da hält sich halt keiner dran. Und wahrscheinlich weiß er das auch. Keine Ahnung….
Zum Frühstück gibt’s für die Kinder meist das gleiche, was es auch zum Mittag oder Abendessen geben könnte: Also Reis mit Gemüse, ladakhische Suppe oder so dünne Brotfladen (sehen aus wie Tortillas, aus denen man Wraps macht, aber aus nem speziellen Teig) mit Gemüse. Für mich gibt’s immer diese Brotfladen mit Butter und Sonntags auch schonmal ein Rührei dazu :). Letzte Woche gabs aber sogar auch mal Weißbrot mit nem Klecks Marmelade – auch für die Kinder! Dazu gibt’s Tee – schwarz mit dicker Kondensmilch und viiiiel Zucker. Lecker! :) Den ladakhischen Buttertee (Schwarztee mit Butter und Salz!) hab ich nach einmal Kosten nie wieder angerührt – bäh! Nach dem Frühstück ist dann Zeit bis 9 Uhr, da sammeln sich dann alle im Hof und machen sich auf den Weg zur Schule (ist ein kurzer Fußmarsch von 10 Minuten). Bis dahin macht jeder so sein Zeug – Haarewaschen, Wäschewaschen, Hausaufgaben, Zimmer und Flure auskehren, Zöpfe flechten usw. Fast alle Wasch- und Körperhygiene-Tätigkeiten finden übrigens draußen in nem (immerhin) überdachten Waschraum mit eiskaltem Wasser statt. Ein bis zweimal die Woche wird Ganzkörper-geduscht, das dann immerhin drinnen in kleinen Duschräumen. Das ist wirklich sehr beeindruckend, wie die Mädels früh um acht bei bösester Kälte barfuß in der Waschecke hocken und sich die langen schwarzen Haare mit Eiswasser waschen *brrrrrrrrr*. So, und dann ist Schule angesagt - erst halb fünf finden sich die Mädels wieder alle im Hostel ein. Ich hab also jeden Tag bis halb fünf Zeit für mich. Mit Wäsche waschen per Hand geht schonmal viel Zeit rum. Auch den Teppich im Zimmer ein bisschen sauberer zu machen braucht gut Zeit, da es dafür eine Art Bürste in einer Plastikschachtel gibt, mit der man dann das ganze Zimmer auf Knien durchrutscht und den Teppich abbürstet :D. Die meiste Zeit verbring ich alerdings lesend, spazierend oder am PC – entweder im schönen Guesthouse-Garten, wo ich grad auch sitze, oder im Office, wenn das Wetter mal wieder bescheiden ist (wie die letzten 5 Tage…). Das Internet funktioniert zur Zeit immer nur manchmal, mit Ausnahme von Skype, das findet fast immer einen Weg in die Welt :D. Bin immernoch beschäftigt mit meinem Auftrag, das schwarze Brett fürs Altenheim zu gestalten. Weil entweder das Wetter nie passte und/oder Lhamo nie da war hat es bis letzten Samstag gedauert, endlich mal das Foto-Projekt durchzuziehen. Das war ein Spaß :) - alle 30 Altenheimbewohner, davon einige auch geistig behindert, vor die Linse zu bekommen und sie dazu zu animieren, ein freundliches Gesicht zu machen – herrlich! :) Mittag gibt’s dann um 13 Uhr. Ess ich aber nicht mit im Hostel, sondern im Office, wo eigentlich auch die Australier anzutreffen sind. Als die nicht da waren, musste ich mich nun allein mit dem total freakigen indischen Typen unterhalten. Ein Typ Mitte vierzig, alleinstehend, aus Delhi, der hier zwei Monate als Lehrer gearbeitet hat (ist gestern überraschend und plötzlich abgereist). Und einer von der Sorte Mensch, der einem ungefragt Dinge von sich erzählt, die man gar nicht wissen will. Dabei fuchtelte er einem beim Reden immer mit beiden Händen so nahe vorm Gesicht rum, dass man ernstlich besorgt um sein Augenlicht war… Aber irgendwie war er auch ein bisschen niedlich und amüsant und ich war immer gespannt, was er mir heute erzählen mag. Eine unserer Unterhaltungen endete schließlich bei seiner völlig ernstgemeinten Feststellung, dass Hitler ein total cooler Typ war, der damals alles richtig gemacht hat und sein Ziel, die Welt zu beherrschen, doch wirklich sehr beeindruckend und beachtenswert sei. Er habe nur einen Fehler gemacht: Selbstmord begangen zu haben. Aha. Is klar. Ziemlich aufgebracht hab ich dann vergeblich versucht, ihm das auszureden und ihm schließlich ans Herz gelegt, diese Meinung nicht allzu laut zu vertreten, falls er mal nach Deutschland kommen sollte… *kopfschüttel*
Von 17 bis 18.30 Uhr haben die Kleinen bis zur 4. Klasse dann Study-Time, als Hausaufgaben-Stunde, die ich jetzt immer mit betreue. Das macht unheimlich Spaß, weil die Kleinen ganz verrückt drauf sind, mir aus ihren Lesebüchern vorzulesen, Gedichte oder Zahlen oder das Alphabet aufzusagen. Ich muss oft die Aussprache berichtigen, aber da sind sie sehr aufmerksam und lernwillig. Ich denke, wir machen schon Fortschritte ;). Wirklich verstehen können mich die Kleinen allerdings nicht, dazu ist das Englisch noch zu schwach. Is aber auch krass, was die alles parallel lernen: Ihre Muttersprache Ladakhi, die tibetische Schriftzeichen benutzt, dann Hindi mit Hindi-Schriftzeichen und dazu noch Englisch! Wenn man so unmittelbar unter den Kinderlein sitzt, bekommt man leider auch die olfaktorische Information, dass sie sich tatsächlich nur einmal die Woche waschen und Wäsche wechseln… Außerdem läuft bei allen Kleinen permanent der Rotz aus der Nase…
Danach halte ich dann ne Stunde für die größeren Mädels ab der 5. Klasse, jeden Wochentag ne andere Klassenstufe. Wir machen ein paar Englisch-Übungen, besprechen Hausaufgaben oder ich bring ein bisschen Deutsch bei. Für die nächsten zwei Wochen bereite ich ein paar Power-Points über Deutschland vor. Die sind ganz verrückt auf Fotos :). Ja, und die verbleibende Zeit bis zum Abendessen wird aufm Hof mit den Kleinen gespielt (die Großen sind meist auf ihren Zimmern – im Übrigen schlafen mindestens 7 Mädchen in einem Zimmer, im Höchstfall 18). Weils abends immer ganz besonders kalt wird und Rumhängen aufm Hof fast unerträglich ist, plädiere ich immer für einen Spaziergang. Finden sie gut, die Mädels, und schlagen sich immer fast darum, wer an meiner Hand laufen darf ;). Um 20 Uhr dann endlich Abendessen (ich weiß nich, wie’s die Mädels machen, 7 Stunden ohne Nahrung so quietschfidel zu bleiben – ich muss nachmittags immer Bananen, Mangos und Kekse essen, um zu überleben) und nach bisschen lesen oder ner Serienfolge aufm Laptop geht’s in den Schlafsack. Irgendwo im Zimmer wohnen Bedbugs, das ist mal klar, auch wenn sie aus mir unerfindlichen Gründen bisher nur zweimal zugeschlagen haben, seit dem ich da wohne. Facebook-Leser wissen, dass letzte Woche mein linker Unterarm aufgrund zweier Bisse so angeschwollen war, dass ich meine Hand kaum mehr bewegen konnte. Irgendwie sah das nach allergischer Reaktion aus. Nach drei Tagen wars aber wieder gut und es gab keine neuen Bisse, weshalb ich schon zweifelte, obs wirklich Bedbugs waren. Hatte ja damals im Altenheim auch keine so krassen Reaktionen… Vorletzte Nacht dann der rechte Unterarm – ich bin nachts aufgewacht, weils juckte und hab auch sofort den Übeltäter entdeckt und getötet. Tut schön weh der Arm. Scheißmist. Wird aber nix dagegen unternommen von Seiten Tashis. Bett von der Wand wegrücken sollte helfen, weil die Viecher wohl aus der Holzdecke über die Wand aufs Bett kommen. Naja, dass das nicht hilft, ist nun bewiesen….
Im Hostel geht grad ne Magen-Darm-Seuche rum – derzeit liegen 10 Mädels flach, jeden Tag genesen welche und kommen wieder neue Krankheitsfälle dazu. Können einem echt nur leid tun die Mäuse, wenn man sie mit Leidensmine zum „Local-Klo“ und wieder zurück ins Bett schlurfen sieht. Das Local-Klo ist ein Klo, wie es die Locals, also die Einheimischen benutzen: ein Natur-Klo, was nur aus einem Loch im Boden besteht, drunter formieren sich die Verdauungs-Restbestände zu einem großen Haufen. Der dolle stinkt. Ich weiß echt nicht und traue mich nicht zu fragen, wie die das dort machen – Inder benutzen ja generell kein Klopapier, sondern Wasser (neben der Toilette ist immer ein kleiner Wasserhahn angebracht und es gibt nen Eimer mit Schöpfkanne). Aber diese Natur-Klos sind eben wirklich nur Löcher – ohne Wasser, ohne Papier. Und die Kinder nehmen definitiv nix mit, wenn sie das Örtchen aufsuchen, ich hab das beobachtet ;). Nun stelle man sich vor, man hat Durchfall… Ich muss doch mal nachfragen...das beschäftigt mich schon die ganze Zeit :D.
In meinem Bad gibt’s übrigens sogar ne richtige Sitztoilette mit ganz normaler Wasserspülung. Und theoretisch wäre auch hier warmes Wasser ausm Wasserhahn möglich – wenn der Boiler nicht kaputt wär (wie im Volunteerhaus, wo ich vorher gewohnt hab). Klar haben die hier wirklich nicht viel Geld, bestimmt gibt’s auch wichtigere Dinge, als kaputte Boiler zu reparieren. Und klar leben die Menschen hier einfach noch ein anderes Leben, auch wenn die moderne westliche Welt natürlich überall ihre Einflüsse zeigt. Dass eher „rückständige“ Länder oder Bewohner mit modernen Errungenschaften dann oft nicht umgehen können, beweisen ja viele Beispiele. Hier zeigt es sich darin, dass kein Wert drauf gelegt wird, die einmal vorhandenen Dinge zu hegen und zu pflegen. Da spendiert eine deutsche Firma eine komplette Solaranlage fürs Girls-Hostel, damit sie jederzeit Wasser warm machen können – und dann gibt diese wenige Wochen nach Inbetriebnahme (is schon paar Jahre her jetzt) den Geist auf, weil die Batterieneinfach nicht ordnungsgemäß Instand gehalten wurden. Isse halt kaputt, die zigtausend Euro teure Solaranlage. Das ist eben wirklich eine andere Mentalität und ich kann nichts dran ändern, muss das so hinnehmen und die Leute ihr Leben so leben lassen – und das kann ich auch, weil ich ja weiß, dass ich hier nicht ewig bleiben und leben muss, sondern bald wieder weg bin. Aber aufstoßen tut es mir und ich ärgere mich deshalb, weil die armen Mädchen drunter leiden müssen. Auch wenn sie wahrscheinlich nicht wirklich drunter leiden, weil sies nicht groß anders kennen. Aber es ist eben NICHT so, dass versucht wird, aus den geringen vorhandenen Mitteln das Beste zu machen. Wenn dem so wäre, würde wahrscheinlich meine Bewunderung darüber überwiegen, dass die Mädels mit so wenig doch so zufrieden sein können und ihr Leben meistern.
Kommen wir nun zu den anfänglich angekündigten Entscheidungen ;). Ich denke schon so ziemlich die ganze Zeit meines Aufenthaltes darüber nach, inwiefern ich hier wirklich sinnvoll und gewinnbringend – sowohl für mich als auch für die Mädels hier – meine Zeit verbringe. Es stellte und stellt sich heraus, dass statt der eigentlich geplanten 4 Monate, also bis Ende August, definitiv 2 Monate völlig ausreichend sind, dass ich hier alles sehen, kennenlernen, fühlen, betrachten, bewerten und in mir aufnehmen kann, ebenso, dass ich den Mädels das mitgeben kann, was ich ihnen beibringen könnte. Ich will nicht noch weitere zwei Monate (auch wenn das Wetter sicherlich dann doch irgendwann mal sowas wie sommerlich werden wird) hier meine Tage irgendwie sinnvoll rumbringen müssen, bis ich dann abends drei Stunden mit den Mädels verbringen kann. Und ich will mich nicht mehr länger über fragwürdige Erziehungsmethoden, frierende und kranke Kinder, Bedbugs, zu spät kommende Obermönche, unorganisierte Mitarbeiter, verdreckte und vermüllte Stadtstraßen, stinkende und umweltverpestende Auspuffgase und eine schreiende Tashi ärgern müssen. Manchmal müssen Pläne eben geändert werden -also habe ich beschlossen, mein Projekt früher zu beenden und Ende Juni hier das Feld zu räumen. Eigentlich wollte ich ja nach meinem Aufenthalt hier noch für ein paar Wochen Indien bereisen und anschauen – im Juli und August ist allerdings Regenzeit in ganz Indien außer Ladakh, also dem nördlichsten Bergzipfel, wo ich grad bin. Das heißt, es regnet beinahe täglich unheimlich viel, und das bei sehr hohen Temperaturen, so dass eine Art Dampfsauna-Klima herrscht. Nicht so ideal also. Im September ist im Grunde auch noch Regenzeit, aber es lässt schon sehr nach und es regnet nicht mehr permanent und ab Oktober beginnt dann erst die eigentliche Reisesaison für Indien, mit trockenem und angenehm warmem Wetter, weshalb ich eben bis Ende August hier bleiben wollte. Ich will nun nicht hierbleiben und ich will nicht in einer dauernassen Dampfsauna Indien angucken. Also komm ich einfach heim! :) Und freu mich ganz wahnsinnig sehr darüber und weiß, dass das die richtige Entscheidung ist.
Ich bleibe jetzt noch zweieinhalb Wochen, also bis Ende Juni, hier im Mahabodhi und seh mal zu, die Zeit noch so sinnvoll und gewinnbringend wie möglich zu verbringen. Dann ziehe ich um nach Leh, wohne da ein paar Tage und mach von dort aus vielleicht noch ein paar Ausflüge in die nähere Umgebung. Und dann geht’s per Bus auf nach Delhi. Sind um die 1000km oder so. Werde mir schön Zeit lassen und mir auf dem Weg dahin alles angucken. Und dann komm ich heim, am 26. Juli geht der Flieger! Ich freu mich soo! Rest-Indien wird dann eben irgendwann später und zur richtigen Zeit mal angeschaut!
So. Das war ein Rekord-Blog-Eintrag :D. Liebste Grüße nach Daheim!
Mir fällt es heut ein bisschen schwer, die richtigen Worte zu finden, weil ich so viel mitteilen möchte… Neben durchaus auch beeindruckenden Beobachtungen ausm Girsl Hostel sind es heute vor allem die vielen negativen Dinge, die mir hier auffallen, die mich ärgern, die mir aufstoßen, die ich nicht ändern kann, die ich tolerieren muss… die auch dazu beitragen, dass ich Entscheidungen getroffen hab und die ich versuche, hier anzuschneiden, weil sie genauso zu meinen Erlebnissen gehören, wie all die tollen und angenehmen Dinge, die schon erleben und erfahren durfte.
Mein Tagesablauf hat sich nicht großartig verändert, seitdem ich im Hostel wohne. Meditieren und Yoga fiel die letzte Woche erstmal aus, weil eben diese 3-Tages-Kurse anliefen, die eigentlich nur für zahlende Gäste gedacht sind. Habe aber nun Sondererlaubnis und darf früh die erste Session Meditation und Yoga mitmachen – die sogar schon 5.30 Uhr startet und nicht 6.30 Uhr wie bisher. Allerdings kam ich vorgestern (der erste Tag des momentanen Kurses) wegen böser Kopfschmerzen und vorübergehendem Bauchgrimmen früh nicht aus den Federn und gestern wachte ich wieder mit nem geschwollenen Unterarm (diesmal der rechte) nach nächtlicher Bedbug-Attacke auf. Drum hab ich den dritten Tag heut auch sausen lassen, um die nicht-reden-dürfenden Kursteilnehmer nicht mit meiner plötzlichen Anwesenheit zu verwirren ;).
Frühstück gibt’s im Hostel um 7 Uhr. Die Mädels stehen schon 5.30 Uhr auf – ich hab letzte Woche einmal auch das Morgenprogramm der Mädels mitgemacht, mich dann aber aufgrund meiner gesundheitlichen Situation an den folgenden Tagen fürs „Ausschlafen“ bis 6.30 Uhr entschieden… ;) . Also: ab 5.45 Uhr is ne halbe Stunde Morgensport angesagt (ne Runde ums Gelände „joggen“, was eher ein unambitioniertes Vorsichhinstolpern ist – is aber auch kein Wunder, da die meisten gar keine Turnschuh haben, sondern diese Schaumstoff-Pantoffeln tragen…, und bissl Gymnastik), dann ne halbe Stunde Morgen-Buddha-Anbetung, was man sich folgendermaßen vorstellen muss: Im Hof werden dünne Teppiche ausgerollt. Darauf sitzen dann alle 120 Mädels in Reihen (man beachte: die haben gerade Sport gemacht, tragen einen dünnen Jogginganzug, sind barfuß oder mit löchrigen dünnen Söckchen, haben kein Kissen unterm Hintern, es sind um die 5 Grad… also ICH weiß, warum die alle krank sind…) und singen die Buddha-Mantra-Gesänge, die ich mittlerweile sogar mitsummen kann :), beim Text auf Ladakhi haperts dann aber doch noch… ;). Dann wird ein paar Minuten meditiert – allerdings nicht mit anleitenden sanften Worten von einem Mönch oder jemandem, der sich damit auskennt, sondern mit befehlenden harschen Worten von Tashi (die Hostel-Verantwortliche) im Militärston. Also mir fiel es schwer, unter dem Befehl „Close your eyes!!!“ eine entspannte, harmonische innere Haltung zum Meditieren zu finden…
Tashis Umgang und Umgangston mit den Mädchen ist in meinen Augen generell anzuzweifeln. Dieser Militärston (erhobene, laute, oft schreiende Stimme) ist ihr normaler Ton mit den Mädels zu sprechen. Sie ist auch der Meinung, dass die einzige Möglichkeit, mit den Mädels zurechtzukommen und respektiert zu werden, die ist, dass die Mädels Angst vor ihr haben… Wenn es während der Meditation so aussieht, als würde ein Mädchen grad am Einnicken sein (und das passiert bei den kleinen Mäusen hin und wieder – ich mein, manche sind grade mal 4 oder 5 und müssen früh um sechs ne halbe Stunde draußen sitzen und beten!), kriegen sie nen Tritt oder eins mit nem Stock über die Hände gezogen… Unglaublich, aber wahr. Oder eine andere Szene, als ne Reihe von Mädels, große wie kleine, 10 min zu spät zum Frühstück in die Essenshalle kamen – Tashi wartete an der Tür und verpasste jeder nen heftigen Fausthieb auf den Rücken zur Strafe. Die großen lachten drüber, die Kleinen rieben sich die schmerzende Stelle... Die Tatsache, dass niemand versucht, diese Methoden vor meinen Augen zu verstecken, ist ja Beweis dafür, dass sie das völlig normal finden und sich nicht darüber bewusst sind, dass die Zeiten, wo man körperliche Züchtigung anwendet, lange vorbei sind. Naja, zumindest eben bei uns… Auf meine Nachfrage bei Dechen hin (einer Lehrerin, mit der ich mich sehr gut verstehe), ob das wirklich nötig und angemessen sei, erklärte sie, dass es in der Schule den Lehrern zwar verboten sei, mit dem Stock zu schlagen, aber im Hostel sei es normal – ebenso wie innerhalb der Familien, die hier in Ladakh wohnen. Eltern würden ihre Kinder noch viel härter rannehmen. Als ich fragte, was der Obermönch dazu sagt – weil, ähm – Buddhismus und Kinder schlagen?!? Wie bitteschön verträgt sich das?! – räumte sie ein, dass er eigentlich sagt, dass nirgendwo geschlagen werden soll und darf. Aber da hält sich halt keiner dran. Und wahrscheinlich weiß er das auch. Keine Ahnung….
Zum Frühstück gibt’s für die Kinder meist das gleiche, was es auch zum Mittag oder Abendessen geben könnte: Also Reis mit Gemüse, ladakhische Suppe oder so dünne Brotfladen (sehen aus wie Tortillas, aus denen man Wraps macht, aber aus nem speziellen Teig) mit Gemüse. Für mich gibt’s immer diese Brotfladen mit Butter und Sonntags auch schonmal ein Rührei dazu :). Letzte Woche gabs aber sogar auch mal Weißbrot mit nem Klecks Marmelade – auch für die Kinder! Dazu gibt’s Tee – schwarz mit dicker Kondensmilch und viiiiel Zucker. Lecker! :) Den ladakhischen Buttertee (Schwarztee mit Butter und Salz!) hab ich nach einmal Kosten nie wieder angerührt – bäh! Nach dem Frühstück ist dann Zeit bis 9 Uhr, da sammeln sich dann alle im Hof und machen sich auf den Weg zur Schule (ist ein kurzer Fußmarsch von 10 Minuten). Bis dahin macht jeder so sein Zeug – Haarewaschen, Wäschewaschen, Hausaufgaben, Zimmer und Flure auskehren, Zöpfe flechten usw. Fast alle Wasch- und Körperhygiene-Tätigkeiten finden übrigens draußen in nem (immerhin) überdachten Waschraum mit eiskaltem Wasser statt. Ein bis zweimal die Woche wird Ganzkörper-geduscht, das dann immerhin drinnen in kleinen Duschräumen. Das ist wirklich sehr beeindruckend, wie die Mädels früh um acht bei bösester Kälte barfuß in der Waschecke hocken und sich die langen schwarzen Haare mit Eiswasser waschen *brrrrrrrrr*. So, und dann ist Schule angesagt - erst halb fünf finden sich die Mädels wieder alle im Hostel ein. Ich hab also jeden Tag bis halb fünf Zeit für mich. Mit Wäsche waschen per Hand geht schonmal viel Zeit rum. Auch den Teppich im Zimmer ein bisschen sauberer zu machen braucht gut Zeit, da es dafür eine Art Bürste in einer Plastikschachtel gibt, mit der man dann das ganze Zimmer auf Knien durchrutscht und den Teppich abbürstet :D. Die meiste Zeit verbring ich alerdings lesend, spazierend oder am PC – entweder im schönen Guesthouse-Garten, wo ich grad auch sitze, oder im Office, wenn das Wetter mal wieder bescheiden ist (wie die letzten 5 Tage…). Das Internet funktioniert zur Zeit immer nur manchmal, mit Ausnahme von Skype, das findet fast immer einen Weg in die Welt :D. Bin immernoch beschäftigt mit meinem Auftrag, das schwarze Brett fürs Altenheim zu gestalten. Weil entweder das Wetter nie passte und/oder Lhamo nie da war hat es bis letzten Samstag gedauert, endlich mal das Foto-Projekt durchzuziehen. Das war ein Spaß :) - alle 30 Altenheimbewohner, davon einige auch geistig behindert, vor die Linse zu bekommen und sie dazu zu animieren, ein freundliches Gesicht zu machen – herrlich! :) Mittag gibt’s dann um 13 Uhr. Ess ich aber nicht mit im Hostel, sondern im Office, wo eigentlich auch die Australier anzutreffen sind. Als die nicht da waren, musste ich mich nun allein mit dem total freakigen indischen Typen unterhalten. Ein Typ Mitte vierzig, alleinstehend, aus Delhi, der hier zwei Monate als Lehrer gearbeitet hat (ist gestern überraschend und plötzlich abgereist). Und einer von der Sorte Mensch, der einem ungefragt Dinge von sich erzählt, die man gar nicht wissen will. Dabei fuchtelte er einem beim Reden immer mit beiden Händen so nahe vorm Gesicht rum, dass man ernstlich besorgt um sein Augenlicht war… Aber irgendwie war er auch ein bisschen niedlich und amüsant und ich war immer gespannt, was er mir heute erzählen mag. Eine unserer Unterhaltungen endete schließlich bei seiner völlig ernstgemeinten Feststellung, dass Hitler ein total cooler Typ war, der damals alles richtig gemacht hat und sein Ziel, die Welt zu beherrschen, doch wirklich sehr beeindruckend und beachtenswert sei. Er habe nur einen Fehler gemacht: Selbstmord begangen zu haben. Aha. Is klar. Ziemlich aufgebracht hab ich dann vergeblich versucht, ihm das auszureden und ihm schließlich ans Herz gelegt, diese Meinung nicht allzu laut zu vertreten, falls er mal nach Deutschland kommen sollte… *kopfschüttel*
Von 17 bis 18.30 Uhr haben die Kleinen bis zur 4. Klasse dann Study-Time, als Hausaufgaben-Stunde, die ich jetzt immer mit betreue. Das macht unheimlich Spaß, weil die Kleinen ganz verrückt drauf sind, mir aus ihren Lesebüchern vorzulesen, Gedichte oder Zahlen oder das Alphabet aufzusagen. Ich muss oft die Aussprache berichtigen, aber da sind sie sehr aufmerksam und lernwillig. Ich denke, wir machen schon Fortschritte ;). Wirklich verstehen können mich die Kleinen allerdings nicht, dazu ist das Englisch noch zu schwach. Is aber auch krass, was die alles parallel lernen: Ihre Muttersprache Ladakhi, die tibetische Schriftzeichen benutzt, dann Hindi mit Hindi-Schriftzeichen und dazu noch Englisch! Wenn man so unmittelbar unter den Kinderlein sitzt, bekommt man leider auch die olfaktorische Information, dass sie sich tatsächlich nur einmal die Woche waschen und Wäsche wechseln… Außerdem läuft bei allen Kleinen permanent der Rotz aus der Nase…
Danach halte ich dann ne Stunde für die größeren Mädels ab der 5. Klasse, jeden Wochentag ne andere Klassenstufe. Wir machen ein paar Englisch-Übungen, besprechen Hausaufgaben oder ich bring ein bisschen Deutsch bei. Für die nächsten zwei Wochen bereite ich ein paar Power-Points über Deutschland vor. Die sind ganz verrückt auf Fotos :). Ja, und die verbleibende Zeit bis zum Abendessen wird aufm Hof mit den Kleinen gespielt (die Großen sind meist auf ihren Zimmern – im Übrigen schlafen mindestens 7 Mädchen in einem Zimmer, im Höchstfall 18). Weils abends immer ganz besonders kalt wird und Rumhängen aufm Hof fast unerträglich ist, plädiere ich immer für einen Spaziergang. Finden sie gut, die Mädels, und schlagen sich immer fast darum, wer an meiner Hand laufen darf ;). Um 20 Uhr dann endlich Abendessen (ich weiß nich, wie’s die Mädels machen, 7 Stunden ohne Nahrung so quietschfidel zu bleiben – ich muss nachmittags immer Bananen, Mangos und Kekse essen, um zu überleben) und nach bisschen lesen oder ner Serienfolge aufm Laptop geht’s in den Schlafsack. Irgendwo im Zimmer wohnen Bedbugs, das ist mal klar, auch wenn sie aus mir unerfindlichen Gründen bisher nur zweimal zugeschlagen haben, seit dem ich da wohne. Facebook-Leser wissen, dass letzte Woche mein linker Unterarm aufgrund zweier Bisse so angeschwollen war, dass ich meine Hand kaum mehr bewegen konnte. Irgendwie sah das nach allergischer Reaktion aus. Nach drei Tagen wars aber wieder gut und es gab keine neuen Bisse, weshalb ich schon zweifelte, obs wirklich Bedbugs waren. Hatte ja damals im Altenheim auch keine so krassen Reaktionen… Vorletzte Nacht dann der rechte Unterarm – ich bin nachts aufgewacht, weils juckte und hab auch sofort den Übeltäter entdeckt und getötet. Tut schön weh der Arm. Scheißmist. Wird aber nix dagegen unternommen von Seiten Tashis. Bett von der Wand wegrücken sollte helfen, weil die Viecher wohl aus der Holzdecke über die Wand aufs Bett kommen. Naja, dass das nicht hilft, ist nun bewiesen….
Im Hostel geht grad ne Magen-Darm-Seuche rum – derzeit liegen 10 Mädels flach, jeden Tag genesen welche und kommen wieder neue Krankheitsfälle dazu. Können einem echt nur leid tun die Mäuse, wenn man sie mit Leidensmine zum „Local-Klo“ und wieder zurück ins Bett schlurfen sieht. Das Local-Klo ist ein Klo, wie es die Locals, also die Einheimischen benutzen: ein Natur-Klo, was nur aus einem Loch im Boden besteht, drunter formieren sich die Verdauungs-Restbestände zu einem großen Haufen. Der dolle stinkt. Ich weiß echt nicht und traue mich nicht zu fragen, wie die das dort machen – Inder benutzen ja generell kein Klopapier, sondern Wasser (neben der Toilette ist immer ein kleiner Wasserhahn angebracht und es gibt nen Eimer mit Schöpfkanne). Aber diese Natur-Klos sind eben wirklich nur Löcher – ohne Wasser, ohne Papier. Und die Kinder nehmen definitiv nix mit, wenn sie das Örtchen aufsuchen, ich hab das beobachtet ;). Nun stelle man sich vor, man hat Durchfall… Ich muss doch mal nachfragen...das beschäftigt mich schon die ganze Zeit :D.
In meinem Bad gibt’s übrigens sogar ne richtige Sitztoilette mit ganz normaler Wasserspülung. Und theoretisch wäre auch hier warmes Wasser ausm Wasserhahn möglich – wenn der Boiler nicht kaputt wär (wie im Volunteerhaus, wo ich vorher gewohnt hab). Klar haben die hier wirklich nicht viel Geld, bestimmt gibt’s auch wichtigere Dinge, als kaputte Boiler zu reparieren. Und klar leben die Menschen hier einfach noch ein anderes Leben, auch wenn die moderne westliche Welt natürlich überall ihre Einflüsse zeigt. Dass eher „rückständige“ Länder oder Bewohner mit modernen Errungenschaften dann oft nicht umgehen können, beweisen ja viele Beispiele. Hier zeigt es sich darin, dass kein Wert drauf gelegt wird, die einmal vorhandenen Dinge zu hegen und zu pflegen. Da spendiert eine deutsche Firma eine komplette Solaranlage fürs Girls-Hostel, damit sie jederzeit Wasser warm machen können – und dann gibt diese wenige Wochen nach Inbetriebnahme (is schon paar Jahre her jetzt) den Geist auf, weil die Batterieneinfach nicht ordnungsgemäß Instand gehalten wurden. Isse halt kaputt, die zigtausend Euro teure Solaranlage. Das ist eben wirklich eine andere Mentalität und ich kann nichts dran ändern, muss das so hinnehmen und die Leute ihr Leben so leben lassen – und das kann ich auch, weil ich ja weiß, dass ich hier nicht ewig bleiben und leben muss, sondern bald wieder weg bin. Aber aufstoßen tut es mir und ich ärgere mich deshalb, weil die armen Mädchen drunter leiden müssen. Auch wenn sie wahrscheinlich nicht wirklich drunter leiden, weil sies nicht groß anders kennen. Aber es ist eben NICHT so, dass versucht wird, aus den geringen vorhandenen Mitteln das Beste zu machen. Wenn dem so wäre, würde wahrscheinlich meine Bewunderung darüber überwiegen, dass die Mädels mit so wenig doch so zufrieden sein können und ihr Leben meistern.
Kommen wir nun zu den anfänglich angekündigten Entscheidungen ;). Ich denke schon so ziemlich die ganze Zeit meines Aufenthaltes darüber nach, inwiefern ich hier wirklich sinnvoll und gewinnbringend – sowohl für mich als auch für die Mädels hier – meine Zeit verbringe. Es stellte und stellt sich heraus, dass statt der eigentlich geplanten 4 Monate, also bis Ende August, definitiv 2 Monate völlig ausreichend sind, dass ich hier alles sehen, kennenlernen, fühlen, betrachten, bewerten und in mir aufnehmen kann, ebenso, dass ich den Mädels das mitgeben kann, was ich ihnen beibringen könnte. Ich will nicht noch weitere zwei Monate (auch wenn das Wetter sicherlich dann doch irgendwann mal sowas wie sommerlich werden wird) hier meine Tage irgendwie sinnvoll rumbringen müssen, bis ich dann abends drei Stunden mit den Mädels verbringen kann. Und ich will mich nicht mehr länger über fragwürdige Erziehungsmethoden, frierende und kranke Kinder, Bedbugs, zu spät kommende Obermönche, unorganisierte Mitarbeiter, verdreckte und vermüllte Stadtstraßen, stinkende und umweltverpestende Auspuffgase und eine schreiende Tashi ärgern müssen. Manchmal müssen Pläne eben geändert werden -also habe ich beschlossen, mein Projekt früher zu beenden und Ende Juni hier das Feld zu räumen. Eigentlich wollte ich ja nach meinem Aufenthalt hier noch für ein paar Wochen Indien bereisen und anschauen – im Juli und August ist allerdings Regenzeit in ganz Indien außer Ladakh, also dem nördlichsten Bergzipfel, wo ich grad bin. Das heißt, es regnet beinahe täglich unheimlich viel, und das bei sehr hohen Temperaturen, so dass eine Art Dampfsauna-Klima herrscht. Nicht so ideal also. Im September ist im Grunde auch noch Regenzeit, aber es lässt schon sehr nach und es regnet nicht mehr permanent und ab Oktober beginnt dann erst die eigentliche Reisesaison für Indien, mit trockenem und angenehm warmem Wetter, weshalb ich eben bis Ende August hier bleiben wollte. Ich will nun nicht hierbleiben und ich will nicht in einer dauernassen Dampfsauna Indien angucken. Also komm ich einfach heim! :) Und freu mich ganz wahnsinnig sehr darüber und weiß, dass das die richtige Entscheidung ist.
Ich bleibe jetzt noch zweieinhalb Wochen, also bis Ende Juni, hier im Mahabodhi und seh mal zu, die Zeit noch so sinnvoll und gewinnbringend wie möglich zu verbringen. Dann ziehe ich um nach Leh, wohne da ein paar Tage und mach von dort aus vielleicht noch ein paar Ausflüge in die nähere Umgebung. Und dann geht’s per Bus auf nach Delhi. Sind um die 1000km oder so. Werde mir schön Zeit lassen und mir auf dem Weg dahin alles angucken. Und dann komm ich heim, am 26. Juli geht der Flieger! Ich freu mich soo! Rest-Indien wird dann eben irgendwann später und zur richtigen Zeit mal angeschaut!
So. Das war ein Rekord-Blog-Eintrag :D. Liebste Grüße nach Daheim!
Mittwoch, 2. Juni 2010
Buddha überall.
Jolay liebe Mitlesende :) ! Dienstag ist‘s heut schon wieder und der erste Juli (okay, jetzt ists schon wieder Mittwoch, weil gestern das Netz schon wieder im Eimer war ;) - und natürlich ist's erst Juni...danke Martin und Fränz ;)). Verrückt. Die Zeit vergeht recht flott mittlerweile, was wohl dem geschuldet ist, dass die letzten Tage immer was Nettes zu unternehmen anstand. :).
Letzten Donnerstag wurde ja hier Buddhas Geburtstag gefeiert, und zwar mit einem bunten Festumzug durch Leh. Die Schüler aller Schulen hatten schulfrei und zogen in ihren Schuluniformen in einem eeeewig langen Marsch durch die Stadt, hoch zum Leh Palace und zu nem Kloster und wieder zurück, dazwischen gabs hübsch geschmückte Lastwagen mit kostümierten Kindern, die Szenen aus Buddhas Leben nachstellten. Hannah und ich sind ein Stück mit marschiert, kamen uns dann allerdings blöd dabei vor, von Touristen wie unsereins, die am Straßenrand standen, angeguckt und fotografiert zu werden… :D… und haben uns beizeiten unauffällig abgesetzt. Sind Kaffeetrinken und Kuchenessen gegangen (schon ein paar Tage alt gewesen die Backwaren, aber dennoch lecker) und sind dann später wieder zum Event dazugestoßen, als der Umzug 2h später auf dem Festplatz ankam. Dort gabs dann auf ner Riesenbühne mit Riesenpublikum ein Programm aus laaaaang(weilig)en Reden (weil auf Ladakhi) und sehr unterhaltsamen traditionellen Tänzen und Gesängen in ebenso traditioneller Kleidung. Als unsre Schulmädels dann endlich dran waren mit ihrem Lied haben wir uns dann aber auch wieder verdrückt, weil ein übler Sturm mit Windhosen und Regen und Sandwirbelungen aufgezogen war und wir uns den A**** abfroren. Sind sehr lecker indisch Mittagessen gegangen (kostet nicht mehr als ein Mensa-Essen und man ist für den Rest des Tages pappsatt) – natürlich ohne Reis als Beilage, sondern mit leckerem Naan, einem dünnen ausgebackenen Fladenbrot, was es in allen möglichen Varianten mit Käse, Knoblauch, Butter usw. gibt. Danach noch ein bisschen shoppen, Kühe begucken und per Taxi wieder heim. Freitags gabs dann noch einen dreistündigen „Buddha-Dienst“, genannt Puja, der ja sonst auch immer sonntags stattfindet, um nochmal Geburtstag zu feiern. Himmel, das war vielleicht anstrengend – nicht nur, dass es um zwei anfangen sollte und es tatsächlich erst kurz vor drei anfing, weil der Obermönch halt einfach später kam - so dass wir 4 Stunden (!) dort gesessen haben (natürlich nicht ausschließlich im Schneidersitz, das krieg ich nach wie vor sooo lange dann doch nicht hin ;)). Auch anstrengend war, dass der Obermönch diesmal nur in Ladakhi sprach (war ja quasi Weihnachts-Gottesdienst, da isses schon wichtig, dass alle verstehen, was er sagt und die wenigsten können wirklich gut Englisch) und wir quasi 4 Stunden blablabla ausgesetzt waren…naja, und zwischendrin einfach abhauen wär nun auch nicht besonders höflich gewesen. Also Augen zu und über was Schönes nachgedacht und abwarten. Ich möchte behaupten, die tägliche Meditationsübung zeigt schon erste Erfolge bezüglich Geduld und Gleichmut ;).
Am Samstag gab‘s dann noch einen letzten Ausflug gemeinsam mit Hannah, nämlich zum berühmtesten und größten Kloster hier in der Nähe in Hemis und noch einem anderen Kloster auf dem Weg dahin. Tashi, die Girls Hostel-„Vorsteherin“ und eine Freundin von ihr begleiteten uns, was cool war, denn einer ihrer vielen Brüder (7 Geschwister hat sie insgesamt, relativ normal hier) ist Mönch geworden und führte uns im Kloster rum und lud uns noch zum Tee ein :). Die Klöster hier sind wirklich toll – alle hoch oben in den Bergen oder direkt auf ner Bergspitze gebaut, in großer Farbenpracht, meist mit ner Ausstellung historischer Gegenstände und Kostbarkeiten aus der Region und dann die Gebetsräume! Mit riiiiisiegen Buddha-Stauen und sehr sehr alten Gemälden, Masken und kleinen buddhaähnlichen Statuen in gläsernen Schreinen. Und immer liegen Opfergaben wie Geldscheine, Saft-Tetrapacks oder Cola-Flaschen, viel Obst und Nüsse (was die Mönche nach ein paar Tagen verspeisen dürfen) aber auch schonmal ein Haarreifen oder Ohrschmuck auf den Altaren. Was die Mönche wohl damit machen mögen…
Gestern ganz früh haben wir Hannah zum Flughafen gebracht – sie dürfte jetzt mittlerweile daheim angekommen sein und Erdbeeren essen können. Ich bin wiedermal umgezogen, nun endlich an meinen eigentlichen „Arbeitsplatz“, das Girls Hostel. Das Zimmer ist recht finster und kühl, weil es nur zum (immerhin verglasten) Flur raus Fenster hat, aber es ist gemütlich da drin und es ist schön, mitten unter den Mädels zu wohnen und so am Girls-Alltag teilhaben zu können. Nachher geht’s zur Hausaufgaben-Hilfe für die Kleineren, danach eine Stunde quatschen mit den Älteren und dann Spielen mit denen, die Lust haben, bis zum Abendessen :).
Wettertechnisch macht man hier ganz schön was mit. Nachdem es letzten Freitag sogar kurz schneite, ist seit Sonntag sehr nettes Wetter gewesen – gestern hat die Sonne den ganzen Tag so geknallt, dass ich sogar nen leichten Sonnenbrand im Gesicht hab – trotz Sonnencreme! Warm ist’s aber trotzdem nicht, nur, wenn man sich unmittelbar in der Sonne aufhält. Die Luft hat geschätzterweise um die 8 Grad oder so… Im Moment zieht der Himmel schon wieder komplett zu und die Bäume biegen sich im Sturm… :(
Alles Liebe nach zu Hause, wo ja der Sommer auch nicht so richtig Einzug halten mag, wie ich lese…
Letzten Donnerstag wurde ja hier Buddhas Geburtstag gefeiert, und zwar mit einem bunten Festumzug durch Leh. Die Schüler aller Schulen hatten schulfrei und zogen in ihren Schuluniformen in einem eeeewig langen Marsch durch die Stadt, hoch zum Leh Palace und zu nem Kloster und wieder zurück, dazwischen gabs hübsch geschmückte Lastwagen mit kostümierten Kindern, die Szenen aus Buddhas Leben nachstellten. Hannah und ich sind ein Stück mit marschiert, kamen uns dann allerdings blöd dabei vor, von Touristen wie unsereins, die am Straßenrand standen, angeguckt und fotografiert zu werden… :D… und haben uns beizeiten unauffällig abgesetzt. Sind Kaffeetrinken und Kuchenessen gegangen (schon ein paar Tage alt gewesen die Backwaren, aber dennoch lecker) und sind dann später wieder zum Event dazugestoßen, als der Umzug 2h später auf dem Festplatz ankam. Dort gabs dann auf ner Riesenbühne mit Riesenpublikum ein Programm aus laaaaang(weilig)en Reden (weil auf Ladakhi) und sehr unterhaltsamen traditionellen Tänzen und Gesängen in ebenso traditioneller Kleidung. Als unsre Schulmädels dann endlich dran waren mit ihrem Lied haben wir uns dann aber auch wieder verdrückt, weil ein übler Sturm mit Windhosen und Regen und Sandwirbelungen aufgezogen war und wir uns den A**** abfroren. Sind sehr lecker indisch Mittagessen gegangen (kostet nicht mehr als ein Mensa-Essen und man ist für den Rest des Tages pappsatt) – natürlich ohne Reis als Beilage, sondern mit leckerem Naan, einem dünnen ausgebackenen Fladenbrot, was es in allen möglichen Varianten mit Käse, Knoblauch, Butter usw. gibt. Danach noch ein bisschen shoppen, Kühe begucken und per Taxi wieder heim. Freitags gabs dann noch einen dreistündigen „Buddha-Dienst“, genannt Puja, der ja sonst auch immer sonntags stattfindet, um nochmal Geburtstag zu feiern. Himmel, das war vielleicht anstrengend – nicht nur, dass es um zwei anfangen sollte und es tatsächlich erst kurz vor drei anfing, weil der Obermönch halt einfach später kam - so dass wir 4 Stunden (!) dort gesessen haben (natürlich nicht ausschließlich im Schneidersitz, das krieg ich nach wie vor sooo lange dann doch nicht hin ;)). Auch anstrengend war, dass der Obermönch diesmal nur in Ladakhi sprach (war ja quasi Weihnachts-Gottesdienst, da isses schon wichtig, dass alle verstehen, was er sagt und die wenigsten können wirklich gut Englisch) und wir quasi 4 Stunden blablabla ausgesetzt waren…naja, und zwischendrin einfach abhauen wär nun auch nicht besonders höflich gewesen. Also Augen zu und über was Schönes nachgedacht und abwarten. Ich möchte behaupten, die tägliche Meditationsübung zeigt schon erste Erfolge bezüglich Geduld und Gleichmut ;).
Am Samstag gab‘s dann noch einen letzten Ausflug gemeinsam mit Hannah, nämlich zum berühmtesten und größten Kloster hier in der Nähe in Hemis und noch einem anderen Kloster auf dem Weg dahin. Tashi, die Girls Hostel-„Vorsteherin“ und eine Freundin von ihr begleiteten uns, was cool war, denn einer ihrer vielen Brüder (7 Geschwister hat sie insgesamt, relativ normal hier) ist Mönch geworden und führte uns im Kloster rum und lud uns noch zum Tee ein :). Die Klöster hier sind wirklich toll – alle hoch oben in den Bergen oder direkt auf ner Bergspitze gebaut, in großer Farbenpracht, meist mit ner Ausstellung historischer Gegenstände und Kostbarkeiten aus der Region und dann die Gebetsräume! Mit riiiiisiegen Buddha-Stauen und sehr sehr alten Gemälden, Masken und kleinen buddhaähnlichen Statuen in gläsernen Schreinen. Und immer liegen Opfergaben wie Geldscheine, Saft-Tetrapacks oder Cola-Flaschen, viel Obst und Nüsse (was die Mönche nach ein paar Tagen verspeisen dürfen) aber auch schonmal ein Haarreifen oder Ohrschmuck auf den Altaren. Was die Mönche wohl damit machen mögen…
Gestern ganz früh haben wir Hannah zum Flughafen gebracht – sie dürfte jetzt mittlerweile daheim angekommen sein und Erdbeeren essen können. Ich bin wiedermal umgezogen, nun endlich an meinen eigentlichen „Arbeitsplatz“, das Girls Hostel. Das Zimmer ist recht finster und kühl, weil es nur zum (immerhin verglasten) Flur raus Fenster hat, aber es ist gemütlich da drin und es ist schön, mitten unter den Mädels zu wohnen und so am Girls-Alltag teilhaben zu können. Nachher geht’s zur Hausaufgaben-Hilfe für die Kleineren, danach eine Stunde quatschen mit den Älteren und dann Spielen mit denen, die Lust haben, bis zum Abendessen :).
Wettertechnisch macht man hier ganz schön was mit. Nachdem es letzten Freitag sogar kurz schneite, ist seit Sonntag sehr nettes Wetter gewesen – gestern hat die Sonne den ganzen Tag so geknallt, dass ich sogar nen leichten Sonnenbrand im Gesicht hab – trotz Sonnencreme! Warm ist’s aber trotzdem nicht, nur, wenn man sich unmittelbar in der Sonne aufhält. Die Luft hat geschätzterweise um die 8 Grad oder so… Im Moment zieht der Himmel schon wieder komplett zu und die Bäume biegen sich im Sturm… :(
Alles Liebe nach zu Hause, wo ja der Sommer auch nicht so richtig Einzug halten mag, wie ich lese…
Abonnieren
Posts (Atom)







