Freitag, 28. Mai 2010

Vorübergehender Frühling...

Der nachfolgende Bericht stammt eigentlich von Dienstag und Mittwoch - leider geht erst seit heute das Internet wieder, weshalb die News quasi nicht mehr ganz taufrisch sind ;):

Es ist Mittags halb zwei, ich komme gerade vom Essen im Girls Hostel (es gab Reis mit Linsen-Dahl und einem grünblättrigen, spinatähnlichen Gemüse) und sitze im Office-Gebäude im Flur (der nach außen hin komplett verglast ist – dafür haben die Räume selbst nur Fenster zum Flur, keine nach draußen). Der Strom ist noch aus, weshalb das Internet auch noch nicht wieder geht – gibt mir Gelegenheit, euch mal wieder ein paar Zeilen niederzuschreiben und nicht die ganze Zeit rumzusurfen ;). Das Wetter scheint es sich langsam anders zu überlegen – zumindest zeitweise. Letzte Wochen wechselten sich äußerst dunkle, stürmische, verregnete und eiskalte Tage mit angenehmen Sonnentagen ab. Heut und gestern sind zum Glück solche Sonnentage – ein paar Wölkchen hängen zwar über den Bergen und es weht ein Lüftchen, aber es ist sehr mild und die Sonne knallt aufs Gesicht (das immer brav mit Sonnenmilch behandelt wird, bevor es raus geht ;)).

Letzte Woche hat der kleine Laden hier aufm Gelände aufgemacht – da gibt’s jetzt auch zwischendurch mal einen Keks oder nen Schokoriegel zu kaufen, was prima ist, weil man so nicht verleitet ist, sich größere Vorräte in der Stadt zu besorgen. Dahin sind wir letzte Woche schon wieder zweimal gefahren. Einmal zum Sightseeing und Nudelnessen und einmal zum Shoppen mit Khunzang, unserer Yoga-Lehrerin, die ja Einheimische ist und die besseren Preise aushandeln kann als wir Bleichgesichter :). Hannah und ich haben uns vom Taxi zur sogenannten Stupa fahren lassen, die hoch oben über der Stadt thront. Stupas sind in ihrer Größe variierende aus Steinen und Mörtelzeugs errichtete, religiöse Gebets-Orte, die  meistens um die 3m hoch und schlicht weiß getüncht sind. Oft stehen drei oder mehr nebeneinander. Die Stupa über Leh ist ein ganz besonders prachtvolles und riesiges Exemplar, was man per Treppe besteigen kann, um die hübschen Bemalungen anzuschauen und den Ausblick zu genießen . Rückwärts und in die Stadt gings zu Fuß – eine endlose Treppe den Berg hinunter - ich hab jetzt noch Wadenschmerzen – aber der Ausblick bei allerfeinstem Sonnenwetter wars wert. Beim Nudelnessen gabs einen kurzen Schwatz mit einem Österreicher am Nachbartisch – den deutschen Akzent hört man eben doch meistens schnell raus ;). Der Obst-Einkauf musste diesmal ein bisschen bescheidener ausfallen – weils kaum noch was gab, da ja wegen des schlechten Wetters die Straßen gesperrt waren und keine Liefer-LKWs kommen konnten. Mittlerweile sieht man aber wieder Bananen an den Ständen hängen – es wird wohl doch Frühling ;).

Am Wochenende gabs dann doch noch einen kleinen Ausflug für Hannah und mich, und zwar ins 90km entfernte Tingmosgang, wo Mahabodhi (also die Organisation hier) auch eine Schule etabliert hat. Vielleicht noch kurz zur besseren Einordnung: Die ganze Anlage hier, das Mahabodhi International Meditation Center, wurde 1991 vom Obermönch Sanghasena gegründet. Zunächst nur mit Girls Hostel und Schule. Mittlerweile ist alles mächtig gewachsen: Im Girls und Boys Hostel wohnen jeweils um die 120 Kinder, es gibt noch Extra-Wohngebäude jeweils für die kleinen Mönche und Nonnen (ca. 18). Die Schule und der Kindergarten werden auch von außerhalb wohnenden Kindern besucht, die per gelbem Schulbus hergeschafft werden. Es gibt das Altenheim, ein Hospital, wo auch Ayoveda-Anwendungen angeboten werden, ein Gästehaus und schließlich das Meditationscenter, wo den Sommer über immer 3-tägige Meditationskurse für Touristen durchgeführt werden, die dort auch in Gästezimmern wohnen. Alles hier (mit Ausnahme des Meditationscenters, das trägt sich wohl durch die Touristen) basiert fast ausschließlich auf Zuwendungen vom Staat sowie und vorallem auf privaten Spenden von Firmen, Vereinen oder Privatpersonen und dies wiederrum vorallem aus Deutschland. Alle Bewohner der Hostels (Mädchen, Jungen, Nonnen, Mönche und Alte) und auch die Schulkinder von außerhalb haben „Sponsoren“, die deren Leben, bzw. Schulgeld bezahlen. Hannahs Vater hat zwei solche Patenkinder eben in Tingmosgang. Dort gibt’s keine Hostels, die Kinder wohnen ganz normal bei ihren Familien, können aber durch die Patenschaft die Schule besuchen und bekommen dort Schuluniform, Lehrmittel und Mittagessen gestellt. Und um die mitgebrachten Geschenke für die beiden Kinder abzuliefern und um uns das dort mal anzuschauen, sind wir von Sonntag auf Montag mit Khunzang und deren Freundin Stanzin dorthin gefahren. Khunzang war selbst mal Patenkind von Hannahs Vater und ist jetzt mit 24 und absolviertem Studium wieder hierher zurückgekehrt und arbeitet als Meditations- und Yogalehrerin auf dem Campus. Hin gings in 3 Stunden per Mini-Van-Taxi – wieder mal eine abenteuerliche Fahrt quer durch die Berge auf beängstigend schmalen Straßen mit Felswand rechts und Abgrund links vom Auto – aber mit herrlichen Aussichten auf den Indus-River, grüne Dörfer und natürlich Berglandschaften überall am Horizont. Tingmosgang selbst ist ein sehr großes, hauptsächlich an den Berg gebautes Dorf mit einer Serpentinen-Straße, in deren Kurven der Schulbus, der bis ganz nach oben ans Ende der Serpentinen-Straße zur Schule fährt, dreimal halten, rückwärtsrollen und neu einlenken muss. Gewohnt haben wir in Gästezimmern für Mahabodhi-Mitarbeiter – der Obermönch Sanghasena kommt nämlich aus diesem Dorf und sein älterer Bruder empfing uns. Da dort so selten jemand wohnt gabs kein Wasser im Bad, also haben wir Klospül-Wasser im Eimer vom Bach herangeschleppt. Naja, und gewaschen wird sich hier eh nur alle zwei Tage, das fiel Sonntag Abend also einfach mal aus ;). Montag wars (nach einem scheißkalten und verregneten Sonntag) endlich mal wieder herrlich warm und sonnig. Erst besuchten wir die Familie mit den Patenkindern, wo natürlich erstmal Tee getrunken und Kekse gegessen werden mussten (das muss so) und Hannah ihre Mitbringsel überreichte. Da die Kinder nur bröckchenweise Englisch verstehen, aber so gut wie nicht sprechen und die Eltern sowieso nur Ladakhi können, fiel die Konversation dann doch eher knapp aus. Die Lebensverhältnisse sind hier überall doch sehr bescheiden. Die Häuschen sind alle provisorisch selbst zusammengemauert, innen sehr dunkel, nackte Steinwände und Böden, manchmal mit schmutzigen Teppichen ausgelegt. Der Wohnraum hatte eine Ecke mit zwei Herdplatten, eine weitere Ecke mit Fernseher auf einer Kiste (der darf, genauso wie das Handy, allerdings niemals fehlen) und Teppichläufern als Sitzgelegenheit. Alles sehr schmutzig, staubig, dunkel und nicht besonders wohlriechend. Die Klamotten schmutzig, löchrig, unpassend. In unseren Augen ein ziemlich armes, klägliches Dasein. Sie wiederrum sind froh und glücklich, ein Haus und Land zu besitzen, auf dem sie jeden Tag hart arbeiten. Und dass ihre Kinder gesponsert werden und Bildung erhalten. Nach Familienfoto und herzlichen Jolays fuhren wir dann mit dem Schulbus hoch zur Schule – gut 30min und mit tausend Stops, um eine neue Reihe Kinder einzuladen, die beim Einsteigen im Chor riefen: „Good Morning Everone!“ Herrlich! :)

An der Schule empfing uns der Schulleiter freudigst, wir mussten Tee trinken und Kekse essen, haben alle Klassenräume angeschaut und den Unterricht kurz gestört. Die Kinder fandens super :). In unseren Augen sind auch die Schulräume nicht in einem Zustand, in dem man seine Kinder gerne lernen lassen würde. Alles ist schon alt, abgenutzt, teilweise kaputt, der Putz und Farbe bröckelt. Die Tische und Sitzbänke bestehen aus einem zusammenhängenden hölzernen Möbelstück – sehr schmal, kurz und ohne Lehne. Auf den unebenen Steinböden liegen zusammengeschusterte Teppiche, die total verdreckt und verstaubt sind. Es ist zugig und kalt in den Räumen, Heizungen gibt’s nicht und die Kinder tragen nur ihre Schuluniform ohne extra Jacke. Die Beschreibung passt auch genauso auf das Schulgebäude hier im Mahabodhi-Gelände. Doch: das ist normal  und ausreichend gut so – Hauptsache ist wohl, dass überhaupt Bildung, Kleidung und Essen ermöglicht wird. Ästhetik oder Wohlfühlumgebung ist da einfach westlicher Luxus… Zum Mittag wurden wir aufs leckerste und ausgiebigste verköstigt – zwar gabs auch wieder Reis, aber mit 6 verschiedenen Beilagen! Eine Art Joghurt, eine Art Tomatensalat, gekochte Eier in ner Soße, verschiedene Gemüse. Auf der anschließenden Heimfahrt (diesmal im Luxus-Jeep der Schule) hätte ich mir dann allerdings gewünscht, nicht ganz so sehr zugeschlagen zu haben – Kurven, Holperpisten und Bremsmanöver, weil sich zwei zu schnell fahrende Autos in einer blinden Kurve begegneten, schlagen dann doch auf den Magen… Blieb aber alles drin. Alles in allem ein einblickreicher Ausflug und vorallem mal wieder was anderes :).

Mittlerweile ist auch schon wieder Mittwoch und Hannah und ich genießen den herrlich warmen Nachmittag unter einem Baum im Innenhof des Gästehauses, der richtig schön hergerichtet ist – überall grünt und blüht es, es weht ein sanftes Lüftchen – ein prima Ort zum Seele baumeln lassen und Urlaub genießen :). Waren heut auch schon wieder auf einem Mini-Ausflug ins Nachbardorf Stok – dort gibt’s einen Palace, also der Wohnsitz der Königsfamilien damals, den wir uns angeschaut haben. Viel Schmuck, Gemälde, Gefäße, Buddhas und Gebetsräume. Sehr nett! :)

Im Übrigen muss ich noch erwähnen, was es hier für einen fantastischen Sternenhimmel gibt, wenn er nicht gerade mit Wolken vollhängt: so wie in Australien, wo ja die Nächte ähnlich wenig lichtverschmutzt sein dürften wie hier, gibt es millionenmal mehr Leuchtpunkte am Himmel zu sehen, als bei uns. Da ich ja mit im Girls Hostel esse, muss ich jeden Abend gegen 20.30Uhr wieder zurück zu meinem Wohnhaus spazieren – was ein ca. 7 Minuten Marsch ist und unheimlich genießbar, wenn der Himmel klar ist. :)

Die nächsten Tage werden auch interessant: Donnerstag und Freitag findet in Leh ein Festival statt – zu Ehren Buddhas, der am 27. Mai nämlich Geburtstag hat. Das wird wohl ein großes, buntes, fröhliches Straßenfest, wofür die Kinder hier schon seit geraumer Zeit ein traditionelles Lied einstudieren. Ein kleiner Lastwagen wurde auch schon mit Transparenten und Tüchern geschmückt – erinnert ein bisschen an Karneval. Wir sind gespannt!

Ansonsten kann ich auch noch einigermaßen Positives von meinem Gesundheitszustand berichten: der Hals tut nur noch manchmal weh, der Schnupfen ist allerdings immer noch da. Yoga am Morgen hält uns fit und geschmeidig. Die Haut nimmt die trockene Luft ein bisschen übel – da, wo man nicht ständig cremt, wird sie sehr trocken und spröde. Die jungen Frauen hier wie Khunzang oder Tashi, die Verantwortliche im Girls Hostel, sind alle erst 24 und sehen deutlich älter aus… :( Wird also eher kein Jungbrunnen für mich werden hier... Alles in allem geht’s mir aber wirklich gut. Die Tage vergehen trotz wenig zu tun dann doch schnell und mit zunehmenden Sonnentagen genieße ich die freie Zeit hier umso mehr, lese viel, mach mir Gedanken um meine Indien-Reiseroute und geh mit Hannah spazieren oder auch schon mal einen Berg erklimmen.

So viel für heute, der Laptop-Akku wird alle ;) Ihr seid hoffentlich alle wohlauf und zufrieden – ich will auch mal Neues aus Dresden bzw. Vonwoauchimmer hören! Ladakhische Grüße vom Berg! :)

Freitag, 21. Mai 2010

Off-Topic

Liebe Freunde. Die meisten unter euch haben das leidige Thema meiner Diplomiererei irgendwie mitbekommen oder waren meiner Jammerei diesbezüglich ausgesetzt. Der eine mehr, der andere weniger, aber ganz ohne ist glaub ich keiner davon gekommen… ;)
Da hab ich mich nun extra (naja, nicht ganz ;)) nach ganz weit oben in einen einsamen und entlegenen Winkel der indischen Himalayas verdrückt, um größtmögliche Distanz zu schaffen, um zu vergessen, um die Schwere der Bedeutsamkeit eines schlechten Studienabschlusses wegzumeditieren. ..Tja, und nun hat mein Aufenthaltsort eine neue Funktion bekommen: mich vor der direkten Konfrontation mit denen unter euch zu bewahren, die „es ja schon immer gewusst haben“ und die mich ob meiner unrealistischen Einschätzung und Bewertung des eigenen Schaffens jetzt gern einen Kopf kleiner machen wollen würden... ;)
Auch wenn ich angesichts der Benotung der festen Überzeugung bin, dass meine Arbeit von den Gutachtern maximal bis zur Hälfte gründlich gelesen worden sein kann und auch wenn ich unter einer vernünftigen wissenschaftlichen Abschlussarbeit was deutlich anderes verstehe und nach wie vor nicht stolz auf dieses Produkt bin: So bin ich doch seit gestern so ganz und gar offiziell eine Dipl. Psych. und freu mich ganz unglaublich wahnsinnig sehr, dass das Ganze dann doch nochmal glimpflich, um nicht zu sagen grandios, ausgegangen ist.

Und weil das alles so schön ist, sei hier der wichtigste Teil meiner Diplomarbeit zitiert:
„Danksagung.
(…)
Ich danke meiner Familie, meinen Eltern, meinen Großeltern, meinen Brüdern, Sindy, Anne und Dominic für ihre stets bedingungslose Unterstützung, Hilfe, Beistand, Liebe, Frohsinn, Gemütlichkeit und Halt.
Ich danke Steffi, Cindy, Franzi, Max, Karina, Georg, Kristin, Martin, Tobias, Peter, Anton, Rico, Nicole, Hendrik, Mathias, Daniel, Mark, Christin, Anja, Uta und Claudi für wahre Freundschaft, Motivation, Tröstung, Aufbau, Zurechtweisung, Selbstwertstärkung, körperlichen Ausgleich, ästhetische Genüsse, Ablenkung, Kreativitätsförderung, Gedanken, Träume, Halt, Gutzureden, Anmichglauben, Lachen, Lieben, Helfen, Dasein, Inruhelassen, Kochen, Trinken, Tanzen, Lesen, Ratschlägegeben, Diskutieren, Spekulieren und Bibliotheksgesellschaftleisten.“

Dienstag, 18. Mai 2010

Bauchschmerzen, Mistwetter und Arbeitslosigkeit...


...mhm. der Titel klingt nach einem nicht besonders erquicklichen Bericht, der jetzt folgen wird... :D Tatsächlich hatte ich seit letztem Donnerstag bis gestern noch schwerst mit einer Verdauungsproblematik zu kämpfen. Hannah und mich erwischte es Donnerstag Nachmittag gleichzeitig mit Bauchweh, weshalb wir es aufs Mittagessen schoben (da gabs - na? - genau, Reis, und zwar mit irgendnem Blumenkohlmixgemüse, was eigentlich recht lecker war). Sind beizeiten ins Bett und haben aufs Abendessen verzichtet. Hannah gings am nächsten Morgen wieder gut, mir nich so. Habe die ein oder andere längere Zeit des Vormittags auf der Toilette und überm Eimer (mhm, vermutlich wolltet ihr es SO genau gar nicht wissen ;)) und ansonsten so ziemlich den ganzen Tag im Bett verbracht. Banane und trockenen Reis hab ich zwischendurch aber essen können und am nächsten Tag (nachdem ich die frühe Meditation nochmal geschwänzt und lieber schön ausgeschlafen hab) sogar mächtig Lust auf Frühstück gehabt. Ich dachte, damit wärs dann überstanden gewesen - aber nö, am Sonntag gabs Mittags wieder dasselbe Blumenkohlzeugs und ich habs unvorsichtigerweise gegessen - und prompt war unser Nachmittags-Ausflug in die Stadt mit den Australiern versaut, weil ich allerderbstes Magenweh hatte. Großartig. Also wieder ohne Essen ins Bett, Meditation geschwänzt, aber gefrühstückt - und seit dem gehts endlich wieder, denke, es ist durch. Puh. Aber an dieser Stelle sei Martin (weltbester und ehemaliger Mitbewohner) zitiert: "Ich denke, dass Bauchgrimmen zum echten Indien-Erlebnis gehört." Hätten wir das dann aber auch damit abgehakt, bitte.

Hannah und ich kamen gerade von einem Über-Mittag-nach-Leh-Ausflug zurück. Uns verlangte es zu sehr nach NICHT-Reis und mussten bissl Geld tauschen, Obst kaufen und Zeit rumbringen. Wie überaus Festtagsmahl-mäßig ein simples Nudelgericht doch sein kann... Ich hab mir auch ein bisschen Hühnchen gegönnt - auch wenn man dabei keinen Gedanken daran verschwenden darf, wie man ganze Fleischbatzen und Innereien einfach so auf den schmutzigen Tischen in den dreckigen Ladenhütten hat rumliegen sehen, und wie sie von Fliegen besetzt werden und auf Käufer warten...

Für mich gabs nach der Strickmütze letztens jetzt noch hübsche Strickstrümpfe. Denn, Leute, ihr macht euch keine Vorstellung, wie schweinekalt das hier ist. Ebenso, wie der Sommer bei euch auf sich warten lässt, sind die Locals hier auch betrübt und verwundert über die ungewöhnlich niedrigen Temperaturen und das Mistwetter. Die ersten paar Tage, die ich hier war, wars ja echt nett - blitzeblauer Himmel, schöner warmer Sonnenschein, schneebedeckte Berggipfel. Und seit gut anderthalb Wochen ist hier alles grau in grau, der Himmel hängt tief mit dicken Wolken zu und die Bergspitzen verschwinden in dem Wolkenteppich. Dazu stürmts sehr, manchmal tröpfelt es (aber regnen tuts nicht wirklich) und es is kalt: ich trage meist 6 Schichten von Hemdchen, T-Shirt, Pullis, Fleece- und Windjacken übereinander, den Schal trag ich tags wie nachts und wenns morgens hoch zum Meditation-Center geht, muss sogar noch die Thermo-Unterhose unter die Jeans. Verrückt - weil es sich im Gesicht gar nich so dermaßen kalt anfühlt (vermutlich wegen der äußerst trockenen Luft), aber die Kälte kriecht so in einen rein... A propos trockene Luft: der beste Beweis für jene ist der, dass die per Hand gewaschenen und daher nur dürftig ausgewrungenen Jeans bei dieser Hundekälte innerhalb weniger Stunden komplett trocknen. Das Blöde is, dass ich erstens immernoch nicht wirklich gesund bin, weil ich immer wieder irgendwo frier, und mich wohl quasi auch immer wieder neu erkälte (die Mädels husten und schnupfen auch alle wie wild rum) und zweitens macht das Wetter wohl nun doch komplett nen Strich durch unsere Ausflugs-Pläne. Eigentlich wollten wir diese Woche ins Nubra-Valley fahren, wo man auf der höchsten befahrbaren Straße der Welt entlangfährt. Tja, die Straße dorthin ist seit drei Tagen gesperrt und wird halt irgendwann wieder aufgemacht, wenn sich die Wetterverhältnisse gebessert haben. Momentan isse zugeschneit. Großartig. Muss ich dann halt mal allein machen, wenn hier Sommer wird - Hannah is ja nur noch knapp zwei Wochen da, vermutlich wird sich da wettertechnisch nicht allzu viel ändern...

So, es gibt aber auch Nettes zu erzählen, jawohl. :) Seit Samstag bekommen wir Yoga-Unterricht. Immer im Anschluss an die morgendliche Meditations-Session gibts noch ne Stunde herrlichstes Dehnen, Recken, Strecken, Biegen, Verharren und Atmen. Das fetzt und reicht, um wenigstens einmal am Tag sowas wie warm zu werden. :)
Außerdem ist Lhamo, die Mitarbeiterin ausm Old Aged Home seit Freitag nun tatsächlich zurückgekehrt. Hab mich mit ihr getroffen und ein Schwätzchen bei Tee und Keksen gehalten (berichtete ich schon vom Tee? Muss ich ma noch machen...). Fakt is, dass es keine wirkliche dauerhafte Arbeit für mich dort gibt (zumal sich Lhamo irgendwie nich so richtig traut, Englisch zu sprechen, selbst wenn sies könnte) - aber ich habe dennoch einen Auftrag bekommen und hab nun sowas wie was zu tun! Ich soll sowohl eine Art Flyer/Informationsblatt übers Old Aged Home sowie das Schwarze Brett dort im Heim gestalten. Also eine nette kreative Arbeit, die ich ab morgen in Angriff nehmen werde, weil wir ja nun nicht verreisen können... Prima. In meinem momentanen Zimmer kann ich nun auch bleiben, bis Hannah geht und ich ins Mädchen-Hostel umziehen kann, weil die eigentlich angesagten Gäste nun doch nicht kommen. Auch prima. Meine Kondition wird deutlich besser - momentan hindert mich nur der immernoch hartnäckige SChnupfen am vernünftigen Durchatmen. Also auch halbwegs prima. :)

Da der Strom hier im Office bald ausgehen wird (auf den Zimmern geht er irgendwann nach 19 Uhr erst an und is dann bis 23 Uhr da) und der genaue Zeitpunkt nie so ganz abzusehen ist, ist für heute erst mal Schluss hier. :) Bis sehr bald und die besten Berggrüße!

Donnerstag, 13. Mai 2010

:)

Jolay! Kleines Update zum Donnerstag. Seit Montag wohne ich nun wieder in eigenem Zimmer, im Volunteer-Haus, wo die Australier und sonst noch weitere Leute (Lehrer und Arbeiter) wohnen. Theoretisch gibt’s im Bad sogar nen Boiler und damit heißes Wasser ausm Wasserhahn (diesmal ohne Dusche, aber bei den momentanen Temperaturen kann man sich eh nicht unter die eiskalte Dusche stellen). Aber natürlich is der Boiler kaputt, so dass ich mein warmes Wasser für die Eimer-Dusche ausm Nachbarbad herantrage :). Tobi, der schwedische Australier, hat meine Kospülung repariert. Und sogar n Spiegel hängt im Bad – alles super. Im neuen Zimmer gibt’s auch keine Beiß-Käfer mehr.

Ansonsten hat sich an der allgemeinen Arbeits-Situation nichts geändert – Lamo ausm Old-Aged-Home ist immer noch nicht wieder da („maybe tomorrow“ hörte ich gestern), so dass ich weiterhin meine Zeit gemeinsam mit Hannah im Mädchen-Hostel verbringe – halt erst nach der Schule. Wir machen mit den Mädchen der verschiedenen Klassenstufen ein bisschen Englisch-Nachhilfe, bis zum Abendessen dann draußen spielen mit den Kleinen. Die sind zuckersüß und sehr anhänglich. Wenn ich auf den Hof komme dauert es keine Minute, da hab ich links und rechts immer dieselben beiden Mädchen an der Hand und kurz darauf hängen an jedem Finger zwei Mädchen :D.
Früh stehen wir jetzt kurz vor 6 Uhr auf, um den 1,5km-Marsch hoch zum Meditation-Center bis 6.30Uhr zu schaffen. Da gibt’s dann anderthalb Stunden Meditations-Unterricht vom Obermönch Sangashena für uns Volunteers, Gäste und Mädchen, Jungs, Mönche und Nonnen, die Lust haben. Erst wird gesungen, dann spricht der Obermönch, dann wird meditiert. Das Problem ist die Zeit: nach so frühem Aufstehen und ohne Frühstück schein ich noch nicht in der Lage zu sein, vernünftig Meditation betreiben zu können – denn ich schlafe ein! Im Schneidersitz! Plötzlich geht eine Welle von Schwindelgefühl durch den Körper (wenn der Kopf vornüber fällt vermutlich). Das ist total krass – aber vielleicht sollte ich es als positives Zeichen meiner Entspannungsfähigkeit betrachten... ;) Danach machen wir zusammen mit den Australiern (heut stieß noch ein Gast aus England dazu) Frühstück – wir haben uns in Leh Toast und Aprikosen-Marmelade (original aus Ladakh!) besorgt – denn Dahl (eine Art Mais-Linsen-Suppe) oder Reis-Porridge zum Frühstück is auf Dauer eher schwer gut zu finden.. ;) Tja, und dann geht der Vormittag so rum mit bissl Morgenhygiene, Zimmer aufräumen und Zeugs am PC machen oder Internetten (was Vormittags bissl anstrengend is, weil so oft der Strom plötzlich weg is oder die Verbindung hängt). Nach dem Mittag (im Hostel um 13Uhr) – was in der Regel aus Reis mit Dahl und verschiedener Gemüsebeilage besteht (JEDEN Tag!), is dann im Grunde wieder Freizeit – aber da ergibt sich bisher eigentlich jeden Tag irgendwas. Gestern war ein Politiker hier, da gabs nen Empfang der Schüler und Lehrer. Vorgestern warn wir zwei Mädels allein in Leh, was ein bisschen beängstigend war zunächst, aber eigentlich ist rein nichts zu befürchten. Haben bissl Zeugs eingekauft (Toilettenpapier :D, Obst, Kekse und so) und waren lecker Essen in einem Restaurant. Und die Taxi-Fahrer haben uns richtiggehend zivilisiert kutschiert! :) Auf dem Markt wird gefeilscht, was das Zeug hält. Hab mir ne prima Strick-Mütze mit Ohrenschutz gekauft – für 2,50 Euro (150 Rupies). Essen kaufen oder gehen is auch sehr günstig. Nur offensichtlich importierte Sachen wie Drogerieartikel und so sind im Vergleich teuer – aber nicht teurer als bei uns.

Zum Abendessen gibt’s im Übrigen auch Reis mit Gemüse. Aber wir kriegen schon auch mal so Instant-Nudeln :) Und manchmal gibt’s Tomaten oder ein bisschen Obst dazu. Man kann sich also wirklich nicht beschweren – sie geben sich alle Mühe, dass man keinen Reiskoller bekommt ;).
So, jetzt geht’s erstmal zum Lunch. Habt einen schönen Tag! :)

Montag, 10. Mai 2010

Australier, Klöster und Meditation


Heiho ihr Lieben. Oder: Jolay (sprich: Dschuleeee)! Das ist Ladakhi (die Sprache, die in Ladakh gesprochen wird - erstaunlich, ne ;)) und das praktischste Wort überhaupt - es heißt Hallo, Tschüß, Bitte und Danke gleichzeitig. Und wird deshalb gefühlte 2739846000000 Mal am Tag gesagt und gehört. Besonders im Old-Aged-Home wars anstrengend - da kam man bei jedem Kommen und Gehen an fast allen Bewohnern vorbei, die ja immer irgendwo draußen sitzen, und musste somit jedesmal jedem ein fröhliches Jolay entgegenrufen - die das mit etwa 4-9 Jolays honorierten.

Heut nun ist Montag. Die Mitarbeiterin im Old-Aged-Home ist immernoch nicht da, ich wohne noch immer mit bei Hannah im Zimmer und es gibt immernoch nichts wirklich zu tun. Mittlerweile hat sich herausgestellt, dass das wohl ein bekanntes und zentrales Problem zwischen den Volunteers und den Leuten hier ist, dass es keine klaren Rahmen und Richtlinien und Vorstellungen davon gibt, was genau und wann und wie die Volunteers hier zu tun haben. Man fühlt sich ein bisschen wie ein Besucher, der alles tun und lassen kann, was er möchte - was für einen BESUCH auch nett wäre - aber was einen als Volunteer, der hergekommen ist, um sich nützlich zu machen, ein bisschen überflüssig vorkommen lässt. Vom Old-Aged-Home mal abgesehen, wo scheinbar wirklich nichts direkt zu tun ist, sind auch für Hannah die Aufgaben im Mädchenhostel immernoch unklar. An klarer Kommunikation mangelt es, es ist nie so richtig durchdringbar, welche Meinung oder Einstellung die jeweiligen Verantwortlichen zu den eigenen Vorschlägen oder Vorstellungen haben. Diese Problematik diskutieren wir nun schon seit letzten Mittwoch - und interessant ist, dass zwei neu hinzugekommene Volunteers exakt die gleichen Eindrücke haben, auch wenn sie erst Samstag ankamen. Ein Paar aus Australien, Mitte dreißig und cool drauf. Haben wir gestern nach dem Gottesdienst kennengelernt, heut morgen wir nach der Meditationsstunde gemeinsam frühstücken: sie sind auch nur ein paar Wochen hier, bis Mitte Juni wohl, und sind als "Volunteer für alles" da - auch sie bemängelten die mangelnden Vorgaben. Man hängt ein bisschen in der Luft.

Weil ich nicht in das Bedbug-Zimmer im Old-Aged-Home zurück will (die Fenster sind nicht schließbar, die Bedbugs leb(t)en dort und überhaupt isses dort athmosphärisch wirklich grenzwertig mit den dauerhaft singenden und nicht so gut riechenden Alten...) habe ich nach der Möglichkeit, das Zimmer zu wechseln gefragt - auch das scheint problematisch zu sein, weil dauerhaft nix frei sei... Nunja, jetzt ziehe ich erstmal für ne Woche mit in das Haus, wo die Australier auch wohnen, werd aber wohl dann wieder zu Hannah zurückziehen, weil dann weitere Gäste dort einziehen werden, die das Zimmer brauchen... Eine Umzieherei... Aber gut.

Haben in den letzten Tagen ziemlich viel unternommen und erlebt: Am Samstag gings zu zwei alten Klöstern in der näheren Umgebung, eins wird grad aufwändig als touristisches Ausflugsziel restauriert. Die Anlage des größeren von beiden Klostern ist absolut beeindruckend: Direkt auf die Spitze eines Berges und an den Hang gebaut, atemberaubende Aussicht auf das umliegende Tal. Drinnen ein riesiger goldener Buddha, über und über mit weißen Seidentüchern behangen und ein Opfertisch mit vielen Geldscheinen, Keksen und Fantaflaschen (!). Draußen überall Gebetsmühlen in langen Reihen (die man IMMER im Uhrzeigersinn drehen muss), gestapelte Steine und Mönche. Nachmittags ham wir nen Spaziergang durchs Tal bis zu ner Bergwand gemacht - dort stehen eine Reihe Zelte (sog. Eco-Tents), die im Sommer an Besucher vermietet werden. Draußen gepflasterter Eingang, drinnen Betten und gefließtes Bad, direkt am Eingang Tisch udn STühle zum gepflegten Teetrinken und übers weite Tal gucken. Geheimtipp für Flitterwöchler, die die Einsamkeit suchen ;)

Gestern gabs einen dreistündigen sowas-wie-Gottesdienst. Alle (Mädchen, Jungs, Nonnen, Mönche, Mitarbeiter) sitzen im Schneidersitz (immerhin auf Kissen) aufm Boden, vorn ist eine Art Altar mit Buddha-Figur, bunten Kunstblumen und noch bunteren Girlanden aufgebaut. Der Obermönch Sanghasena (hab ihn zuletzt falsch geschrieben ;)) sitzt auf einem kleinen Podest. Es wurde viel gesungen, Sanghasena hielt eine Art Predigt über den Buddhismus und seine Prinzipien im Allgemeinen, wir Neuankömmlinge wurden vorgestellt und begrüßt und erhielten zur Ehre einen weißen Seidenschal umgehängt. Meditiert wurde auch, aber nur kurze 15 Minuten. Ich hatte große Mühe, nicht wegen plötzlichen Einschlafens vornüber zu kippen. Dann gab es noch Einzelbeiträge von den Bewohnern des Mädchen-, Jungs-, und -Alten-Hostls. Insgesamt doch sehr kurzweilig, beeindruckend und angenehm - aber drei Stunden im Schneidersitz...das muss ich noch üben.

Ab morgen haben wir nun jeden Tag morgens von 6.30Uhr bis 7.30Uhr eine Stunde Meditations-"Unterricht" beim Obermönch, danach noch eine halbe Stunde Yoga. Heute gabs nur eine halbe Stunde Schnupper-Meditation. Das Ziel ist, sich derart auf sich selbst zu konzentrieren, dass man ausschließlich im Hier und Jetzt ist, keine Gedanken an die Vergangenheit oder die Zukunft hat und sich somit mental komplett befreit und an NICHTS denkt. Das klappet bei mir genau ein paar Sekunden, eh ich mich wieder dabei ertappte, über irgendwas nachzudenken. Bin ich gespannt, ob ich das wirklich lernen kann und was es mit mir macht...

So. Jetzt ist schon wieder so viel geschrieben und noch lange nicht alles gesagt. Aber wie gesagt: dafür wird noch genug Zeit sein demnächst ;)
Bis bald!

Freitag, 7. Mai 2010

Umgezogen.

Na herrlich. Das waren gar keine Moskitos, die mich so übel zugerichtet haben - das waren kleine braune Käfer, die Nachts ausm Holz gekrochen kommen und sich an menschlichem Blut laben. Ich hab gestern Nacht zwei davon auf frischer Tat ertappt, mit Taschentuch fangen und töten und heute jemandem hier zeigen können. Die waren sehr erstaunt und meinten, diese Viecher gebe es um die Jahreszeit eigentlich noch gar nicht. Doch, gibt es. Nun soll mein Zimmer ausgeräuchert werden, so dass die Tiere sterben und aus den Holzbalken fallen. Na toll. Liegt dann da ein Käferfriedhof aufm Teppich und sonst überall verstreut. Es gibt keine Staubsauger, sollte dazu erwähnt werden. Nur kleine Stroh-Besen. Heute Nacht sollte ich mich aber ruhig nochmal schön zerbeißen lassen - Chorol nickte nur, als ich sie das mit großen fragenden Augen fragte... Nix da. Ich hab kurzerhand gepackt und bin rüber ins Mädchenhostel mit in Hannas Zimmer gezogen. Die hat noch eine weitere Liege im Zimmer stehen und bot glücklicherweise an, auch bei ihr schlafen zu können, wenns mir zu bunt wird. Mit großen schwarzen Käfern, die überall im Bad rumkriechen, komm ich ja gut klar. Die verhalten sich ja ansonsten unauffällig. Aber hinterlistige Mini-Käfer, die mich im Schutz der Dunkelheit aussaugen und überall riesige rot-blaue Flatschen hinterlassen - Nö. Das is eher uncool.

War heut früh mal mit in der Schule und hab hospitiert - auch hierrüber könnte man ein ganzes Buch verfassen, doch dazu auch später mehr. Auch zum Essen und Wetter. Ihr wollt ja auch in paar Wochen noch was Neues vom Berg erfahren, nich wahr. ;)

Für heute erstmal herzlichste Grüße :)

Es geht aufwärts.


Juchhee! Schlucken geht wieder, ohne das Gesicht zu vergrimassizieren zu müssen, die Nase läuft sich frei. Heißes Wasser trinken, wie mir angeraten wurde, hilft offensichtlich :).

Waren die ersten beiden Tage hier langsam, träge, still und ein bisschen sinnleer (abgesehen von der doch irgendwie notwendigen Aklimatisierungsruhe), hatten es die letzten beiden, also gestern und heute, gleich doppelt in sich. Wenn nicht gar dreifach. Aber der Reihe nach. :)

Ursprünglich wollte ich ja meine gesamte Zeit als Freiwilligendienstler hier im Mädchen-Hostel verbringen. Weil aber eine andere Bewerberin schneller war, war der Platz für Mai schon weg, weshalb ich diesen als Helfer im „Old Aged Home“, also Heim für Alte und Behinderte, verbringen sollte, um dann ab Juni im Mädchen-Hostel zu arbeiten. Weil wie gesagt die einzige englischsprechende Mitarbeiterin hier im Altenheim gerade im Urlaub ist und erst nächste Woche irgendwann wiederkommt, gibt es für mich nichts zu tun als auf deren Rückkehr zu warten. Das Gelände zu erkunden oder irgendwelche anderen Aktivitäten fielen ja erstmal flach, weil das Herzlein noch bei jedem Schritt zu viel zu arbeiten hatte, so dass man beim Rumsitzen, Lesen, Tee trinken und Rumsitzen hin und wieder sich zu fragen geneigt war: „Was tue ich eigentlich hier?!“. Eigentlich bin ja ganz gut im Nichtstun, bzw. entspannende Sachen tun, allerdings wohl nur, wenn im Hintergrund furchtbar wichtige Dinge auf ihre Erledigung warten…
Dazu müsst ihr euch die Situation hier im Altenheim folgendermaßen vorstellen: Es gibt 30 Bewohner, alle unterschiedlich alt oder behindert. Soweit ich das bisher beobachten konnte (auf genaue Auskunft muss ich ja noch warten), sind allerdings alle fähig, sich selbst zu versorgen, bzw. helfen sie sich untereinander. Einer alten Frau fehlen die Hände, zwei sitzen im Rollstuhl, bewegen sich aber auch schonmal kriechend vorwärts, ein paar humpeln, andere sind einfach nur alt. Aber keiner ist wirklich pflegebedürftig oder bettlägerisch. Deren Tagesablauf besteht aus Schlafen, Essen, Zimmer und Hof kehren und ansonsten beschäftigen sie sich miteinander. Meistens sitzen sie irgendwo in der Sonne und reden. Noch öfter allerdings beten sie, und zwar in Form buddhistischer Sprechgesänge und Drehen an Kettenperlen oder dem Kreisen der Gebetsmühle. Oder was das ist. Muss ich noch erkunden. Tja. Und das wars. Mehr findet hier nicht statt, weshalb es zwar sehr entspannend, friedvoll und fast meditativ ist, aber eben auch eintönig und ein bisschen belastend, wenn so gar niemand da ist, der dich versteht oder mit dir spricht. Das Ding ist - selbst wenn die englisch-sprechende Mitarbeiterin wieder da ist (die übrigens auch schon mal in Deutschland war) – ich kann mir noch nicht so wirklich vorstellen, was es hier für mich zu tun gäbe. Die kommen alle wunderbarst allein zurecht. Naja, mal abwarten.

Jedenfalls ist’s nun seit Mittwoch alles andere als irgendwie noch langweilig – denn das Mädel, was jetzt im Mai im Mädchen-Hostel ist, kam am Dienstag hier an und wir trafen uns gestern eher zufällig im Office, weil sie auch ans Internet wollte. Hanna, aus Saarbrücken, 20, und sofort ins Herz schließbar. Da ihr Vater ein Sponsor der Einrichtung ist und enge Kontakte zu den Organisatoren hat, kennt sie zwei, drei Leute hier, was oberpraktisch ist. Haben dann zufällig auch gleich noch den Obermönch Sarasena getroffen, der aus dem Stehgreif einen Kurzvortrag über die Philosophie dieser buddhistischen Einrichtung hielt. Wir, die ganze Welt, müssen uns alle als eine große Familie begreifen, dann gäbe es keine Krieg mehr und alles Geld könnte so viel sinnvoller verwendet werden. So die Quintessenz, soweit ich alles mitbekommen hab. Schön, pauschal, einfach. Hier zwischen den Bergen fällt es nicht besonders schwer, an diese Utopie zu glauben und begeistert zu nicken.

Die Aufgabe der Volunteers im Mädchen-Hostel ist es, nachmittags ein Auge auf die Kinder beim Hausaufgaben machen zu haben und den Abend bis zum Abendessen (um acht) mit ihnen zu verbringen – Spiele spielen, singen, tanzen, Unsinn machen. Oder auch mal erziehen. Das haben wir nun gestern und heute gemeinsam gemacht – es ist toll! So viel Leben, Lachen, Fröhlichkeit, Lautstärke, Anhänglichkeit, Fröhlichkeit, Neugier und Vertrauen auf einem Haufen! So mag ich das :). Es gebe hierüber derart viel zu berichten, dass ich das zunächst hinten an stelle – ich bin ja noch ein bisschen da ;).

Gestern haben wir zudem den ersten Ausflug in die Stadt Leh gemacht. Reizüberflutung, aber vom Feinsten. Zum Glück hat uns eine nette junge Frau (Organisatorin der Meditationskurse – wir machen nächste Woche gleich einen mit) begleitet und alles gemanagt. Hier geht’s zu! :D Öffentliche Verkehrsmittel gibt’s nicht, es stehen aber überall Mini-Vans rum, die als Taxis fungieren. Da passen hinten auf die beiden Bänke jeweils drei Leute mit engstem Körperkontakt und vorne auch schonmal noch ein dritter zwischen Fahrer und Beifahrer. Gurte gibt’s nicht und ich musste den Kopf einziehen :D. Die Fahrt im Taxi kam einer Achterbahnfahrt gleich – wir haben uns mehrmals die Hände vor die Augen geschlagen, weil wir dachten, jetzt passierts gleich. Irgendein Hund, Mensch oder entgegenkommender Moped- oder Autofahrer wird gleich dran glauben müssen. Aber nix! Alles geht glatt, alles flutscht doch irgendwie aneinander vorbei. Dort dann überall Läden, Stände, Auslagen, Gewürze, Tücher, Obst, Gemüse, Trecking-Bedarf (ob die Jack Wolfskin-Jacken echt sind?), überteuerte Drogerieartikel, Teestübchen, Elektronikhändler, Haushaltsware, Schuhe, Bäcker (lecker Kekse ) – es gibt ALLES! Dabei sieht die Stadt selbst aus wie nach nem Krieg. Vieles ist zerfallen, überall blättert die Farbe, alles ist provisorisch und trotzdem gut. Freilaufende Hunde und Tiere, die wie kleine Kühe aussehen, mittendrin. Und Mönche in roten Gewändern und großen schwarzen Designersonnenbrillen. Verrückt. Faszinierend. Verstörend.

Bis später!